Pädagogen-Gehälter in Berlin : Volle Zulage nur für jeden siebten Lehrer

Nur angestellte Lehrer im ersten Berufsjahr erhalten die volle Zulage von rund 1300 Euro, mit der das Gehalt von Junglehrern an das von erfahrenen Pädagogen angeglichen wird. Piratenpolitiker Martin Delius warnt vor einer langfristigen Ungleichbehandlung in den Lehrerzimmern.

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Martin Delius
Martin DeliusFoto: dapd

Einige erhellende Fakten zur Situation der Lehrer in Berlin hat eine Kleine Anfrage des Abgeordneten Martin Delius (Piraten) zutage gefördert. Dazu gehört, dass zurzeit nur etwa jeder siebte der 8000 angestellten Lehrer von der viel diskutierten vollen 1300-Euro-Zulage profitiert. Die übrigen angestellten Lehrer arbeiten bereits mehr als ein Jahr, so dass sie schon in eine höhere „Erfahrungsstufe“ geklettert und somit automatisch in eine höhere Gehaltsklasse gelangt sind. Damit schrumpft die Zulage, die ja die Differenz zwischen einem Anfängergehalt und dem Gehalt eines erfahrenen Pädagogen ausgleichen sollte, um die Junglehrer in Berlin zu halten.

Delius warnt davor, dass Berlin auch langfristig die Ungleichbehandlung in den Lehrerzimmern nicht in den Griff bekommt. Vielmehr könnte eine Art Mehr-Klassen-Kollegium entstehen, falls ab 2018 die Zulage nicht mehr bezahlt würde. Dann würde es Angestellte mit und Angestellte ohne Zulage bei gleicher Berufserfahrung geben sowie weiterhin etliche Beamte.

Kritisch sieht Delius auch, dass der Senat bei der Qualifikation der Vertretungslehrer nicht durchblickt. Auf seine Anfrage, wie viele von ihnen eine volle Pädagogenausbildung haben, bekam er zu Antwort, dass der Senat dies nicht erfasse.

Delius wollte zudem wissen, wie viele angestellte Lehrer seit Abschaffung der Verbeamtung im Jahr 2004 gekündigt oder einen Auflösungsvertrag geschlossen hätten. Bildungs-Staatssekretär Mark Rackles (SPD) listet 1360 Lehrer auf, für die das zutrifft. Allerdings sind im gleichen Zeitraum ähnlich viele aus anderen Ländern nach Berlin gewechselt.

Die Zahl der Quereinsteiger, die mit einem berufsbegleitenden Referendariat beginnen und gleich im Umfang von 19 Stunden pro Woche unterrichten müssen, steigt. Allerdings stehen den aktuell knapp 80 Quereinsteigern über 1000 Lehrer gegenüber, die pro Jahr ganz regulär ihre Ausbildung in einem normalen Referendariat ablegen.

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