Schulstart : Einschulung erster Klasse

Was Eltern wissen sollten – und wie sie ihre Kinder auf den neuen Lebensabschnitt vorbereiten können.

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Kopfputz. Die Schultüte ist zu vielem zu gebrauchen – in erster Linie natürlich für den ersten Schultag. Den erleben 24 200 Berliner Kinder Ende August. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Kopfputz. Die Schultüte ist zu vielem zu gebrauchen – in erster Linie natürlich für den ersten Schultag. Den erleben 24 200...

Hoffentlich geht es in knapp zwei Wochen keinem der 24 200 neuen Berliner Erstklässler wie Erich Kästner: Ihm hatte bei seiner Einschulung im Jahre 1906 nämlich seine riesige Schultüte samt Schleife die Sicht genommen. Er stolperte an seinem großen Tag über eine Treppenstufe, brach dabei die Tütenspitze ab, und aus dem Kegelstumpf rieselten Bonbons, Apfelsinen, Törtchen und goldene Maikäfer. Kästner weinte.

Die neuen Berliner Grundschüler haben ihre Tüten hoffentlich besser im Griff. Am 28. August beginnen sie eine Woche nach dem regulären Schulstart mit den Einschulungsfeiern einen neuen Lebensabschnitt. Noch haben die Kinder und ihre Familien also einige Tage Zeit, um sich auf die neue Situation einzustellen. Damit haben sie auch Gelegenheit, sich umzustellen: auf einen neuen Rhythmus und einen Schulweg etwa, den sie irgendwann auch alleine zurücklegen werden.

Für einen behutsamen Übergang von der Kita in die Schule sollten sich die Kinder schrittweise an all das gewöhnen, was sie für den neuen Lebensabschnitt brauchen: Die Senatsbildungsverwaltung empfiehlt etwa, die Fünf- und Sechsjährigen in die Vorbereitungen und Einkäufe für den Unterricht mit einzubeziehen. Wer seinen Ranzen, den Turnbeutel und die Stifte selbst aussuchen darf, bei dem wächst auch die Vorfreude auf die Schule.

Die einzige Ausnahme von der Regel ist wohl die Schultüte. Zu den Überraschungen, die den Kindern den ersten Schultag verschönern, können neben Süßigkeiten zum Beispiel dicke Buntstifte und Wachsmalkreiden gehören – oder eine originelle Brotdose, vielleicht mit dem Lieblingstier des Kindes oder einem Comic-Helden. Zur Bewegung auf dem Pausenhof können ein Springseil oder ein Gummiband anregen.

Damit der kindliche Rücken den Schulstart gut verkraftet, sollten Eltern beim Ranzenkauf einiges beachten. Nach Angaben der Bundestags-Kinderkommission klagten vor zwei Jahren 54 Prozent aller Schüler über Rückenschmerzen. Der ideale Ranzen sollte im Fachgeschäft gekauft werden, nicht viel mehr als ein Kilogramm wiegen und gepolsterte, breite Schulterriemen haben.

Eingepackt werden sollte täglich nur das, was wirklich benötigt wird: Schulkinder sollten auf dem Rücken nicht mehr als zehn Prozent ihres eigenen Körpergewichts tragen. Der Ranzen muss außerdem auch für Autofahrer gut zu erkennen sein: Diese Vorgabe erfüllen Modelle, die der DIN-Norm 58124 entsprechen und etwa Leuchtstreifen haben.

Rückenfreundlich sollte außerdem auch der Arbeitsplatz der Schulstarter sein, den sie sich zu Hause einrichten. Gut geeignet dafür sind zum Beispiel Schreibtische und Stühle, die mit den Kindern mitwachsen. Eine entspannte Körperhaltung unterstützen dabei Tische, deren Platten sich individuell schräg einstellen lassen.

Für den Fall, dass gerade im ersten Schuljahr nicht immer alles gut geht mit dem Lernen und die Erstklässler kleine Hürden überwinden müssen, empfiehlt die Senatsbildungsverwaltung verschiedene „Mutmach“-Sätze, die von der Diplom-Pädagogin Uta Reimann-Höhn zusammengestellt wurden. Einer davon lautet: „Ich bin immer für dich da, ich helfe dir, wenn du mich brauchst“, ein anderer: „Du bist stark. Du schaffst das.“

Motivieren können die Erstklässler auch ältere Mitschüler: Die neue flexible Schulanfangsphase (Saph) bringt die ganz Kleinen mit älteren Schülern zusammen. Saph soll das Lerntempo jedes einzelnen Kindes berücksichtigen: Die meisten Kinder bleiben zwei Jahre lang in diesem Verbund. Wer besonders schnell lernt, kann diesen Abschnitt jedoch auch in einem Jahr durchlaufen – wer mehr Zeit braucht, darf drei Jahre bleiben.

Für die Schulwege, die nun vor den Erstklässlern liegen, ist Stephan Riegger vom Institut für Sportwissenschaft der Humboldt-Universität Experte. Er empfiehlt Eltern von Schulanfängern, den Morgen rückwärts zu planen – also vom Schulbeginn bis zum Aufstehen durchzurechnen: „Damit keine Hektik aufkommt.“ Wichtig ist für ihn auch, dass die Kinder morgens frühstücken – genau das falle jedoch vielen Erstklässlern schwer. „Wenn die Kinder kein Brot essen wollen, sollten sie zumindest ein Glas Wasser und etwas Obst zu sich nehmen“, sagt Riegger. Sonst könnten sich die Kinder nicht konzentrieren.

Ganz egal, wie weit die Kinder von der Schule entfernt wohnen: „Die letzten 300 bis 500 Meter sollten die Schüler zu Fuß gehen.“ So könnten sie vor Unterrichtsbeginn genügend Sauerstoff tanken. Riegger empfiehlt, mit den Kinder über „Wegmarken“ zu sprechen, die auf dem Schulweg Orientierung geben. Das kann zum Beispiel ein Baum sein oder ein Zeitungsladen. Riegger hält außerdem ältere Schulkinder für die idealen Wegbegleiter der Erstklässler. „Und auch die Schule muss den Weg in den Unterricht integrieren“, sagt er – also darüber sprechen.

Jenen Eltern, die ihre Kinder selbst zur Schule bringen, rät Rieger, die „Schüler im Laufe des Jahre in immer größerem Abstand voraus laufen zu lassen“. Das zeige den Kinder, dass man ihnen vertraue, und gebe Selbstbewusstsein.

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