Sommer-Akademie : Ein Roboter ist keine Magie

Der Ferientreff der Humboldt-Universität am Campus Adlershof wirbt mit Programmierkursen für die MINT-Fächer.

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Gar nicht so schwer. Anton, 9, und Lisa, 10, haben ihrem „Robotta“ mithilfe einer Software das Tanzen beigebracht.
Gar nicht so schwer. Anton, 9, und Lisa, 10, haben ihrem „Robotta“ mithilfe einer Software das Tanzen beigebracht.Foto: Davids

Einem Roboter sieht der aus Legosteinen zusammengebaute Lego-Mindstorms-Roboter nicht ähnlich. Mit seinen vier Rädern erinnert er an ein kleines Auto mit gelben Greifzangen an der Vorderachse. Der elfjährigen Miria ist das Aussehen egal. Beim FiNCA-Ferientreff des Instituts für Informatik der Humboldt-Universität am Campus Adlershof lernt sie, wie sie einen Roboter programmiert.

Meryem Can, Informatikstudentin und Kursleiterin, gibt Hilfestellung: „Zunächst müssen wir die Software zum Programmieren auf dem PC öffnen.“ Es folgt ein kurzer Werbefilm über die vom Fraunhofer Institut entwickelten Roboter, mit denen Kinder von der fünften bis zur zehnten Klasse an die sogenannten MINT-Fächer – Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – herangeführt werden. Dann kann es losgehen: „Es gibt Befehle wie vorwärts- oder rückwärtsfahren und links oder rechts abbiegen“, erklärt die 24-jährige Kursleiterin. „Außerdem kann man die Motorleistung anpassen oder Musik für den Roboter komponieren.“ Miria hat ihren Roboter Anna genannt, nach ihrer kleinen Schwester. Und Roboter Anna muss einiges lernen. „Das häufigste Problem ist, dass sich Kinder und Eltern schwer vorstellen können, dass der PC anders denkt als der Mensch“, sagt Can. Dem Roboter muss Schritt für Schritt gesagt werden, was er tun soll, wenn ein Hindernis vor ihm steht. Nämlich: rückwärtsfahren und abbiegen. Mirias Vater hat früher selbst Informatik am Campus Adlershof studiert und ist bei der Langen Nacht der Wissenschaften im Mai auf die Roboter gestoßen. Damit seine beiden Kinder mal in die MINT-Fächer reinschnuppern, hat er für die Sommerferien einen eintägigen Roboter-Familienkurs gebucht. „Die Roboter-Kurse sind immer gut besucht“, sagt Sandra Schulz, die Informatik und Sport auf Lehramt studiert. Seit zwei Jahren arbeitet sie beim FiNCA-Ferientreff (Frauen in den Naturwissenschaften am Campus Adlershof). „Hier habe ich direkten Kontakt zu den Kindern, das ist wichtig für den späteren Beruf.“ Im Vordergrund stehe der familiäre Aspekt, sagt Schulz: „Eltern und Kinder sollen zusammenarbeiten.“ Manche Eltern seien überrascht, wie technikaffin ihre Kinder sind. „Ansonsten ist das Ziel, den Familien nahezubringen, dass Informatik keine Magie ist.“ Einen Informatiker stelle man sich klischeehaft als einsamen Grübler ohne soziale Kontakte vor, der im dunklen Kämmerchen vor seinem PC hockt. „Genau so ist es nicht. Programmieren macht Spaß und es ist gar nicht so schwer, wie viele sich das vorstellen“, sagt die 24-Jährige.

Der Ferientreff bietet die Kurse in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Verein Offensiv’91 e.V. für Mädchen und Jungen an: „Natürlich möchten wir erreichen, dass gerade viele Mädchen in die Kurse kommen. Aber auch Jungen sind herzlich willkommen“, sagt Dr. Márta Gutsche, Koordinatorin des Projektes. „Wir bieten außerdem einen Lötkurs und einen Familienfotokurs an. Ein Roboter-Kurs wird sogar in Deutscher Gebärdensprache geführt.“ Den FiNCA-Ferientreff gibt es seit fünf Jahren. Zwischen 250 und 280 Kinder und Erwachsene melden sich pro Jahr für die Ferienkurse an.

Eine Mutter hat die Roboter bei der Langen Nacht der Wissenschaften gesehen: „Die Kinder wollten die Roboter mal ausprobieren, es war aber an dem Abend so voll, dass wir uns überlegt haben, einen Kurs zu besuchen.“ Neben ihrer Tochter hat die Mutter auch eine Freundin mit ihrem Sohn angemeldet. Lisa, 10, und Anton, 9, haben sich schnell mit ihrem eigenen Roboter auseinandergesetzt, der inzwischen sogar schon tanzen kann. Die beiden Mütter haben einen eigenen Programmier-Versuch gestartet. „Ich finde es ganz beeindruckend, wie schnell die Kinder lernen“, sagt Antons Mutter. „Mein Bruder ist Informatiker und er spart zusammen mit Anton, um einen Roboter für zu Hause anzuschaffen.“ Etwa 360 Euro müssen dafür zusammenkommen. Auch das Gymnasium, das der Viertklässler nach den Sommerferien besuchen wird, bietet eine Roboter-AG an. Anton selbst ist vom Kurs ganz begeistert und bastelt gemeinsam mit Lisa schon an der nächsten Aufgabe: Der Roboter soll über einen Lichtsensor helle und dunkle Farben voneinander unterscheiden und auf einer schwarzen Linie im Kreis fahren.

Für den Familien-Roboterkurs am Donnerstag, 31.07., und am Freitag, 01.08., jeweils von 10–15 Uhr sind noch Plätze frei. Dieser Kurs wird auch in Deutscher Gebärdensprache angeboten. Anmeldung über www.adlershof.hu-berlin.de/einrichtungen/finca/finca-klub/schuelerinnen

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