Universität : Besser betreut

Mentoren für alle: Empfehlungen der Jungen Akademie für gute Lehre

Amory Burchard

Junge Spitzenwissenschaftler in Deutschland wollen sich verstärkt für die Lehre engagieren. Aber sie lehnen die Schaffung von Stellen für „Lecturer“ ab. Das geht aus Empfehlungen der Jungen Akademie an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina hervor. Damit wendet sich die Junge Akademie gegen einen Vorschlag des Wissenschaftsrats, die Lehrprofessur und eine Lehr-Juniorprofessur als neue Personalkategorien mit deutlich erhöhtem Lehrdeputat einzuführen.

Eine echte Verbesserung der Lehre könnte nur erreicht werden, wenn Professoren weniger Veranstaltungen anbieten müssten und mehr Zeit zum Forschen hätten. Die Nachwuchswissenschaftler fürchten, dass die weniger angesehenen Lehrprofessuren primär mit Frauen besetzt werden, „denn diese erwartet hier weniger Konkurrenz und daher bessere Erfolgschancen“. Die Junge Akademie schlägt dagegen vor, die Lehrverpflichtungen für Professoren künftig flexibel zu gestalten; zeitlich begrenzte Phasen intensiverer Lehr- beziehungsweise Forschungstätigkeit sollten sich abwechseln.

Auch eine „Deutsche Lehrgemeinschaft“ neben der Deutschen Forschungsgemeinschaft lehnen die Wissenschaftler ab. Eine getrennte Förderung würde „die Einheit von Forschung und Lehre noch stärker unterminieren“. Stattdessen sollten für ein Forschungsprojekt zusätzliche Mittel beantragt werden können, wenn es eine Brücke zur Lehre schlägt. Auf das Forschen im Studium müsste mehr Wert gelegt werden. So könnten traditionelle Vorlesungen zugunsten von „projektorientiertem Lernen“ reduziert werden – begleitet von „flächendeckenden Tutorien und Mentorenprogrammen“.

Bei der Berufung von Professoren sollte die Lehrleistung der Kandidaten wesentlich stärker als bisher berücksichtigt werden. Honoriert werden müsste auch das „Engagement in den Grauzonen der Lehre“, etwa bei der Betreuung von Abschlussarbeiten. Für Wissenschaftler an außeruniversitären Instituten sollten die Universitäten Anreize bieten, sich mehr als bisher an der Hochschullehre zu beteiligen. Damit der Betreuungsschlüssel zwischen Lehrenden und Studierenden verbessert werden kann, fordert die Junge Akademie eine „international konkurrenzfähige finanzielle Ausstattung“ der Hochschulen.

Die Empfehlungen im Internet: www.diejungeakademie.de.

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