Berlin : Senat verabschiedet Arbeitsmarktprogramm für Berlin

Der Senat verabschiedet heute das Arbeitsmarktprogramm "BerlinArbeit". Darin werden Maßnahmen zur Förderung von Langzeitarbeitslosen, Schulabgängern und Migranten umrissen. Außerdem soll das Grundprinzip der "Guten Arbeit" durchgesetzt werden.

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Dilek Kolat will die Zahl der Arbeitslosen in Berlin auf unter 200 000 senken.
Dilek Kolat will die Zahl der Arbeitslosen in Berlin auf unter 200 000 senken.Foto: p-a

Trotz eines wachsenden Dienstleistungssektors in Berlin und des Anstiegs von sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten von rund 1,1 Millionen in 2005 auf 1,15 in 2011 liegt die Arbeitslosenquote in der Hauptstadt mit derzeit zwölf Prozent immer noch weit über dem Bundesdurchschnitt von 6,6 Prozent. Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) will die Zahl der Arbeitslosen auf unter 200 000 reduzieren. Derzeit sind 212 000 Menschen arbeitslos.

Die Arbeitsmarkt- und Berufsbildungspolitik des Senats soll in dieser Legislaturperiode neu ausgerichtet werden. Der Senat will heute das Programm „BerlinArbeit“ verabschieden. In dem 20-seitigen Papier, das dem Tagesspiegel vorliegt, werden die wesentlichen Ziele des Programms beschrieben: die Zahl der Erwerbslosen in Berlin senken, „Gute Arbeit“ als Grundprinzip durchsetzen, Berlin als Spitzenstandort mit guten Fachkräften weiterentwickeln und das Zusammenspiel der Akteure verbessern.

Bis Ende des Jahres will die Senatsverwaltung für Arbeit gemeinsam mit der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg ein Arbeitsmarktprogramm erarbeiten. Senatorin Kolat will einen Schwerpunkt auf die Förderung der Integration in den ersten Arbeitsmarkt legen. Finanziert werden sollen künftig systematische Qualifizierungen, Coaching zur Begleitung der Arbeitsaufnahme und individuelle Unterstützung von Arbeitssuchenden, die besonderer Hilfe bedürfen. Die Senatsverwaltung will jedem Berliner Jobcenter ein Coaching-Programm für die Begleitung der Arbeitslosen unterbreiten. Das Coaching solls ich in der Regel auf einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten nach Beginn der Arbeitsaufnahme erstrecken. Auch Qualifizierungsangebote für Arbeitssuchende mit einer geringeren Ausgangsqualifizierung sollen umgebaut werden. Denn 49,4 Prozent der Arbeitslosen in Berlin haben keine abgeschlossene Berufsausbildung (Stand März 2012).

Auch die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahre liegt in Berlin bei 14 Prozent, während sie im Bundesdurchschnitt bei 6,1 Prozent liegt. Der Senat will die Berufsorientierung in der Sekundarstufe I ausbauen. Die berufsorientierte Maßnahme „Komm auf Tour“ soll rund 10 000 Schüler der siebten Jahrgangsstufe erreichen. Mentoring-Angebote für Jugendliche, die vor dem Übergang von Schule in den Beruf stehen, sollen ausgebaut werden. Dafür stehen jährlich zusätzlich eine Million Euro aus dem Landeshaushalt zur Verfügung. Die Senatsverwaltung von Dilek Kolat setzt verstärkt auf die Chancen im dualen Ausbildungssystem. Jeder Jugendliche, der eine duale Ausbildung machen möchte, sollte eine Ausbildungschance erhalten: das betriebliche Ausbildungsangebot soll erhöht werden, Betriebe sollen sich stärker auch auf Jugendliche, die einen schwierigen Berufsstart haben, einlassen. Das Land setzt auf die abgeschlossene „Berliner Vereinbarung zur Nachwuchskräftesicherung für Unternehmen durch Ausbildung“, die bis 2014 umzusetzen ist, und auf den „Masterplan Qualifzierung“.

Um Migranten stärker in den Arbeitsmarkt zu integrieren, will die Verwaltung den Anteil von Migranten im öffentlichen Dienst von derzeit 17,5 Prozent bis 2015 auf rund 25 Prozent erhöhen. Auch soll der Anteil der Jugendlichen aus Einwandererfamilien in dualen Ausbildungsgängen gesteigert werden. Prekäre Beschäftigungsformen will der Senat zurückdrängen. Das Land Berlin hat die Charakteristika für „Gute Arbeit“ im Sinne von guten Arbeitsbedingungen definiert: sichere Arbeitsplätze, existenzsichernde Entlohnung, gesunde und humane Gestaltung des Arbeitsplatzes, gleiche Entlohnung für gleiche Arbeit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie individuelle Entwicklungs- und Aufstiegschancen.

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