Bedrohtes Hotel : "Wie man sich hier kümmert"

Fotografen, Schauspieler und Schriftsteller haben an das Bogota ihr Herz verloren. Hier dokumentieren wir die Stimmen der Empörung.

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Lars Eidinger, Schauspieler: "Wenn das Hotel Bogota schließt, stirbt wieder ein Teil Berlin, den man nicht wieder reanimieren kann. Man kann ihn nur ersetzen durch einen Schildbürgerstreich wie beispielsweise den Potsdamer Platz, der nicht für Menschen gemacht ist, sondern für den Profit. Das Hotel Bogota hat Persönlichkeit und einen sehr eigenen Charakter durch seine lange Geschichte und durch die Familie, die es betreibt. Aber die Menschen wollen es anonym und austauschbar. Die Schließung des Hotels Bogota wäre eine Tragödie für Berlin."
Lars Eidinger, Schauspieler: "Wenn das Hotel Bogota schließt, stirbt wieder ein Teil Berlin, den man nicht wieder reanimieren...Foto: dpa

Lars Eidinger, Schauspieler: In einer Welt, die nur aus Starbucks, H&M, McDonalds, Hyatt und Motel One besteht, will ich nicht leben. Irgendwann wird es egal sein, ob man sich in New York, Hong Kong, Paris oder London befindet. Die Städte werden alle gleich sein, wie eine riesige Kette. Berlin wird man nur noch am schlechten Wetter erkennen. Wenn das Hotel Bogota schließt, stirbt wieder ein Teil Berlin, den man nicht wieder reanimieren kann. Man kann ihn nur ersetzen durch einen Schildbürgerstreich wie beispielsweise den Potsdamer Platz, der nicht für Menschen gemacht ist, sondern für den Profit. Das Hotel Bogota hat Persönlichkeit und einen sehr eigenen Charakter durch seine lange Geschichte und durch die Familie, die es betreibt. Aber die Menschen wollen es anonym und austauschbar. Die Schließung des Hotels Bogota wäre eine Tragödie für Berlin.

Martin Parr, Fotograf (Magnum): I very much like Hotel Bogata. It has a wonderful feel of the past, but with all the modern amenities you would wish for. Best of all, we are staying in a hotel that appreciates photography, with photos and other reminders of this love all around you.

 

Ulrich Matthes, Schauspieler: Das ist offenbar mal wieder so ein Fall traurigster Geschichtsvergegessenheit.... Irgendwann wird auch die letzte Erinnerung an die Zeiten VOR H&M & Co in Ku'damm-Nähe weg sein. Was gibt's da denn noch für Lösungen/Kompromisse?!

Peter Raue, Kunstförderer: „Das Eigentum wird gewährleistet. Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen", so formuliert es der berühmte Artikel 14 des Grundgesetzes. Man kann nur geradezu händeringend an den Eigentümer des Hauses appellieren, sich dieser grundrechtlichen Erkenntnis zu öffnen und die Räumungsklage zurückzunehmen. Dass der „Ku’damm“ dem alten Westberlin (und jetzt auch dem wiedervereinigten Berlin) den gewinnbringenden Flair gebracht hat, hat auch und entscheidend damit zu tun, dass es einen Ort gab wie das Hotel Bogota. Und dass das Hotel Bogota so große Zeiten hatte, hat mit dem Zauber des Kurfürstendamms zu tun. Dies zu erkennen und anzuerkennen, kann eigentlich nur eine Folge haben: das Hotel Bogota soll leben wo es war, wo es ist, wo es in Zukunft sein soll.

Robert Lebeck, Fotograf: Ich finde den Herrn Rissmann ganz wunderbar, so begeistert – er ist auf du und du mit der Fotografie.

Prominente wollen das Bogota retten
Das Hotel in der Schlüterstraße 45 soll verschwinden, die Räumungsklage läuft. Doch es gibt zahlreiche Unterstützer:Weitere Bilder anzeigen
1 von 28Foto: Rissmann
07.06.2013 15:19Das Hotel in der Schlüterstraße 45 soll verschwinden, die Räumungsklage läuft. Doch es gibt zahlreiche Unterstützer:

Hanna Schygulla, Schauspielerin: Seit ich weiß, dass es das Bogota gibt, habe ich dort übernachtet, wenn ich aus Paris kam. In dem Hotel ist eine ganz besondere, herzliche Atmosphäre, die Mitarbeiter sind so tolerant gegenüber allen Wünschen, so hilfsbereit .Zum Beispiel einmal, als ich ein Klavier brauchte, für ein paar Stunden nur. Oder als ich einen Kurzfilm im Hotel gedreht habe: Da durfte ich alles benutzen. Und das ist jetzt nicht so, dass ich da so viel Geld gelassen hätte. Seit kurzem habe ich eine eigene Wohnung in Berlin, aber noch keine Möbel, und da haben die Rissmanns angeboten, ich könnte doch welche von ihnen ausleihen, mir was aussuchen im Keller.

Ich kannte den Helmut Newton, fotografiert hat er mich auch, allerdings nicht im Bogota. Ich hab’ ihn sehr gemocht. Im Gegensatz zu seinen Fotos, die sind ja sehr – kühl, moderat ausgedruckt, war er selber so witzig und warmherzig. Besser als umgekehrt, warme Fotos und ein Eisblock dahinter. 

Das ist ein kultureller Ort, man kann sich überall hinstellen und hat was zu gucken, es gibt so schöne Ausstellungen im Frühstücksraum. Oft habe ich mich auch auf eins der roten Sofas gesetzt, da werden immer interessante Dialoge geführt. Wie man sich da um die Fremden kümmert! Das ist wirklich eine Begegnung mit Fremden. Sie haben einen sehr charmanten Ton gegenüber Gästen. Es gibt auch so lustige Veranstaltungen, wie Tango am Sonntag.

Das wäre für mich ein Fall von Verrohung, wenn das Bogata verschwände, das stimmt mich ganz traurig. Das ist es doch, was Berlin ausmacht! Was in anderen Städten nicht mehr da ist, weil das Geld da längst alles diktiert. Da macht Berlin sich selbst kaputt. Das Bogota sollte unter kulturellen Denkmalschutz gestellt werden. 

 Eva Mattes, Schauspielerin: Das ist doch ein Kulturgut, dieses Haus, darauf sollte man Acht geben! Das darf man nicht sang- und klanglos abservieren, man muss es erhalten. Es repräsentiert eine Kultur, die es nicht mehr gibt, die mit der Judenverfolgung verschwunden ist. Ein wunderschönes Hotel ist das, ich mag es ja gerne, wenn ein Haus so ein bisschen  ab ist, Patina hat. Dort habe ich auch mal einen Krimi gedreht.

 

André Schmitz, Staatssekretär für Kultur: Das Hotel Bogota ist ein authentisches und anschauliches Stück Berlin. Ich appelliere an alle Beteiligten eine Lösung zu finden, die dem geschichtsträchtigen Haus eine Zukunftsperspektive eröffnet.

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