Strafbefehl : Nazi-Pöbelei: Dr. Motte darf weniger zahlen

Der Strafbefehl gegen den prominenten DJ und Ex-Organisator der Love Parade wegen Nazi-Pöbelei wurde auf 4920 Euro reduziert. Ursprünglich sollte er 15.000 Euro zahlen.

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Es ist nicht die erste verbale Entgleisung von Dr. Motte.
Es ist nicht die erste verbale Entgleisung von Dr. Motte.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Nun muss Dr. Motte zwar als Sünder in die Tasche greifen, aber nicht ganz so tief: 4920 Euro Strafe statt der zunächst verhängten 15.000 Euro wegen einer verbalen Entgleisung, bei der die Worte „Heil Hitler“ fielen. So entschied jetzt das Amtsgericht Tiergarten und schickte dem prominenten DJ und Ex-Organisator der Love Parade einen geänderten Strafbefehl ins Haus. Diese Post nahm Dr. Motto ohne Einspruch an, bestätigte ein Justizsprecher. Das Urteil ist so rechtskräftig.  

Die Pöbel-Affäre hatte sich Dr. Motte, der eigentlich Matthias Roeingh heißt, als Autofahrer geleistet. Er war Angaben zufolge am 11. März vorigen Jahres an der Kastanienallee in Prenzlauer Berg als Falschparker ertappt worden. Gegen 10.40 Uhr hätten ihn zwei Mitarbeiter des Ordnungsamtes zur Rede gestellt und ihn auf seinen Fehler hingewiesen. Das Gespräch aber wurde immer heftiger. Zufällig seien Polizeibeamte vorbeigekommen. Sie wollten schlichten. Der aufgebrachte DJ aber vergriff sich nicht nur im Ton. „Heil Hitler“ schrie er und meinte, er fühle sich durch die „Blockwarte“ belästigt.

Es gab etliche Zeugen, der Fall schien klar. Der Vorwurf lautete auf Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen sowie auf Beleidigung. Im Juli beantragte die Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl gegen Dr. Motte. Da der 51-Jährige auch als Musikproduzent bekannt ist, schätzte ihn die Justiz auf ein recht gutes Einkommen: 60 Tagessätze zu je 250 Euro wurden verhängt. Die 15.000 Euro aber wollte Dr. Motte nicht schlucken, legte umgehend Einspruch ein. Er konnte wohl belegen, dass seine Einkünfte nicht ganz so hoch sind. Die Höhe des Tagessatzes wurde auf 82 Euro reduziert. Die Staatsanwaltschaft stimmte zu.

Dabei sah es zunächst nach einem Prozess aus. Er bestehe auf einer „fairen und ordentlichen Gerichtsverhandlung“, wurde Dr. Motte damals zitiert. Eine Verhandlung aber wollte er dann doch nicht. Seinen Einspruch hatte er auf die Höhe des verhängten Tagessatzes beschränkt. Da konnte alles schriftlich laufen.

Überhaupt: Der Mann, der 1989 die Love Parade gründete, hatte den gewaltigen Streit um die kleine Ordnungswidrigkeit als Falschparker wohl schnell bedauert. Er habe sich bei den Mitarbeitern des Ordnungsamtes bereits entschuldigt, betonte er im August, als die Pöbelei bekannt wurde. Um Verzeihung musste er auch schon früher in anderen Zusammenhängen bitten. 1995 rief er „alle Juden der Welt“ auf, „sie sollen doch mal eine neue Platte auflegen und nicht immer nur rumheulen“. Dafür bat Dr. Motte 1997 „vielmals um Entschuldigung“. Auf der Fuckparade 2009 forderte er ein „Ende der schwulen Politik“. - anschließend entschuldigte er sich „auch persönlich bei Klaus Wowereit“.

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