Berlin : Straße erinnert an Maueropfer Chris Gueffroy

Sebastian Scholz
Foto: ddp
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Berlin - Späte Ehre für einen Ermordeten. Die Britzer Allee, die vom Berliner Bezirk Treptow-Köpenick nach Neukölln führt, wird bald Chris-Gueffroy-Allee heißen. Gueffroy war der letzte Flüchtling aus der DDR, der dem Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze zum Opfer fiel. Die Straße soll nun an ihn erinnern.

Der Schuss fiel am 6. Februar 1989 kurz nach Mitternacht, nur neun Monate vor dem Fall der Mauer. Gueffroy stand damals die Einberufung zum Wehrdienst bevor. Daher beschloss der 20-Jährige, mit seinem Freund Christian Gaudian im Schutz der Dunkelheit nach Westen zu flüchten. Die beiden überwanden unbemerkt die erste Mauer des Grenzstreifens, am dahinter liegenden Signalzaun löste einer von ihnen jedoch den Alarm aus. Kurz vor dem letzten Zaun wurden die beiden jungen Männer dann von den Wachsoldaten gestellt. Einer feuert mit seiner Kalaschnikow auf Gueffroy – eine Kugel in den Rücken trifft das Herz. Er stirbt noch am Tatort. Durch die Hartnäckigkeit von Gueffroys Mutter begann im Januar 1990 der erste Mauerschützenprozess. Drei der Wachsoldaten werden freigesprochen, der Schütze selbst bekommt nur zwei Jahre auf Bewährung.

In Altglienicke ist bereits eine Straße nach dem Maueropfer Lutz Schmidt benannt worden. An Chris Gueffroy erinnert seit 2008 ein Denkmal am Süd-Ufer des Britzer Zweigkanals. Schon 2004 gab es einen Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung, auch eine Brücke nach ihm zu benennen. Dieser scheiterte jedoch, da Brückenbenennungen in die Zuständigkeit des Senats fallen. Nun haben Bezirksverordnete die Entscheidung wieder aufgegriffen und beschlossen, die Britzer Allee, die von der Späthstraße in den Baumschulenweg nach Neukölln führt, nach zu Gueffroy zu benennen. Die Namensänderung soll am 13. August in Kraft treten – dem 49. Jahrestag des Mauerbaus. Sebastian Scholz

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