• Tagesspiegel-Leserin engagiert sich für Flüchtlinge: Wie wir unseren neuen Nachbarn helfen

Tagesspiegel-Leserin engagiert sich für Flüchtlinge : Wie wir unseren neuen Nachbarn helfen

Die Bauinformatikerin Ines Stürmer aus Prenzlauer Berg unterstützt Flüchtlinge in ihrem Kiez.

Ines Stürmer
Flüchtlinge kämpfen in Berlin um ihre Rechte.
Flüchtlinge kämpfen in Berlin um ihre Rechte.Foto: Mike Wolff

Den Heulanfall habe ich Gott sei Dank schon hinter mir. Als ich gehört habe, wie viel Geld zusammengekommen ist, hat es mich einfach umgehauen. Am Samstag bin ich hoffentlich gefasster. Da wird der Scheck für die Flüchtlinge bei unserem Frühlingsfest im Sportjugendclub Prenzlauer Berg überreicht, und ich halte eine Rede.

Erst waren wir sechs, jetzt sind wir 180

So ein Haufen Geld konnte nur zusammenkommen, weil sich so viele Leute im Kiez für die Bewohner in der Erstaufnahmestelle an der Straßburger Straße einsetzen. In diesem Fall haben die Schüler der Grundschule am Kollwitzplatz einen Kuchenbasar für die Flüchtlinge veranstaltet. Die Kinder haben bergeweise Kuchen verkauft, und eine Lehrerin hat ein Programm des Kinderhilfswerks ausfindig gemacht, das die Summe verdoppelt.
Ich habe das Gefühl, dass sich jedes Engagement für die Flüchtlinge vervielfältigt. Mein Mann Henry und ich haben den Unterstützer_innenkreis Straßburger Straße vor einem Jahr gegründet. Wir wollten einfach gute Nachbarn sein und versuchen, den 200 Flüchtlingen das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Beim ersten Treffen des Unterstützerkreises waren wir noch zu sechst. Mittlerweile sind wir 180 Leute.

Ines Stürmer
Ines StürmerFoto: Susanne Grautmann

Praktikum für einen syrischen Optiker

Wir möchten die Flüchtlinge in das soziale Leben im Kiez einbeziehen und sie dort unterstützen, wo sie Hilfe brauchen, also bei Ämtergängen, der Wohnungs- oder Jobsuche. Morgen spreche ich mit dem Jobcenter Pankow, damit ein syrischer Optiker ein Praktikum in einem Brillengeschäft in der Nachbarschaft machen kann. Im weiteren Verlauf der Woche kümmere ich mich noch um einen Schwimmkurs für die Flüchtlingskinder und um frisches Grün für die Beete vor der Unterkunft. Das kann jetzt alles von den Spendengeldern bezahlt werden. Die Ämter alleine haben einfach nicht genug personelle und finanzielle Ressourcen, damit alles einigermaßen so funktioniert, wie es sein sollte.

Aufstehen, um Abschiebung zu verhindern

Weil wir mittlerweile so eine große Gruppe sind, ergeben sich immer wieder neue Ideen. In dieser Woche sind wir auch noch bei dem Filmdreh einer Regisseurin aus dem Unterstützerkreis dabei. Es ist ein Kurzfilm, in dem es um Abschiebung geht. Einige Flüchtlinge und Mitglieder aus dem Unterstützerkreis wirken daran als Komparsen mit. Unsere Szene spielt in einem Flugzeug, mit dem die Hauptfigur aus dem Film abgeschoben werden soll. Das letzte Bild zeigt, wie die Passagiere aus dem Flugzeug geschlossen aufstehen, damit der Flieger nicht abheben kann und das Mädchen nicht das Land verlassen muss. Dieses Schlussbild verwenden wir auch für eine Social Media Kampagne für mehr Solidarität mit Flüchtlingen. Mitte Juni geht es unter #aufstehen los.

(In unserer Rubrik „Von Woche zu Woche“ erzählen Leserinnen und Leser des Tagesspiegels, was sie bewegt. Wollen Sie auch mitmachen? Einfach Mail an berlin@tagesspiegel.de. Dieser Text wurde aufgezeichnet von Susanne Grautmann.)

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