Techno in Berlin : Ein Name mit Klang

21.09.2012 11:24 UhrVon Kaspar Heinrich
Stefan Goldmann will, dass sein Publikum Musik live erlebt. Foto: promo/Botev
Stefan Goldmann will, dass sein Publikum Musik live erlebt. - Foto: promo/Botev

Sein Vater war berühmter DDR-Komponist, er selbst ist DJ im Berghain: Der Charlottenburger Stefan Goldmann will den Techno neu beleben. Seine Musik ist nicht nur tanzbar, sie ist durchdacht.

Wenn sich Stefan Goldmann morgens den Kaffee aufgießt, kann er dabei aus dem Küchenfenster seinen Arbeitsplatz sehen. Goldmann produziert elektronische Musik, sein Studio ist zwanzig Meter Luftlinie von der Wohnung entfernt. Getrennt nur durch einen beschaulichen Charlottenburger Hinterhof. Im Wohnzimmer: Ikea-Möbel, zwei schwarze Lacktische und Regale mit Hunderten von Schallplatten, die Wände sind weiß. Goldmann mag es stilvoll – und dezent. So hat er sich eingerichtet, so gibt er sich und so klingt auch seine Musik. „Postminimaler Techno“ wird das genannt, was der 34-Jährige seit zehn Jahren auf Vinyl und CDs pressen lässt und regelmäßig im Berghain auflegt.

Auch am Samstagmorgen, zum Auftakt der kleinen „Goldmann-Festspiele“: Erst steht der Sohn auf der Bühne der Panorama-Bar, am Abend feiert dann die einzige Oper des Vaters ihre Premiere. „R. Hot bzw. Die Hitze“ heißt das Werk von 1977. Sein Schöpfer Friedrich Goldmann war einer der wichtigsten deutschen Komponisten für Neue Musik.

Was der Sohn heute macht, ist minimalistisch, hat aber auch eine spielerische Note. Auf dem neuen Album „17:50“, das am Montag erscheint, sind orientalische Einflüsse herauszuhören. „Meine Mutter ist Bulgarin“, erzählt Stefan Goldmann, „und es gibt diese orientalischen Einflüsse in mancher bulgarischen Musik.“ Auch der Titel des Albums, eine Uhrzeit, hat mit Goldmanns osteuropäischen Wurzeln zu tun. „17:50“ ist eine Redewendung im Bulgarischen, die auf das bevorstehende Ende des Arbeitstages verweist. „Dann gibt’s die Exzesse“, sagt Goldmann. „Die Uhrzeit bedeutet also so was wie ‚Gleich wird’s ganz irre’.“

Irre. Das Wort scheint so gar nicht zu Stefan Goldmann zu passen. Wenn er über seine Musik redet, die Beine übereinandergeschlagen, klingt das fast akademisch. Goldmann hat einen Magister in Akustischer Kommunikation, er spricht von „mikrotonaler Stimmung“ und davon, wenn sich „Rhythmusgruppe und Melodieinstrumente gegeneinander verschieben“. Sein Techno ist nicht nur tanzbar, er ist durchdacht. Die orientalischen Verweise auf dem neuen Album hat er sich nur erlaubt, weil er mit der bulgarischen Kultur gut vertraut ist. Alles andere wäre „Oberflächenexotik“, wie Goldmann es nennt. Kitsch schreckt ihn ab, Abgeschmacktes wird man von ihm wohl nie hören. Das hat auch mit seinem Vater zu tun.

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