Tiergarten : Viel Gedränge um wenig Grillplatz

Statt im Tiergarten liegt der Müll nun anderswo. Die Griller ziehen in die Außenbezirke - die sich nun um die Müllberge kümmern müssen.

Nele Pasch
Profigriller grillen gleich das ganze Lamm
Profigriller grillen gleich das ganze LammFoto: Mike Wolff

Die Sonne hat auch die Grillfreunde in die Parks gelockt. Ein Grill, Holzkohle, Steaks oder Würstchen, und schon klappt das mit der Selbstverpflegung unter blauem Himmel – sofern man noch ein freies und sauberes Stückchen Wiese entdeckt. Das aber wird immer schwieriger. Kontinuierlich haben die Bezirke Grillflächen gestrichen, die Kosten der Müllbeseitigung waren ihnen zu hoch. So müssen sich die Griller auf immer weniger Quadratmetern drängeln, und das heißt: Immer mehr Müll auf immer kleinerer Fläche.

18 ausgewiesene Plätze gibt es derzeit, nachdem im Vorjahr der Bezirk Mitte den Tiergarten zur grillfreien Zone erklärt hatte. „Im Jahr zuvor waren 20 000 Euro für die Beseitigung der Grillabfälle angefallen“, berichtet Hans-Gottfried Walter, Fachbereichsleiter für Grünflächenerhaltung in Mitte. In seinem Bezirk darf man jetzt nur noch im Monbijoupark zur Grillzange greifen, Mitarbeiter des Ordnungsamts kontrollieren das. Wer sich trotz Verwarnung verweigert, muss bis zu 100 Euro Bußgeld zahlen.

Die neue Sauberkeit erfreut Mitte, die anderen Bezirke aber ächzen. Denn die Griller werden nicht weniger. Wo also hin? In die angrenzenden Bezirke. „So viele Griller wie in diesem Jahr habe ich hier zu dieser Zeit noch nie gesehen“, erzählt ein Anwohner am Volkspark Friedrichshain. Griller aber bedeuten Rauch, Essensdünste, Müll. „Im Vorjahr lag hier mehr Müll rum als Menschen da waren“, das hat auch Griller Eik Schüler erkannt – und sitzt nun doch selbst mit einem 2,99 Euro teuren Wegwerfgrill im Volkspark und versucht die Kohle zum Glühen zu bringen. Eine Mülltüte habe er dabei, versichert er, den Grill aber werde er wohl im Park lassen. „Was soll ich machen, wenn er noch so heiß ist.“

Steglitz-Zehlendorf mit seinem vielen Grün muss noch tiefer als Mitte in die Tasche greifen: 40 000 Euro zahlt der Bezirk jährlich für die Parkreinigung. Monika Osteresch vom Grünflächenamt schimpft auf diese „To-Go-Gesellschaft“, wie sie es nennt. „Früher haben die Leute ihren Müll mitgenommen, heute benutzen sie nur noch Einweg-Sachen.“ Die dann liegen bleiben. Darüber klagt auch Christoph Schmidt, Geschäftsführer der Grün Berlin GmbH, die für das Tempelhofer Feld verantwortlich ist. „Seit der Tiergarten grillfrei ist, haben wir einen Zulauf von 50 Prozent.“ Also auch 50 Prozent mehr Abfälle und 50 Prozent mehr Kosten. Auch er schimpft über die Einweggrills – und fragt sich, was das Gedränge auf den Grillflächen eigentlich noch mit Freizeitspaß zu tun hat.



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