Türkenvertreter Çinar : „Wir fühlen uns diskriminiert“

Der Sprecher des Türkischen Bundes Berlin Çinar zur Deutschpflicht an Schulen.

Christoph Stollowsky

Herr Çinar, Fachleute loben die Weddinger Herbert-Hoover-Schule, weil auf ihrem Pausenhof nur noch Deutsch gesprochen werden darf. Das fördere die Integration von Migrantenkindern. Warum lehnt der Türkische Bund die Deutschpflicht in der Pause ab?

Man kann doch keinem Menschen das Recht nehmen, sich in seiner eigenen Sprache zu unterhalten …

Aber an der Hoover-Schule unterstützen doch auch die meisten Schüler türkischer Herkunft die Deutschpflicht.

Das ist verständlich. Schließlich hören sie überall: ,Sprich deutsch, dann wirst Du was! Türkisch bringt Dich nicht weiter!‘ Wir wenden uns gegen diese Diskriminierung unserer Muttersprache und verlangen, dass sie gesellschaftlich akzeptiert wird. Würden die Schüler auf dem Pausenhof englisch und deutsch reden, käme niemand auf die Idee, ihnen die englische Sprache zu untersagen.

Vielleicht liegt das auch daran, dass Englisch mittlerweile Weltsprache ist. Müssen Sie nicht eher befürchten, dass das Festhalten an der türkischen Sprache als nationalistische Haltung ausgelegt wird?

Wir haben keine nationalistischen Scheuklappen. Im Gegenteil. Zur Integration in eine multikulturelle Gesellschaft gehören auch Mehrsprachigkeit und die selbstbewusste Beherrschung der Muttersprache.

Das Gespräch führte

Christoph Stollowsky

Safter Çinar (61) ist seit 1991 Sprecher des Türkischen Bundes Berlin und seit 2005 Vorsitzender des Türkischen Elternvereins. Er war jahrelang in der Ausländerberatung tätig.

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