Überfall am Neptunbrunnen : Gericht sieht Rassismus als Motiv

Sie ließen keine Reue erkennen, Tomasz K. und Artur L. feixten auch während des Prozesses. Beide waren aus Sicht des Gerichts an dem brutalen Angriff auf einen dunkelhäutigen Mann vor acht Monaten am Neptunbrunnen beteiligt.

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Der brutale Angriff am Neptunbrunnen war rassistisch motiviert.
Der brutale Angriff am Neptunbrunnen war rassistisch motiviert.Foto: Björn Seeling

Die 23- und 34-Jährigen wollten ihr Opfer herabwürdigen, so sahen es die Richter: „Rassismus, nichts anderes war der Grund.“ Die aus Polen stammenden Männer erhielten je drei Jahre und neun Monate Haft. Doch anders als die Anklage sah das Gericht keine Beweise für einen Mordversuch.

Der 48-jährige Lima S. saß am 9. Juli friedlich auf einer Parkbank, als er plötzlich von K. attackiert wurde. Eine rassistische Pöbelei, dann der erste Faustschlag ins Gesicht. Die Versuche des schmächtigen Opfers, sich gegen den kräftigen Mann zu wehren, waren aussichtslos. K. habe ihn mit dem Gesicht zu Boden geworfen, L. habe sich mit Tritten an dem Übergriff beteiligt. Lima S. lag zwei Wochen im Krankenhaus. Bis heute leidet er unter Schmerzen im Augenbereich und unter psychischen Folgen der Prügelattacke.

Keine hundert Meter von der Stelle wurde Jonny K. tödlich attackiert

Zwar sei Lima S. erheblich verletzt worden, hieß es im Urteil. Es seien aber keine „massivsten Tritte“ gewesen. Eine Tötungsabsicht sei nicht bewiesen worden. K. und L. seien der gefährlichen Körperverletzung schuldig. „Eine bösartige Tat, die von ausländerfeindlichen Motiven bestimmt war“, sagte der Vorsitzende Richter. Mehrere Passanten hatten bei dem Angriff couragiert eingegriffen, der sich keine hundert Meter von der Stelle entfernt ereignete, an der Jonny K. wenige Monate zuvor tödlich attackiert worden war.

Die Helfer verfolgten die Täter, riefen die Polizei. K. und L. wurden von Beamten des Kontakt-Mobils am Alexanderplatz gefasst. Beide waren ohne festen Wohnsitz, hatten ab und zu schwarz als Bauhelfer gearbeitet und sich oft in der Gegend um den Alex herumgetrieben. K. hatte eine kleine Prügelei zugegeben, Rassismus aber bestritten. L. hatte geschwiegen.

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