Umfrage bei Eltern in Berlin : Betreuungsgeld? Nein, danke!

Bislang stößt das umstrittene Betreuungsgeld unter Berliner Eltern auf wenig Interesse, das ergab jetzt eine Umfrage. Ab dem 1. August haben Eltern außerdem einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz - doch auch hier ist die Nachfrage gering.

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Doch lieber in die Kita? Unter Berliner Eltern gibt es bisher kaum Interesse am Betreuungsgeld. Ab dem 1. August haben Eltern außerdem einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz.
Doch lieber in die Kita? Unter Berliner Eltern gibt es bisher kaum Interesse am Betreuungsgeld. Ab dem 1. August haben Eltern...Foto: Uli Deck/dpa

Das politisch umstrittene Betreuungsgeld, das ab dem 1. August beantragt werden kann, wenn Kleinkinder nicht in die Kita gehen, stößt bisher bei Berliner Eltern auf wenig Interesse. Nur wenige Familien haben Anträge gestellt, ergab eine Umfrage des Tagesspiegels in den Bezirken. Das Betreuungsgeld von 100 Euro (150 Euro ab August 2014) wird für Kinder, die ab dem 1. August 2012 geboren sind, in der Regel ab dem 15. Monat für maximal 22 Monate gezahlt. Anspruch besteht deshalb erst ab November. Ganze zwei formlose Anträge sind beim Jugendamt in Mitte eingegangen.

Keine Anträge in Charlottenburg-Wilmersdorf, Neukölln und Spandau

In Charlottenburg-Wilmersdorf und Neukölln liegen überhaupt keine Anträge vor. „Auch Nachfragen gibt es so gut wie nicht“, sagt Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU). In Spandau gab es fünf telefonische Nachfragen; vier Formulare wurden ausgegeben, es gab noch keine Rückläufe. „Die Nachfrage scheint sich in Grenzen zu halten“, sagt Jugendamtsleiter Reinhold Tölke. In Marzahn-Hellersdorf haben sich rund 50 Eltern beim Amt erkundigt, zwei Anträge wurden gestellt. Dabei geht man nach Angaben von Jugendstadträtin Juliane Witt (Linkspartei) von bis zu 1700 potenziellen Betreuungsgeldempfängern aus. Wegen des erwarteten Ansturms hat der Senat den Bezirken zusätzliche befristete Stellen bewilligt. Zweieinhalb Planstellen sind es in Mitte, eine in Spandau. Bei der Senatsverwaltung heißt es, dass man mit der Antragswelle noch rechnet, da die Formulare erst seit kurzer Zeit zur Verfügung stehen.

Auch die Nachfrage nach Kitaplätzen ist niedriger als erwartet

Ebenfalls nicht im erwarteten Umfang angestiegen ist die Nachfrage nach Kitaplätzen für Kinder im Alter unter drei Jahren. Ab dem 1. August besteht bundesweit ab dem vollendeten ersten Lebensjahr ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. „Wir haben gedacht, es wird dramatischer“, sagt Reinhold Tölke. In Spandau gibt es 300 bis 400 Nachfragen mehr als in den bisherigen Jahren, das ist eine Steigerung von rund 20 Prozent. Alle Kinder können untergebracht werden. Auch in Mitte halte sich die zusätzliche Nachfrage in Grenzen, sagt Martina Funk, Referentin von Jugendstadtrat Ulrich Davids (SPD). In Charlottenburg-Wilmersdorf rechnet man im weiteren Jahresverlauf mit verstärktem Interesse, sagt Sozialstadtrat Carsten Engelmann (CDU). Bekannt ist, dass Berlin zwar momentan rechnerisch genügend Plätze hat, für die nächsten Jahre aber vor allem ein Mangel an Fachkräften absehbar ist.

Neue Kitas für Marzahn-Hellersdorf und Neukölln

In den Bezirken waren die Kitaplätze extra ausgebaut worden. In Marzahn-Hellersdorf werden in den nächsten Wochen drei neue Tagesstätten eröffnet. Der Bedarf war auch vorher schon groß. Von 44 Prozent Ende 2010 ist die Betreuungsquote bei den Ein- bis Dreijährigen Ende 2012 bereits auf 65 Prozent gestiegen. Da die Kitagutscheine schon vor Monaten ausgegeben wurden, war der Bedarf zum 1. August früh bekannt.

In Neukölln sind 25 neue Kitas entstanden und andere Einrichtungen erweitert worden, berichtet Stadtrat Liecke. In diesem Jahr können 896 zusätzliche Plätze angeboten werden. Rund 51 Prozent der Kinder im Alter zwischen ein und drei Jahren werden in Tagesstätten betreut. Laut Senatsverwaltung geht man davon aus, dass bis zum Jahresende rund 140 000 Kinder eine Kita oder Tagespflegestelle in Anspruch nehmen werden, also insgesamt etwa 1000 weniger als bisher. Gleichzeitig wird sich durch die Einrichtung neuer Tagesstätten die Gesamtreserve von 3000 auf 6000 Plätze verdoppeln.

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