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Verkehrsreport 2015 in Berlin und Brandenburg : Dekra: Hart gegen Verkehrsrowdys vorgehen

Die Prüfer der Dekra ziehen Bilanz. Mehr Verkehrstote, Tote bei Abbiegunfällen und häufig sind Senioren betroffen. Sie fordern mehr Sicherheit im Straßenverkehr, Polizeieinsätze gegen aggressive Verkehrsteilnehmer und sicherere Lastwagen. Von der Helmpflicht und City-Maut hält der Chef wenig.

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Immer mit der Ruhe - auch mit dem Fahrrad.
Immer mit der Ruhe - auch mit dem Fahrrad.Foto: dpa

Ein energisches Vorgehen gegen „verantwortungslose und aggressive Verkehrsteilnehmer“ hat am Dienstag die Prüforganisation Dekra gefordert, die vornehmlich Hauptuntersuchungen an Autos anbietet. Vor allem Radfahrer fielen durch ihre Aggressivität auf, sagte der Leiter der Berliner Niederlassung, Mario Schwarz, bei der Vorstellung des Verkehrssicherheitsreports 2015. Erschreckend sei, dass es zwei Unfälle gegeben habe, bei denen Radfahrer Fußgänger getötet hatten – jeweils an Bushaltestellen. Zehn Radfahrer waren in Berlin bei Unfällen ums Leben gekommen; der Anteil der Toten lag bei 19,23 Prozent. Die Zahl der Unfälle mit Radfahrern sei gegenüber 2013 von 6952 auf 7699 gestiegen, beklagte Schwarz. Aber auch der Radverkehr hat zugenommen.

Anstieg um 40 Prozent

Insgesamt habe es bei der Zahl der Verkehrstoten in Berlin „eine dramatisch schlechte Entwicklung gegeben“, sagte Schwarz weiter. 52 Unfalltote waren 2014 registriert worden; ein Anstieg um 40 Prozent. Heres Ziel ist es, die Zahl auf null zu senken. Hier sei auch die Polizei gefordert, sagte der Leiter der Dekra-Konzernrepräsentanz, Andreas Kraus. Die Polizei müsse bei Verstößen „härter und konsequenter“ als bisher durchgreifen. Geschwindigkeitskontrollen solle es aber nur dort geben, wo es „sinnvoll“ sei – vor Kitas, Schulen oder Seniorenheimen. Radarmessungen dürfen nicht generell zum Eintreiben von Geld genutzt werden.

Viele Tote bei Abbiegeunfällen

Die meisten Toten hatte es bei Abbiegeunfällen gegeben. Hier setzt die Dekra auf technische Lösungen vor allem bei Lastwagen, etwa den Einbau von Kameras. Eine generelle Helmpflicht für Radfahrer lehne die Dekra ab, sagte Schwarz weiter. Das Einhalten sei nur schwer zu überwachen. Besser sei es, durch Vorbilder die Radfahrer vom freiwilligen Tragen eines Helms zu überzeugen.

Ein Großteil der Unfälle sei auf Alkoholeinfluss zurückzuführen, sagte Schwarz. Bundesweit habe es besonders häufig Unfälle unter Alkoholeinfluss bei den 45- bis 64-jährigen Mofa- und Mopedfahrern gegeben. Negativ aufgefallen seien aber auch alkoholisierte Fahrradfahrer in den mittleren Altersgruppen. Dort dürfte zudem die Dunkelziffer ziemlich groß sein.

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Anstrengend, diese Senserei! Da braucht man mal eine Pause ... Brigitte Siegfried begegnete diesem Stillleben an der Jafféstraße in Westend.Weitere Bilder anzeigen
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25.07.2017 12:14Anstrengend, diese Senserei! Da braucht man mal eine Pause ... Brigitte Siegfried begegnete diesem Stillleben an der Jafféstraße...

Eine geeignete Gegenmaßnahme seien sogenannte Alkohol-Interlocks, bei denen die Zündung erst möglich ist, wenn der Fahrer vorher an einem Gerät seinen Alkoholwert festgestellt hat. Auch dieses Pusten vor dem Fahren will die Dekra nur punktuell einsetzen – etwa bei Lkw-Fahrern, die nach Angaben von Schwarz häufig ange- oder betrunken am Steuer sitzen. Denkbar sei auch, dass ein Pusten angeordnet werde, wenn ein Autofahrer mehrfach alkoholisiert erwischt worden war und eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU), auch „Idiotentest“ genannt, hinter sich bringen musste. Zudem sollte geprüft werden, ob die Grenze von 1,6 Promille, bei der eine Untersuchung absolviert werden muss, auf 1,1 Promille gesenkt wird, schlug Schwarz vor.

Senioren machen großen Anteil der Unfalltoten aus

Besonders häufig sind Senioren unter den Unfalltoten. In Berlin waren es nach Dekra-Angaben im vergangenen Jahr 40,38 Prozent; die meisten waren zu Fuß unterwegs. Bei Autofahrern lehnt Schwarz auch für die Älteren vorgeschriebene medizinische Untersuchungen ab – ähnlich wie der ADAC. Bei der Vorbeugung müsse man sich aber auf diese Risikogruppen besonders konzentrieren.

Während in Berlin die Zahl der Unfalltoten drastisch gestiegen ist, hat sie in Brandenburg um über 18 Prozent abgenommen – von 170 auf 139. Schwarz führt dies vor allem auf Geschwindigkeitsbegrenzungen und einen zunehmenden Schutz mit Leitplanken an Alleebäumen zurück. Aber auch dank neuer Technik wie EPS verliefen Unfälle glimpflicher. Zudem ist Schwarz davon überzeugt, dass es auf Brandenburger Straßen weniger aggressiv zugehe als in Berlin.

Keine City-Maut

Dafür stieg nach der Dekra-Statistik die Zahl der Unfälle unter Alkoholeinfluss um 2,6 Prozent auf 1165. Trotzdem sank die Zahl der Todesopfer um vier auf zehn. Aber die Zahl der Verletzten hat sich um mehr als 16 Prozent auf 578 erhöht. Die Zahl der Unfälle unter Drogeneinfluss nahm sogar um 30,1 Prozent zu – auf 108. Dabei gab es zwei Tote; im Vorjahr keine. Die Zahl der Verletzten stieg um 23 Prozent auf 59.

Eine allgemeine City-Maut, mit dem Ziel, den Autoverkehr im Zentrum zu verringern, lehnt die Dekra ab. Auf der Stadtautobahn, die stark von Lastwagen im „Transitverkehr“ genutzt werde, könne er sich aber vorstellen, die Maut zu verdoppeln, sagte Schwarz.

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