Vermeidung von Fahrradunfällen : "Das beste Mittel ist der Schulterblick"

In Berlin passieren immer wieder schlimme Unfälle mit Autos und Radfahrern. Ein Fahrlehrer erklärt, worauf Autofahrer achten sollten.

Felix Kressler
Der Schulterblick bringt mehr als der Rückspiegel.
Der Schulterblick bringt mehr als der Rückspiegel.Foto: Rainer Jensen dpa/lni

Um schwere Unfälle an Autotüren zu verhindern, wird oft der „Niederländische Griff“ empfohlen. Dabei wird die Fahrertür mit der rechten Hand geöffnet, der Körper leicht nach hinten verdreht. So folgt der Schulterblick fast automatisch. Fahrlehrer Peter Glowalla erklärt im Interview, wie es um die Sicherheitsschulung in Berlin steht und auf welche Dinge Autofahrer sonst noch achten sollten.

Lernen deutsche Fahrschüler den Griff zum Griff nicht?
Der Griff mit der anderen Hand ist seit jeher Teil der Fahrausbildung, auch in Berlin. Das ist also keine neue Erfindung. Schüler müssen begreifen, dass die Spiegel nie alles zeigen. Gerade ältere Menschen haben jedoch manchmal Probleme; die Drehung des Oberkörpers fällt im Alter nicht mehr so leicht. Wichtiger ist aber, dass man auch dann noch aufmerksam bleibt, wenn der Motor längst abgeschaltet ist.

Der Griff ist also nicht Teil des Lehrplans, wie in den Niederlanden?
Nein. Zumindest nicht explizit. Fahrlehrer sollen aber ausdrücklich auf die Methode hinweisen und zwar im Rahmen der Hinweise zur Allgemeinen Sorgfaltspflicht am Steuer. Und dazu gehört ohne Ausnahme der Schulterblick.

Wie können Assistenzsysteme, zum Beispiel Totwinkelwarner, in Zukunft bei der Erkennung von Radfahrern helfen?
Die Elektronik kann bestimmt zur Sicherheit beitragen. Allerdings ist es schwer, den Fahranfängern die vielen, je nach Hersteller verschiedenen Systeme zu erklären. Denkbar wäre auch eine automatische Türsperre, sobald das Auto einen herankommenden Radler erkennt. Aber die Gesamtentwicklung ist doch eigentlich erschreckend: Ein Lämpchen im Seitenspiegel zeugt ja nur davon, dass der Fahrer den Gegenstand sonst gar nicht gesehen hätte. Das beste Mittel zur Erkennung von Radfahrern ist und bleibt der Schulterblick. Da ist egal, ob Luxuslimo mit tausend Extras oder Kleinwagen.

Müssen auch die Radfahrer umdenken?
Viele unserer Fahrschüler kommen mit dem Rad zum Unterricht. Und viele Autofahrer fahren in der Freizeit gerne Fahrrad. Eigentlich liegt die Vermutung nahe, dass so mehr Einfühlungsvermögen für die andere Seite entsteht. Wenn die Schüler dann im Auto sitzen, blenden sie die Probleme der Radfahrer aber oft völlig aus. Sie vergessen, dass ein Autounfall bei 30 km/h vergleichsweise harmlos ist. Für Radfahrer endet ein Crash bei der gleichen Geschwindigkeit oft tödlich. Aggressionen am Steuer helfen da gar nichts. Wir sagen unseren Schülern deshalb: „Du stehst nicht im Stau, du bist der Stau!“ Der Platz auf der Straße ist einfach begrenzt. Das ist zwar für alle ein Problem, für Radfahrer aber besonders gefährlich.

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