Berlin : Von Beruf Rapper

MC Gauner bietet HipHop-Workshops an. Und das alles mit fahrbarer Produktionsmaschine: dem HipHop-Mobil

Jens Thomas

Der Mann mit den Dreadlocks drückt auf den Knopf des Anrufbeantworters: „Hallo, ich wollte mal fragen, wie es mit Studiotagen im HipHop-Mobil aussieht“, tönt es aus der Maschine. Eine alltägliche Anfrage im Büro des HipHop-Mobils, Berlins fahrbarer Produktionswerkstatt für Nachwuchsrapper. „Solche Anfragen haben wir hier täglich“, sagt Gauner, der Mann mit dem verfilzten Haar, ein Musiker und kein Sozialarbeiter, wie er betont.

Das HipHop-Mobil: Ein kleiner, ranziger Bus, besprüht und leicht verrostet. „Damit fahren wir an Schulen, um Rap-Workshops zu machen“, sagt Gauner. Seit genau zehn Jahren gibt es die fahrende Rap-Maschine in Kreuzberg, die Jugendliche von der Straße holen will und versucht, sie für die Kultur des HipHops zu begeistern.

„Die Kids lernen Techniken des DJing, des Breakdances und des Rappens", sagt Gauner. Seine Dreadlocks hängen bis über beide Schultern. Gauner selber ist 29 Jahre alt und damit ein HipHoper älteren Semesters. Sein Pseudonym ist sein Künstlername, seinen richtigen verschweigt er. Er hat kein Sozialarbeiterstudium abgeschlossen, vielmehr ist Gauner gelernter Rapper mit sozialer Intuition. Denn wenn er vor den Jugendlichen den Sozialpädagogen markieren würde, hielten sie ihn sicher nicht für „real“, meint er. Er wolle einer von ihnen sein, eben nur ein paar Jahre älter. Seit fünf Jahren arbeitet er hier. Neben ihm stehen noch zwei weitere Kollegen auf Honorarbasis und als Arbeitsbeschaffungs-Maßnahme mit den Kids an den Plattentellern, lockern Zungen zum Reimen und üben diverse Tanztechniken.

„Ein Rap-Workshop dauert zirka drei Stunden“, erklärt Gauner. Viele Schulen fragen an, vor allem jüngere Lehrer, die auf die Idee kämen, den Jugendlichen könne ein wenig HipHop in der Hüfte nicht schaden. Zu Beginn berichte man über die HipHop-Kultur, über die Anfänge, über DJ Kool Herc, Afrika Bambaataa und über Old-School-Aktivisten wie Public Enemy. Dann gehe man ins Praktische: „Plattenteller raus und die Kids einfach ranlassen“, beschreibt Gauner das Konzept.

Doch das ist nur eine Facette des HipHop-Mobils. Im gleichnamigen Studio können für zwei Euro pro Person Stücke produziert werden. Einige Berliner HipHop-Größen wie Harlekinz oder Kool Savas haben hier erste Werke aufgenommen. Trotz des Engagements gibt es oft spöttisches Gerede aus der Szene. Eine Subkultur, die von den Straßen New Yorks komme, sei nichts, was sich pädagogisieren ließe und in der Schule etwas verloren habe.

Diesen Vorwurf weist der Mann mit den baumelnden Dreadlocks nicht einmal von sich. Ein Lehrer, wenn auch ein außergewöhnlicher, ist nämlich auch Gauner. Und das ist er gern. Jens Thomas

Infos unter: www.hiphopmobil.de oder Telefon: 25399287

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