Berlin : Von den Olympiaträumen blieben nur zwei Hallen übrig

SIGRID KNEIST

Konnte Berlin trotz aller Pannen von seiner Bewerbung um die Spiele 2000 profitieren?VON SIGRID KNEIST BERLIN.Mit Spannung schauen die Menschen in Buenos Aires, Rom, Stockholm, Athen und Kapstadt heute nach Lausanne.Um 18.53 Uhr wird IOC-Präsident Samaranch verkünden, welche Stadt die Olympischen Spiele im Jahr 2004 ausrichten kann.Vor beinahe vier Jahren schauten die Berliner mit großen Augen nach Monte Carlo: Aber mit den Worten "The Winner is Sydney" bereitete der IOC-Gewaltige am Abend des 23.September 1993 allen Olympia-Träumen den Garaus.Richtig schlimm wurde der Katzenjammer, als bekannt wurde, daß nur neun der damals 89 anwesenden IOC-Mitgliedern ihre Stimme für Berlin abgegeben hatten.Und all jene, die sich schon in der an Pannen und Skandalen reichen Bewerbungsphase gegen Olympia an der Spree ausgesprochen hatten, schütteten ihre Häme über den Verantwortlichen aus. Wie berechtigt die Skepsis gegenüber diesem Projekt war, zeigte sich in den nachfolgenden Monaten.Denn noch lange war nicht Schluß mit Olympia-Negativschlagzeilen in der Stadt: Reißwolfaffäre und der dann folgende Untersuchungsausschuß sind unter anderem die Stichworte. Geblieben ist der Stadt aber auch anderes: So verfügt Berlin jetzt über zwei neue für internationale Wettkämpfe taugliche Sportstätten, beide in Prenzlauer Berg gelegen.Die Max-Schmeling-Halle hat sich seit dem vergangenen Jahr etabliert und ist als Spielstätte für die Basketballer von ALBA Berlin nicht mehr wegzudenken.Noch nicht ganz so ins Bewußtsein gerückt ist bei vielen das Velodrom auf dem Gelände der ehemaligen Werner-Seelenbinder-Halle.Im Winter fand dort zwar schon das erste Sechs-Tage-Rennen statt, mit reger Zuschauerbeteiligung.Heute wird die Halle, die vom französischen Stararchitekten Dominique Perrault entworfen wurde und bei manchen Architekurkritikern als das bisher gelungenste Bauwerk des neuen Berlins gilt, der Sportverwaltung übergeben.Vor allem der damalige Bausenator Wolfgang Nagel (SPD) hielt trotz des Berliner Scheiterns an den rund 750 Millionen Mark teuren Projekten, zu denen noch eine Schwimmhalle gehört, fest.Sehr zum Mißfallen der Opposition.Nach wie vor ist die engagierte Olympia-Gegnerin Judith Demba (Bündnis 90/Grüne) der Meinung, daß die Mittel anderweitig hätten besser ausgegeben werden können. Dem widersprechen sowohl die Sportverwaltung als auch der Landessportbund (LSB).Jürgen Kießling von der Sportverwaltung legt besonderen Wert darauf, daß die Hallen für den Schul- und Vereinssport zur Verfügung stehen.Neben den Vereinen kämen zwölf Schulen und eine Kita zum Zuge.Von den zwölf Millionen Mark, die als Zuschuß für die Hallen zur Verfügung stehen, gehe ein großer Teil an Mietzahlungen eben für Schulen und Vereine drauf.LSB-Sprecher Dietmar Bothe sieht die Zugkräftigkeit der Hallen für große Veranstaltungen als ein Indiz dafür an, daß Berlin von der Olympia-Bewerbung trotz aller Pannen profitiert hat."Man muß auch ein paar Highlights haben, um den Breitensport zu fördern", sagt Bothe.Gleichwohl liegt bei vielen Sporteinrichtungen vor allem in den Schulen manches im argen.Die benötigten Summen für die Sanierung maroder Sportstätten in der Stadt sind enorm.Sogar Sportsenatorin Ingrid Stahmer geht für die rund 1300 Sportstätten von einem Bedarf in Höhe von 2,1 Milliarden Mark aus.Darin sind die rund 660 Millionen Mark für Sanierung und Modernisierung des Olmpiastadions noch nicht enthalten.Aber dessen Zukunft ist ja ohnehin noch völlig ungeklärt. An anderer Stelle wurde für Olympia nicht gebaut, sondern vorsorglich erst einmal abgerissen: das Stadion der Weltjugend in Mitte etwa.Ein Herzstück der Olympia-Bauwerke, die große Olympia-Halle, sollte dort entstehen.Selbst der Name war schon gefunden worden.Nach Lili Marleen sollte sie benannt werden.Daraus wurde jedoch nichts, das Projekt wurde einiger Zeit gestoppt.Hochwertige Wohnungen sollen jetzt dort gebaut werden, die Planungen liegen zur Zeit in der Stadtentwicklungsverwaltung.Bis sie verwirklicht werden, können sich noch die Golfspieler auf dem Gelände vergnügen.

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