Vor Berlin-Wahl : "Henkel und ich können nicht zusammen? Unsinn!"

"Möge die Macht mit Dir sein!" Am Morgen nach der MV-Wahl kamen die Berliner Spitzenkandidaten mit der Wirtschaft zusammen.

Sabine Beikler
Sie reden nicht nur übereinander ("Henkel-CDU"), sondern auch miteinander. Müller (links) und Henkel am Montagmorgen.
Sie reden nicht nur übereinander ("Henkel-CDU"), sondern auch miteinander. Müller (links) und Henkel am Montagmorgen.Foto: dpa

Es war der Morgen danach - der Morgen nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern. Und doch war die Atmosphäre entspannt, als die Berliner Spitzenkandidaten in Berlin zusammenkamen.

Es gab viele Lacher im Publikum bei dieser Runde, in der erstmals alle Spitzenkandidaten der im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien anwesend waren. Und man hatte den Eindruck, alle Kandidaten sind optimistisch, dass sie ein gutes Wahlergebnis erreichen können. Jeder kämpft um seine Stimmen. Und was nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern die Koalititionsfrage in Berlin angeht: Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte, er können sich das Ergebnis am 18. September ja "nicht backen".

Es sei kein Fehler gewesen zu sagen, welche Ansprüche er habe. Müller hatte sich für eine rot-grüne Präferenz ausgesprochen. Er lasse sich auch fünf Jahre Rot-Schwarz nicht kaputtreden. "Und es ist kompletter Unsinn, wenn ich höre, Frank Henkel und ich könnten nicht zusammen", sagte Müller. Allerdings sei es oft "zu unambitioniert", was die CDU in Sachen Wirtschaftspolitik wolle.

Frank Henkel: "Die letzten Wahlkampfwochen machen besonders Spaß"

Zwei Stunden lang mussten die Kandidaten den Moderatoren Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK, und Udo Marin, VBKI-Geschäftsführer, in vier Themenbereichen Rede und Antworten stehen: die Wachsende Stadt, dann Bildung, Ausbildung und Integration, die dysfunktionale Stadt; der vierte Bereich wurde mit "Möge die Macht mit Dir sein" umschrieben.

Eine Absage an eine mögliche Weiterführung einer großen Koalition waren Müllers Worte aber nicht. Frank Henkel sagte, "ich schaue jetzt ausschließlich auf uns". In den letzten zwei Wochen mache das Kämpfen "besonders Spaß". Er erinnerte an die Zeit vor fünf Jahren, als der damalige Fraktionsvorsitzende der Grünen, Volker Ratzmann, die CDU mitnichten in einer Regierung sah. "Und zwei Wochen später war ich Innensenator und Bürgermeister."

Klaus Lederer: "Stil und Haltung müssen anders werden"

Die Linken hätten schon hohe Preise für eine Regierungsbeteiligung ausgerufen, stellte Eder fest. Klaus Lederer sagte, trotzdem gehe es um Inhalte. Der Senat sei überfordert, man habe Entscheidungen an den Köpfen der Berliner vorbei getätigt. Und außerdem habe sich "Müller auch nicht so direkt von Henkel distanziert". Die Zeiten, in denen ein Ergebnis für eine Partei von 40 Prozent plus x bei einer Wahl herauskomme, seien eben vorbei. Dreier-Konstellationen seien wahrscheinlicher. "Aber Stil und Haltung müssen anders werden. Wir brauchen keine Ankündigungspolitik mehr", sagte Lederer in Richtung SPD.

Ramona Pop: Die CDU ist keine Großstadtpartei

Warum die Grünen sich von einer Option Schwarz-Grün distanziert haben, beantwortete Ramona Pop mit den Worten, man werde am 18. September tatsächlich sehen, welche Optionen es tatsächlich geben werde. "Jede Stimme für grün zählt für Veränderung." Die CDU sei keine Großstadtpartei. Und die große Koalition habe ihre Konflikte mit "viel Geld zugekleistert". Berlin brauche einen Neuanfang.

 Bruno Kramm von den Piraten, die wenig Chancen auf einen Wiedereinzug ins Parlament haben, warnte vor einer alleinigen Opposition von CDU und AfD. Die Grünen seien "präsidial gebürstet", Rot-Rot habe zwischen 2001 und 2011 "viel Mist gebaut". Und deshalb müssten die Piraten wieder ins Parlament. Sie würden für Transparenz sorgen.

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