Wachschutz an Neuköllner Schulen : Die Aufpasser sind zurück

14.10.2012 00:00 Uhrvon
Stark, aber nicht ruppig. Okan Bicakci (links) und Masieh Jahn arbeiten für den Sicherheitsdienst RSB. Von Montag an ist ihr Einsatzort die Albert-Schweitzer-Schule Neukölln. Wie man mit Jugendlichen umgeht, wie man auf sie zugeht, haben beide gelernt. Das Motto lautet: nicht provokant wirken und immer schön sachlich bleiben. Foto: Mike Wolff
Stark, aber nicht ruppig. Okan Bicakci (links) und Masieh Jahn arbeiten für den Sicherheitsdienst RSB. Von Montag an ist ihr Einsatzort die Albert-Schweitzer-Schule Neukölln. Wie... - Foto: Mike Wolff

Sie bewachen Filmsets, Gebäude, machen Begleit- und Personenschutz. Und ab Montag stehen Wachschützer auch wieder vor zwölf Neuköllner Schulen. Diese Schulen gelten als "Brennpunktschulen". Die Aufgaben der Wachschützer sind hier vielfältig.

Als die drei Schränke um die Ecke kommen, ist klar, dass das die Sicherheitsleute sein müssen. Das breite Kreuz und die eindrucksvollen Oberarme stecken in schwarzen Jacken, auch die restliche Kleidung ist schwarz. Eine nächtliche Begegnung wäre furchteinflößend. Doch als sie näher kommen, knipsen die Jungs ihr Lächeln an. „Wir kommen manchmal so böse rüber, aber wir tun was Gutes. Die Leute fühlen sich bei uns wohl“, sagt Afif Abbassi.

Er und seine Kollegen Okan Bicakci und Masieh Jahn sind von den Rheinischen Sicherheitsdiensten RSD mit Standort Berlin.

Sie bewachen Filmsets, Gebäude, machen Begleit- und Personenschutz. Ihr nächster Einsatz gilt Schulen. Am Montag hat Bicakci vor dem Gebäude der Neuköllner Albert-Schweitzer-Schule seinen ersten Arbeitstag. Die RSD postieren insgesamt 24 Leute vor zwölf Neuköllner Schulgebäuden. Die Wachschützer sind zurück.

Bereits von 2007 bis 2011 schlichteten Wachschützer Streitereien und achteten darauf, dass nur Schulzugehörige das Gebäude betreten. In vier Jahren verhinderten sie laut der Neuköllner Schulstadträtin Franziska Giffey (SPD) rund 400 „Vorfälle“. Als sie aus Geldmangel abgezogen wurden, gab es Schwierigkeiten. „Genau hier, in dieser Toilette, haben Schüler ein Pärchen beim Drogenkonsum erwischt“, sagt Einsatzleiter Masieh Jahn und zeigt auf ein Fenster der Albert-Schweitzer-Schule. Auf Wunsch der Eltern kehren die Aufpasser jetzt zurück. Von den 24 vorgesehenen Mitarbeitern waren sieben bereits zwischen 2007 und 2011 im Einsatz. Der Bezirk investiert dafür in diesem Jahr 400 000, im kommenden 600 000 Euro. Bis Ende 2013 gilt der Vertrag mit den RSD.

Am Albert-Schweitzer-Platz setzen sich einige Jugendliche ein paar Meter entfernt von den Sicherheitsleuten auf eine Bank. Sie hantieren mit Tabak und Blättchen. „Wenn diese Jungs am Montag da sitzen, schicke ich sie weg“, sagt Okan Bicakci. „Sein Kennerblick sagt ihm, dass sie einen Joint drehen“, fügt Jahn hinzu.

Okan Bicakci, 30, wollte ursprünglich Koch werden. Er ist in Spandau aufgewachsen, heute wohnt er dort mit Frau und Sohn. Die Kochlehre brach er ab. Wenig später wurde er im Fitnessstudio angesprochen, ob er für eine Sicherheitsfirma arbeiten wolle. Bicakci machte den IHK-Abschluss als Sicherheitsfachkraft. Heute hat er nach zehn Jahren Sicherheitsarbeit „alles gesehen“. Auf viel Stress habe er keine Lust mehr. Fünf Tage die Woche wird er je acht Stunden entweder vor der Albert-Schweitzer-Schule stehen oder vor der 1. Gemeinschaftsschule Neukölln auf dem Campus Rütli.

Elf von 66 Neuköllner Schulen haben Wachschützer beantragt, davon eine mit zwei Standorten. Fünf liegen in Nord-Neukölln und werden von den Schulleitern als Brennpunktschulen eingeschätzt. Die restlichen liegen in Gropiusstadt, Buckow, Britz und Rudow. Jede bekommt zwei Wachschützer. Einer sollte Türkisch oder Arabisch sprechen, damit er versteht, was um ihn vor sich geht. An Brennpunktschulen wechselt einer der Wachschützer wie Bicakci auch zu anderen Standorten, um einen Überblick zu bekommen. Auch „Damen“ seien unter den Wachschützern, sagt der stellvertretende Einsatzleiter Afif Abbassi.

Inzwischen verrät der Geruch, der von der Bank vor der Albert-Schweitzer-Schule herüberwabert, dass die Jugendlichen tatsächlich kiffen. Bicakci weiß schon, dass er freundlich, aber bestimmt sein wird, wenn er sie in Zukunft wegschickt. „Wenn wir prollig rangehen, würde die Situation eskalieren.“ Er rechnet damit, dass sich einige Schüler allein durch seine Anwesenheit provoziert fühlen. Doch sie seien nicht zur Überwachung da, sondern zum Schutz, sagt Abbassi. Bei den Schülern den richtigen Ton zu treffen, sei am wichtigsten. „Wir werden niemanden hier hinstellen, der kräftig ist, aber ’ne Holzbirne hat.“

Bicakcis Arbeitstag beginnt mit der Einlasskontrolle; nur, wer einen Schülerausweis hat, kommt rein. „Nach zwei, drei Wochen kennt man die Schüler“, sagt Bicakci. Dann wandert einer der Wachleute durch die Stockwerke, um Unterrichtsschwänzer aufzugabeln. An einigen Schulen werden auf Wunsch der Schulleiter die Toiletten während des Unterrichts verschlossen. Wer den Schlüssel will, tauscht ihn gegen den Schülerausweis.

Dass Bicakci jetzt vor allem tagsüber arbeitet, kommt ihm gelegen. „Meine Frau macht sich Sorgen. Wenn ich im Nachtdienst zu spät nach Hause komme, ruft sie sofort an“, erzählt er. Mit größeren Problemen rechnet er an seinem neuen Einsatzort nicht. „Wenn es ruhig ist, heißt das, wir haben unseren Job gut gemacht.“

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