Wegen Krankheit nicht besetzt : An Berliner Schulen fehlen Hausmeister

In Dutzenden Berliner Schulen fehlen Hausmeister. Das hohe Arbeitspensum wird für viele zur Belastung. Schulleiter fordern jetzt die Rückkehr des Hauswarts, der ständig präsent ist.

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Mehr als Schließdienst. Schulhausmeister haben viel zu tun – und sind inzwischen oft für mehrere Schulen gleichzeitig zuständig.
Mehr als Schließdienst. Schulhausmeister haben viel zu tun – und sind inzwischen oft für mehrere Schulen gleichzeitig zuständig.Foto: Thilo Rückeis

Mal eben die defekte Steckdose sichern, den Fensterriegel festschrauben oder dem säumigen Putzdienst auf die Finger sehen? In Dutzenden Berliner Schulen müssen sich Lehrer und Direktoren dererlei Wünsche verkneifen, denn sie haben keinen Hausmeister, an den sie sie richten könnten. Bis zu 25 Prozent ihrer Stellen sind in den Bezirken wegen Krankheit nicht besetzt. Weitere Posten sind vakant, weil ihre Nachbesetzung aus Kostengründen aufgeschoben wird. Dies ergab eine Anfrage der CDU-Abgeordneten Hildegard Bentele. Der hohe Krankenstand wird mit der erhöhten Arbeitsbelastung in Zusammenhang gebracht.

Besonders schwierig ist die Lage dort, wo ein Hausmeister für zwei Schulen zuständig ist: Dies wird in mehreren Bezirken praktiziert, um Geld zu sparen. Dort sind dann mitunter sieben oder acht Gebäude, darunter Horte, Mensen und Turnhallen für über 800 Schüler von einem einzigen Hausmeister zu betreuen.

Was das bedeutet, lässt sich an der Adolf-Glaßbrenner-Grundschule in Kreuzberg zeigen: „Der Hof kann nicht mehr gefegt werden, dadurch tragen die Schüler den Sand in die Schule, und der Putzdienst kommt nicht dagegen an“, fasst Schulleiter Peter Rahrbach die Folgen zusammen. Nächste Woche kommt das Hygieneamt ins Haus. Der einzige Lichtblick besteht darin, dass die Schule jetzt einen Hausmeisterassistenten bewilligt bekommen hat: 200 dieser Assistentenstellen können zurzeit beim Jobcenter beantragt werden, was allerdings einige Bezirke oder Personalräte aus prinzipiellen Gründen ablehnen.

Jeder vierte Hausmeister war erkrankt

Zu diesen Bezirken gehört auch Pankow. „Das Bezirksamt findet, dass reguläre Arbeitsverhältnisse besser wären“, begründet Bildungsstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) die Absage. In der Folge müssen Pankows Schulen ohne Assistenten auskommen, was besonders im Januar bitter war, als – wohl auch wegen der Grippewelle – jeder vierte Hausmeister im Bezirk erkrankt war: Nur für vier Langzeiterkrankte gab es damals eine Vertretungseinstellung, die anderen zwölf Schulen mussten von Nachbarschulen mitversorgt werden, darunter auch die Homer-Grundschule, deren Hausmeister über drei Monate fehlte.

Nicht ganz so dramatisch, aber ebenfalls zugespitzt ist die Lage in Mitte: Dort musste jeder sechste Hausmeister vertreten werden, wobei die kurzfristigen Erkrankungen allerdings noch nicht einmal mitgezählt waren.

„Wir brauchen eine Feuerwehr“, findet der Vize-Schulleiter der Steglitzer Dunant-Grundschule Ronald Pieper, nachdem seine Schule rund vier Monate ohne Hausmeister auskommen musste. Auch hier kam immer nur aushilfsweise der Hausmeister einer anderen Schule, um das „Allerallernötigste zu machen“, wie Pieper sich ausdrückt. „Die brechen zusammen“, sagt er im Hinblick auf die Arbeitsbelastung der technischen Kräfte. Das Schulamt von Friedrichshain-Kreuzberg geht davon aus, dass sich der Arbeitsumfang der einzelnen Hausmeister durch Schulzusammenlegungen, Gebäudezuwachs und Hortbetrieb „verdoppelt oder gar verdreifacht hat“.

Wiedereinführung der Hauswarte

„Die Arbeitsbelastung ist hoch“, steht auch für Pankow Personalratsvorsitzenden Stephan Freiberg fest. Er erinnert daran, dass früher jede Schule zusätzlich zum eigenen Hausmeister auch noch einen Hauswart hatte. Diese Stellen seien aber in den 90er Jahren gestrichen worden – womit sich die Schulen allerdings nicht abfinden wollen: Die Vereinigung der Oberstudiendirektoren forderte unlängst in einem offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister die Wiedereinführung der Hauswarte, damit Schulen bis 21 Uhr beaufsichtigt sind. Dies sei – vor allem in den Gymnasien aufgrund der langen Schultage – notwendig.

Stadträtin Zürn-Kasztantowicz will diese Forderung nicht ganz zurückweisen: „Auf Dauer muss man das in Angriff nehmen, dass zumindest größere Schulen mehr als nur einen Hausmeister haben“, findet die SPD-Politikerin. Tatsächlich sind nicht nur die langen Schultage ein Problem, sondern auch die abendliche Nutzung der Schulturnhallen durch Sportvereine: Die Bezirke sind gezwungen, Wachschützer zu beschäftigen, so genannte Schlüsselverträge zu verhandeln oder Reinigungsfirmen den „Schließdienst“ zu übertragen, damit die Schulen über Nacht nicht offenstehen.

Denn infolge neuer Vorschriften zur Arbeitszeit gibt es immer weniger Hausmeister, die auf dem Schulgelände wohnen und abends noch problemlos ihre Schließrunden drehen können. Sie arbeiten meist nur noch bis 14 oder 15 Uhr. Die Regelungen variieren allerdings von Bezirk zu Bezirk.

In folgenden Bezirken muss ein Hausmeister zwei Schulen betreuen

Friedrichshain-Kreuzberg: Charlotte-Salomon-/ Adolf-Glaßbrenner-Schule, Galilei-/ Liebmann-Schule, Lemgo-/ Robert-Koch-Schule sowie die Jens-Hydahl-Schule und eine Schule des zweiten Bildungsweges.

Neukölln: Konrad- Agahd-/Petersen- Schule, B.-Taut- Schule/Schule an der Windmühle sowie Hermann-Sander-/Zuckmayer-Schule.

Steglitz-Zehlendorf: Fichtenberg- und Rothenburg-Schule

Pankow: Schule an der Heide/Schule an den Buchen

Reinickendorf: Ein Doppelstandort (keine näheren Angaben)

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