Wohnen in Berlin : Mieten als "Sozialrendite"

27.06.2012 00:00 Uhrvon
Heinz Buschkowsky (SPD), Bezirksbürgermeister von Neukölln, ist gegen den Verkauf städtischer Wohnungen. Foto: dpa
Heinz Buschkowsky (SPD), Bezirksbürgermeister von Neukölln, ist gegen den Verkauf städtischer Wohnungen. - Foto: dpa

Heinz Buschkowsky (SPD), Bürgermeister von Neukölln, und sein Kollege Christian Hanke (SPD) aus Mitte, stellen ein Buch über die Entwicklung der Berliner Wohnquartiere vor. Buschkowsky provoziert seine Zuhörer mit einer Sarrazin-These.

Sarrazin-Fans kommen gelegentlich auch bei Heinz Buschkowsky, Bezirksbürgermeister Neuköllns, auf ihre Kosten. Der SPD-Politiker erklärte bei einer Buchvorstellung der Wohnungsbaugesellschaft Degewo, was sich in der privatisierten Highdeck-Siedlung an der Sonnenallee ereignet hat: „Verkauft wurde die Siedlung mit 35 Prozent Leerstand“, die Käufer hätten aktiv um Hartz-IV-Empfänger geworben, „der Leerstand nahm ab, der Intelligenzquotient auch“.

Buschkowsky liebt „schneidige Sätze“ am Rande des politischen Diskurses. Die Veranstalter nahmen es ihm nicht übel. Ihre Botschaft zielte in die gleiche Richtung: Städtische Wohnungsbaugesellschaften tun Berlin gut, wer sie verkauft, muss später mit sozialen Folgekosten rechnen.

Die 72 000 Wohnungen der Degewo gehören dem Land, einige tausend davon stehen im Weddinger Brunnenviertel, das vor Jahren auch mal als Brennpunktkiez galt, inzwischen aber klar auf Kurs sei hin zu einem sozial durchmischten Viertel, wie die Degewo-Vorstände Christoph Beck und Frank Bielka versicherten. Der frühere Leerstand sei komplett verschwunden. „Es gibt hier einen Optimismus und höhere Mieten“, sagte Beck.

Mittes Bürgermeister Christian Hanke (SPD), ebenfalls auf dem Podium, bestätigte diese Einschätzung und lobte ausdrücklich den „Bildungsverbund Brunnenviertel“, eine Initiative von Degewo, Quartiersmanagement, Bezirksamt und den Schulen im Kiez. Dieses erfolgreiche Netzwerk solle künftig flächendeckend im Bezirk verankert werden. Einen Bildungsverbund gibt es auch in der Neuköllner Gropiusstadt.

Das Wort „Sozialrendite“ machte die Runde. Man investiere in die Lebensqualität der Kieze, um die ökonomische Basis langfristig zu sichern, also „maßvoll Geld zu verdienen“, erklärte Beck. Eine Mietenregulierung durch den Senat lehnen die Degewo-Manager ab, das seien „staatliche Folterinstrumente“, die kontraproduktiv wirkten. Frank Bielka sieht stattdessen eine Diskussion um eine staatliche Neubau-Förderung heraufziehen, auch wenn Hanke dafür wegen der Berliner Schuldenlast kaum Spielraum erkennt.

Das neue Buch „Verantwortung für die Stadt“, herausgegeben von der Degewo, diskutiert die aktuellen Herausforderungen der Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik, auch aus persönlicher Perspektive. Prominente Autoren wie Tagesspiegel-Kolumnist Harald Martenstein, Autor Wladimir Kaminer und Ex-Senatsbaudirektor Hans Stimmann sezieren die Stadt und blicken in ihre Zukunft.

Frank Bielka, Christoph Beck (Hrsg.): Verantwortung für die Stadt. Beiträge für ein neues Miteinander. Siebenhaar-Verlag 2012

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