Zappeln im Netz : Es gibt kein Leben ohne Computer
29.02.2012 13:13 UhrMara Erlenmaier, 15, über das Recht am geistigen Eigentum
Im Internet sind wir frei - ob wir wollen oder nicht. Virtuell gibt es keinen Besitz, die Regeln der Gesellschaft gelten nicht. Wir, die Generation Internet, hören online Musik und kopieren routiniert Bilder aus dem Internet in unsere Präsentationen für die Schule. Bedenken wegen Urheberrechten oder geistigem Eigentum habe ich dabei eigentlich nie.
Wir alle möchten unbegrenzten Zugriff auf Musik, Filme und Zeitungsartikel - und das natürlich kostenfrei. Dabei kann man sehr leicht vergessen, dass hinter den Inhalten, die im Internet zu finden sind, Menschen stehen - und dass in den Werken teilweise extrem viel Aufwand steckt. Sobald Arbeiten virtuell abrufbar sind, scheinen sie direkt in den öffentlichen Besitz überzugehen. Wir wollen also eine Gesellschaft ohne geistiges Eigentum, in der jeder Zugriff auf Kunst, Musik und Literatur hat, die er uneingeschränkt nutzen kann.
Problematisch wird es interessanterweise, wenn auf einmal die eigene Arbeit von anderen Leuten verwendet wird und man merkt, dass man darüber keine Kontrolle hat. Meine ersten Zweifel an diesem Kreativkommunismus kamen auf, als ich in einem Buch, das meine Schule veröffentlicht hatte, Bilder sah, die von meiner Facebook-Seite stammten. Ich war nicht um Erlaubnis gefragt worden, ich wusste noch nicht einmal von der Veröffentlichung meiner Bilder.
Ich fand die Nutzung meiner Bilder in diesem Fall nicht weiter schlimm, doch mir wurde bewusst, dass ich keinerlei Einfluss darauf habe, was mit den Fotos gemacht wird, die ich im Internet veröffentliche. Jetzt verstehe ich die Künstler ein wenig besser, deren Werke täglich von allen genutzt werden.
Radikale Maßnahmen zum Schutz des Copyrights wie die geplanten Acta-Gesetze lehne ich zwar weiterhin ab, doch ich denke, dass wir dringend Lösungen für den Schutz des geistigen Eigentums im Internet brauchen. Die Grenzen zwischen Freiheit und Gesetzlosigkeit sind fließend. Im Internet herrscht noch eine Art von Anarchismus, die in der realen Welt nicht möglich ist. Freiheit oder Bedrohung? Das liegt im Auge des Betrachters.
Mara Erlenmaier, 17 Jahre
- Seite 1: Es gibt kein Leben ohne Computer
- Seite 3: Sonja Radde, 15, über ein Referat ohne Internethilfe
- Seite 4: Luca Tschiche, 15, über Onlinedemokratie und die Piratenpartei
- Seite 5: Heinrich Sander, 14, über Sorglosigkeit bei persönlichen Daten
- Seite 6: Henrik Hölzer, 16, über den Charme handgeschriebener Briefe




















