Berlin : Zöllner leitet Stiftung der Charité

Ex-Bildungssenator tritt neue Stelle im Mai an.

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Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Jürgen Zöllner hat wieder einen Job. Vom 1. Mai an wird er nach Informationen des Tagesspiegels Vorstand der Stiftung Charité. Die Aufgabe ist kein Ehrenamt. Vielmehr übernimmt der 66-Jährige, in der vorigen Berliner Regierung Senator für Schule und Wissenschaft (SPD), eine Vollzeitstelle. Zöllner soll die Stiftung von ihrem Berliner Büro aus leiten. Johanna Quandt, die die Stiftung mit ihrem Vermögen im Jahr 2005 ins Leben rief, erklärte: „Ich freue mich, dass wir mit Herrn Professor Zöllner einen langjährig erfahrenen, politisch versierten und innovativen Wissenschaftsmanager gewinnen konnten.“ Zöllner sagte auf Anfrage: „Das ist eine riesige Chance, was für die Charité zu machen.“ Im Vorstand der von ihm als Senator gegründeten Berliner Einstein-Stiftung will er weiter bleiben.

Die Stiftung Charité kann jährlich etwa eine Million Euro ausgeben. Sie engagiert sich für Menschen, die zum Wandel der Charité von einem „klassischen Universitätsklinikum zu einem Unternehmen“ beitragen. So hilft sie bei der Überführung von Forschungsergebnissen in die klinische Anwendung oder ehrt mit dem Max-Rubner-Preis Charité-Angehörige. Jörg Appelhans von der Stiftung kann sich vorstellen, dass sie auch die geplante Teilfusion der Charité mit dem Max-Delbrück-Centrum in Buch unterstützt. Der Bund will wie berichtet mit der Fusion ein „Berlin Institute of Health (BIH)“ gründen.

Im Rat der Stiftung Charité sitzt unter anderem Klinikchef Karl Max Einhäupl. Stellvertretende Vorsitzende ist die 85-jährige Stifterin Johanna Quandt. Sie fühlt sich der Charité als Enkelin des Arztes Max Rubner verbunden, der den dortigen Lehrstuhl für Hygiene von Robert Koch übernahm. Johanna Quandt zählt als Anteilseignerin von BMW – wie ihre Tochter Susanne Klatten – zu den reichsten Frauen Deutschlands.

Den Grundstock für das Vermögen legte Unternehmer Günther Quandt, der Vater von Johanna Quandts Mann Herbert. Günther und seine Söhne waren tief in Nazi-Verbrechen verstrickt. Erst vor einem halben Jahr kündigten Johanna Quandts Sohn Stefan und seine Cousine Gabriele ihr finanzielles Engagement für das Gedenken an die Verbrechen an. Jürgen Zöllner sieht keinen Grund, nicht für Johanna Quandt zu arbeiten: „Ich habe mich schon als Senator mit der Geschichte der Familie beschäftigt und bin überzeugt, dass sie ihre Vergangenheit so gründlich aufgearbeitet hat, wie es nur geht.“ Anja Kühne

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