Zugangsregeln für Oberschulen : Kein Gymnasium für Leistungsschwächere?

Trotz vieler Abbrecher beim Turbo-Abitur sind keine Aufnahmehürden geplant. Das Probejahr bleibt die einzige Zulassungsbeschränkung. Manche Schüler sind dann spätestens mit den harten Bedingungen in der Oberstufe überfordert.

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Lieber ein Jahr länger lernen?
Lieber ein Jahr länger lernen?Foto: dpa

In Kürze reformiert die Koalition die Zugangsregeln für die Oberschulen, aber der freie Zugang zu den Gymnasien wird dabei nicht angetastet. „Es wird keine Art von Notenhürde geben“, betont der Senat. Daran ändert auch die hohe Zahl von Schülern nichts, die am auf zwölf Jahre verkürzten Abitur der Gymnasien scheitert.

Wie berichtet, sind etwa 20 Prozent des diesjährigen Abiturjahrgangs im Laufe der Oberstufe auf der Strecke geblieben. Als Hauptgründe werden Überlastung und die Angst vor einem schlechten Notenschnitt angegeben. Deshalb fragen sich viele Gymnasien, ob es nicht besser wäre, die Leistungsschwächeren erst gar nicht auf die Gymnasien zu lassen.

Dies aber hat die Bildungsverwaltung bislang immer abgelehnt. Stattdessen sollen schon während des Probejahres die Schlechteren von den Besseren getrennt werden. Dafür seien die Probejahrbestimmungen zu lax, heißt es aus den Gymnasien, die mit einer hohen Zahl schwacher Schüler zu kämpfen haben. Zwar blieben etliche Schüler auf der Strecke. Aber es gebe eine weitere große Gruppe von Schülern, die nur knapp durchkommen und sich durch die ganze Mittelstufe quälen – bis sie am Turbo-Abitur scheiterten. Denn die Gymnasien dürfen sie nicht vorher an die Sekundarschulen schicken.

Auch der Mittlere Schulabschluss (MSA) taugt nicht als Hürde. „An den Gymnasien schaffen fast alle die MSA-Prüfungen und denken dann, das wäre die tolle Eintrittskarte für das Turbo-Abitur“, berichtet eine Schülervertreterin aus Mitte. Diese Schüler würden dann erst wach, wenn sie die ersten schlechten Noten in ihren Leistungskursklausuren erführen. In der Folge entscheiden sie sich fürs Wiederholen der elften oder zwölften Jahrgangsstufe oder wechseln zu Schulen mit einem 13-jährigen Bildungsgang.

Die rot-schwarze Koalition setzt auf die Vernunft der Eltern. „Sie sollten einschätzen können, ob ihr Kind richtig auf dem Gymnasium aufgehoben ist“, hofft SPD-Bildungsexpertin Renate Harant. Die entsprechende Beratung könne aber noch ausgebaut werden. Harant selbst hielte es zwar für besser, zumindest die „aussichtslosen Fälle“ nicht auf die Gymnasien zu lassen. Die Bildungsverwaltung verweist aber darauf, dass der Notenschnitt ein unzuverlässiger Indikator für die Eignung oder Nichteignung am Gymnasium sei. Immer wieder komme es vor, dass Schüler mit schlechten Grundschulnoten das Probejahr schafften, während Schüler mit besseren Zensuren scheiterten. Wie viele Schüler in den aktuellen siebten Klassen am Probejahr scheitern werden, steht zurzeit noch nicht fest. Lediglich die Warnbriefe wurden verschickt.

Unklar ist auch noch, in welchem Ausmaß künftig die Geschwisterkinder bevorzugt werden sollen, wenn eine Schule weniger Plätze als Anmeldungen hat. Die SPD erwägt, dass nur die Geschwister berücksichtigt werden sollen, die noch nicht die Oberstufe besuchen.

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