Zum Todestag von Rudolf Heß : Neonazi-Aufmarsch und Gegendemo in Spandau geplant

Zum 30. Todestag des Hitler-Stellvertreters Heß könnten sich bis zu 1000 Neonazis in versammeln. Es soll auch eine Gegendemo geben.

Helke Ellersiek/Frank Jansen
Teilnehmer an einer rechtsextremen Kundgebung in Dortmund (Symbolbild)
Teilnehmer an einer rechtsextremen Kundgebung in Dortmund (Symbolbild)Foto: Rene Tillmann dpa/lni

Plakate mit dem Konterfei von Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß sind in Kreuzberg, Neukölln und Lichtenberg aufgetaucht. Die Poster erinnern an Polizeiaufrufe, und holprig ist darauf formuliert: Der „87-jährige Greis“ Rudolf Heß sei ermordet worden, „von 2 englischen Mördern in einer Gartenlaube in der Wilhelmstraße, mit einem Strick“.

Größere Veranstaltung vorstellbar

Die Plakate sind ein Vorgeschmack auf den geplanten Neonazi-Aufmarsch am 19. August in Spandau, zwei Tage nach dem 30. Todestag von Heß, dessen Selbsttötung im früheren Kriegsverbrechergefängnis in Spandau Rechtsextremisten notorisch als Mord propagieren.

Sollte der Aufmarsch stattfinden, sei im Vergleich zu den vergangenen Jahren eine größere Neonazi-Veranstaltung vorstellbar, sagen Sicherheitskreise. „Die trommeln mächtig“, heißt es. Die Szene mobilisiere bundesweit und auch im Ausland, unter anderem in Tschechien und Ungarn. Die in der Anmeldung genannte Zahl von 500 Teilnehmern „dürften die Neonazis erreichen“. Es sei auch nicht auszuschließen, „dass es mehr werden, vielleicht sogar um die 1000“.

Dafür spricht, dass schon das Spektrum der Berliner und Brandenburger Neonazis in den Jahresberichten der Verfassungsschutzbehörden mit insgesamt mehr als 900 Personen beziffert wird. Aber auch eine Gegendemonstration ist für den Tag bereits angemeldet worden: Das „Spandauer Bündnis gegen Rechts“ rechnet ebenfalls mit 500 Teilnehmern.

Nur braunes Hardcore-Milieu thematisiert Heß

Rudolf Heß ist nur für einen Teil des rechtsextremen Spektrums eine Ikone. Gruppierungen wie die „Identitären“ und „Pro Deutschland“ halten sich verbal vom Nationalsozialismus fern. Auch die rechtspopulistische AfD will nicht mit Neonazis in Verbindung gebracht werden. Der angebliche Mord an Rudolf Heß wird zumindest öffentlich nur vom braunen Hardcore- Milieu thematisiert.

Eine Zeitlang allerdings mit beachtlichem Zuspruch. Nach der Jahrtausendwende kamen im bayerischen Wunsiedel mehrmals tausende Neonazis zum „Rudolf-Heß-Gedenkmarsch“. In der fränkischen Stadt befand sich das Grab des NS-Politikers. 2011 wurde es aufgelöst.

Bereits sechs Jahre zuvor hatte das Landratsamt Wunsiedel die Serie der Heß-Märsche beendet. Das 2005 verkündete Verbot hielt, weil der Bundestag die Verherrlichung der nationalsozialistischen Gewaltund Willkürherrschaft unter Strafe gestellt hatte. Möglicherweise könnte damit auch ein Verbot der Veranstaltung in Spandau durchgesetzt werden. Die Gespräche dazu laufen noch.

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