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"Paradies: Liebe" : Die Sexkäuferinnen

03.01.2013 16:58 Uhrvon
Und unten am Meer warten die Beachboys. Teresa (Margarethe Tiesel) sichtet das Angebot. Foto: Neue Visionen Foto: Neue VisionenBild vergrößern
Und unten am Meer warten die Beachboys. Teresa (Margarethe Tiesel) sichtet das Angebot. Foto: Neue Visionen - Foto: Neue Visionen

Hier die europäischen Sugarmamas, dort die afrikanischen Beachboys: Ulrich Seidls Film „Paradies: Liebe“ beobachtet kühl, wie der Markt der Körper in Kenia funktioniert. Schlimm wird es nur, wenn Gefühle dazwischen kommen.

Single-Mutter um die 50 sucht Sextourismus in Kenia. Niederösterreichische Hausfrau lebt Amour fou mit Jesus als Rosenkriegswaffe gegen ihren muslimischen Ehemann aus. Pummeliger Teenager verfällt Schlankheitsarzt, der ihr Vater sein könnte: Diese Dramen, klotzig wie Kolportage-Schlagzeilen, tragen sich in Ulrich Seidls „Paradies“-Trilogie in einer losen Frauenfamilie zu. Mutter, Schwester und Tochter folgen im selben Sommer an verschiedenen Orten parallel und doch als austauscharme Monaden ihren Obsessionen, um sich mit Wucht aus ihren spezifischen Einsamkeiten hinauszusprengen.

„Paradies: Liebe“, die im Wettbewerb von Cannes 2012 uraufgeführte Geschichte der frustrierten Urlauberin, ist der Auftakt des Projekts.

Ursprünglich sollte es ein Episodenfilm werden, entwickelte sich jedoch zu drei Sittengemälden über masochistische Rebellinnen. Bereits mit Dokumentarfilmen wie „Tierische Liebe“ und „Models“ oder quasi-dokumentarischen Spielfilmen wie „Hundstage“ und „Import Export“ brannte der Ex-Jesuiten-Schüler seine unbehaglichen Bilder ins Schmerzgedächtnis des Publikums ein.

Auch „Paradies: Liebe“, die Irrfahrt der Sozialarbeiterin Teresa (Margarethe Tiesel) in den europäisch-afrikanischen Liebesmarkt, ist in Seidls stilistischer Handschrift zum plastisch grellen Traktat überhöht. Hochintensive Schauspielarbeit zwischen professionellen und Laiendarstellern raut die Oberfläche an. Dabei strukturieren die präzise komponierten Tableaus und entschleunigten Erzähltempi die improvisierten Spielszenen zu Modellanordnungen.

Teresa (Margarethe Tiesel), die Protagonistin, ist eine einkaufstütenschleppende Vorstädterin, ein leicht hüftsteifer Wohlstandsbrocken, das glatte Gegenteil ihrer frommen, ich-vergessenen Namensvetterin Mutter Teresa. Die Eingangsszene, in der Teresa eine Gruppe geistig Behinderter auf dem Rummel beim wüsten Gerempel ihrer Autoscooter überwacht, steht als grandios sarkastisches Bild für den Wahnsinns-Alltag, aus dem sie flüchtet. Die blonde Frau mit den weichen Zügen und dem Hexengelächter will erkannt, begehrt und geliebt werden, das offenbaren selbst die raunzigen, groben Schwatzrunden mit gleichgesinnten Frauen am Pool. Und die eingespielten Rituale zwischen den Beachboys hinter der Hotel-Absperrung und den sexhungrigen Wohlstandsurlauberinnen im Resort bringen ihre anfängliche Schüchternheit zum Verschwinden.

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