70. Geburtstag : Das Leben von Reinhard Hauff

Reinhard Hauff zum 70. Geburtstag: Am Blick zurück war er nie sehr interessiert. Warum sich mit der eigenen Vergangenheit beschäftigen, wenn es um die Gegenwart und die Zukunft geht? Dabei sind bei Reinhard Hauff mindestens drei erfolgreiche Lebensphasen zu würdigen

Hans Helmut Prinzler

Die Zeit des Fernsehmachers in den sechziger und siebziger Jahren, die Zeit des Kinoregisseurs in den siebziger und achtziger Jahren, die Zeit des Filmschuldirektors ab Mitte der Neunziger. Als ihm vor vier Jahren der Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises verliehen wurde, kamen gleich drei Laudatoren auf die Bühne, um die vielen Gründe für die Auszeichnung aufzuzählen. Hauff nahm sie nur mit zögerlichem Stolz zur Kenntnis.

Wenn er über seine Vergangenheit redet, dann am liebsten über die Zeit bei der Bavaria. Er hat dort bei Heinz Liesendahl, Rolf von Sydow und Michael Pfleghar gelernt. Das waren die Spezialisten für experimentelle Unterhaltung. Und Reinhard Hauff wurde zunächst zu einem Profi der TV-Show. Nur wenige werden sich noch an „Buona Sera in Las Vegas“ und „Cinderella Rockefella“ oder an das wunderbare Janis-Joplin-Porträt erinnern. Die Bedeutungsschwere seiner späteren Kinofilme lässt manchmal vergessen, dass ihr Regisseur ein begnadeter Entertainer ist. In die deutsche Filmgeschichte wird er vor allem mit „Messer im Kopf“ und „Stammheim“ eingehen, in denen es um die Gewaltpotenziale des Staates und die Suche nach Identität geht. Hauffs Filme handeln von Widerstand, von individuellen Kraftakten, von Aggressionen in der Gesellschaft. Die Geschichten, die er in diesem Zusammenhang erzählt, sind sehr real und konkret. Sie stammen, weil Hauff selbst wenig schreibt, von profilierten Autoren, mit denen der Regisseur streitlustig befreundet ist: Burkhard Driest, Peter Schneider, Stefan Aust. Auch Hauffs Ehefrau, Christel Buschmann, ist eine schreibende Partnerin.

Zu seinen hervorstechenden Charaktereigenschaften gehören Energie, Kreativität und Beharrlichkeit. Es war ein Glücksfall, dass er 1993 die Direktion der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin übernahm. Er hat die Schule gefestigt in ihrem Kerngeschäft (Regie und Kamera), erweitert um die Bereiche Drehbuch und Produktion, gestärkt in ihrem Selbstbewusstsein. Sein Leitspruch für das Haus hieß „Low Budget, High Energy“. Er war für die Studenten kein moderater Direktor, sondern ein Herausforderer. Wichtig waren offene Augen, Reibungsbereitschaft, Fähigkeit zur Attacke. Der Stimmungspegel im Filmhaus des Sony-Centers, wo die DFFB 2000 unter Reinhard Hauff ihren neuen Platz fand, war zu seiner Zeit trotzdem auf einem hohen Level. Es ist ja kein Nachteil, wenn ein Direktor ein anspruchsvoller Filmemacher und ein guter Kommunikator ist. Als Hauff vor vier Jahren die DFFB verließ, versammelten sich Studenten und Absolventen zu einem Gruppenbild mit ihm. Die Halle vor den Arsenal-Kinos fasste kaum seine vielen Fans, und an der Filmhausfassade hing wochenlang ein Abschiedsposter. Da blickte er wie ein indischer Guru auf das Treiben dieser Stadt.

Am heutigen Samstag feiert er in München seinen 70. Geburtstag. Glückwünsche wie diesen wird er für sich sofort relativieren. Hans Helmut Prinzler

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