Kultur : An der Grenze

"Opas Kino", schrieb der Tagesspiegel über die Wilhelm-Raabe-Klamotte "Die Gänse von Bützow" (1985) - und davor hatte Frank Vogel, damals Mitte fünfzig, schon acht Jahre lang keinen Film mehr gedreht.Der Mauerfall ein paar Jahre später besiegelte nur noch das Ende einer Karriere, die lange schon Papier geworden war: Die Defa wurde abgewickelt, Frank Vogel war endgültig ein vergangener Name.

Eine typische DDR-Laufbahn? Mit dem Mauerbau hatte der Aufstieg des Frank Vogel begonnen, mit Propagandafilmen wie "Die Entscheidung des Dr.Ahrendt", "...und deine Liebe auch" oder "Julia lebt", die heute keiner mehr kennt.Tapfere Mauer-Soldaten eroberten darin mal propere Provinzbriefträgerinnen, mal patente Krankenschwestern, und die Sicherung der Staatsgrenze ging mit dem Aufbau der sozialistischen Familie einher - staatlich abgesegnete Erfolge, die ihrem Träger bald peinlich geworden sein müssen.Prompt wurde sein Porträt eines von der Schule gefeuerten Achtzehnjährigen "Denk bloß nicht, daß ich heule" 1965 verboten - und die Biographie des Filmemachers hatte ihren Riß.Erst nach der Wende konnte der Film öffentlich gezeigt - und gewürdigt - werden, als ein Appell zur Achtung auch von Außenseitern.Doch was nach 1965 kam, ist - ausgenommen die Familienstudie "Das siebente Jahr" - heute kaum mehr der Rede wert.Vogel lieferte Filme zu geschichtlichen ("Johannes Kepler") und zeitgeschichtlichen ("Eine Handvoll Hoffnung") Stoffen, denen fortan zwar die klar propagandistische, aber aber auch jedwede künstlerische Note fehlte.

Geboren wurde Frank Vogel am 30.Dezember 1929 in Limbach/Sachsen.Er studierte in Leipzig, in Weimar und in Moskau, bevor er mit knapp 30 Defa-Regissseur wurde.Am Sonnabend ist Vogel, wie jetzt bekannt wurde, nach längerer Krankheit in Berlin gestorben. jal

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