Ausstellung des Vorderasiatischen Museums : Uruk: Auf den Spuren der ersten Großstadt

Vor 100 Jahren begannen Archäologen der Deutschen Orient-Gesellschaft mit Grabungen in Uruk - der ersten Megacity der Welt. Nun bekommt die historische Großstadt endlich ihre erste große Ausstellung im Vorderasiatischen Museum im Pergamonmuseum in Berlin.

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Mehr als ein Hügel: Arbeiten an der inneren Ringmauer an der Zikkurat, 1929/30.
Mehr als ein Hügel: Arbeiten an der inneren Ringmauer an der Zikkurat, 1929/30.DAI, Orient-Abteilung

Die Entdeckung ist nicht einem Archäologen zuzuschreiben. Im Rahmen der Arbeit für die osmanisch-iranische Grenzkommission der britischen Regierung besuchte der britische Geologe und Naturwissenschaftler William Kenneth Loftus 1849 im heutigen Irak das antike Uruk, das heutige Warka. 1854 kam es zu einer ersten Untersuchung, doch Loftus starb alsbald und die Entdeckung der ersten Metropole der Menschheit blieb zunächst ohne Folgen.

Seit 1898 bemühte sich die Deutsche Orient-Gesellschaft (DOG) um eine Grabungslizenz für das vielversprechende und größte altorientalische Ruinengelände. 50 000 Menschen sollen dort – wie wir heute wissen – bereits vor 5000 Jahren gelebt haben. Schließlich bekam die DOG 1912 die ersehnte Lizenz. Die gute Zusammenarbeit zwischen dem Osmanischen und dem Deutschen Reich begünstigte das Lizenzverfahren. Walter Andrae, der in Babylon und später in Assur grub, hatte das 550 Hektar große Ruinengelände bereits 1902 besucht und als lohnenden Ausgrabungsort immer wieder vorgeschlagen.

1904 schrieb der deutsch-amerikanische Archäologe und Assyriologe Hermann Volrath Hilprecht, der Ausgräber von Nippur: „Von Februar oder März bis Juli überschwemmt der Euphrat oft das Land bis zum Fuße der Ruinen. Die dadurch entstehenden Sümpfe wimmeln von Moskitos, die im Verein mit den noch mehr gefürchteten Sandfliegen der nahen Wüste dem Ausgräber das Leben zur Qual machen. ... Keine Expedition sollte darum je wieder an die Ausgrabung Warkas denken, wenn sie nicht aller dieser Schwierigkeiten im voraus sich bewußt und entschlossen ist, in streng wissenschaftlicher Weise vorzugehen, und zur methodischen Ausgrabung dieser größten aller babylonischen Ruinen ein Kapital von nicht weniger als 2 Millionen Mark bei einer Arbeitszeit von mindestens 50 Jahren sich gesichert hat.“

Auf den Spuren der ersten Megacity
Die Unterbringung der Grabungsmannschaft innerhalb der Stadtmauern von Warka, dem antiken Uruk, war sehr spartanisch. Hier wird ein Expeditionsgehöft aus Lehmziegelmauern errichtet - wie in antiker Zeit.Weitere Bilder anzeigen
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23.04.2013 19:28Die Unterbringung der Grabungsmannschaft innerhalb der Stadtmauern von Warka, dem antiken Uruk, war sehr spartanisch. Hier wird...

Aber zunächst blieb man optimistisch. Am 12. Oktober 1912 trafen der Archäologe und Bauforscher Julius Jordan und sein Architekt Conrad Preußer in Bagdad ein. Für Jordan, der bisher noch nicht so bekannt ist, wurde die Grabung eine große Herausforderung. Bisher hatte er mit Walter Andrae acht Jahre in Assur gegraben. Nun also Uruk. Über Babylon reisten sie weiter, zum Teil mit zwei Segelbooten über Kanäle bis in die Nähe von Warka. Sümpfe und Untiefen machen der Expedition schwer zu schaffen. Jordan versteht sich gut mit den osmanischen Autoritäten vor Ort, die hin und wieder auch Scharmützel mit den Beduinenstämmen haben. Am 19. Oktober erreicht die deutsche Expedition Warka. „Wir haben heute mit der Aufnahme begonnen. Beim Messen wurden mehrere Bruchstücke schon bekannter Ziegel mit Inschriften gefunden“, schreibt Jordan am selben Tag für die „Mitteilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft“. Solche Ziegel waren schon von Andrae gefunden worden.

Wie Jordan bemerkt, zogen sich die Verhandlungen über die Entlohnung der arabischen Arbeiter hin, er bittet schließlich die Kollegen in Babylon um Hilfe und mit 35 erfahrenen Arbeitern von dort lassen sich nun auch die Lohnprobleme ganz schnell lösen. Konkurrenz belebt das Geschäft. Die zehn Polizisten der Regierung betrachtet Jordan nicht als ausreichend für den Schutz der Grabung „in einer Gegend, in der fast jeder sein Martinigewehr zur Schau trägt und nicht viel nach der Regierung fragt“. Jordan begann mit 97 Arbeitern und hoffte, die Zahl auf 250 steigern zu können. Vorrangiges Ziel der ersten Grabung war die Erforschung der zentralen Bauwerke des antiken Uruk. Da die sumerische Großarchitektur Mesopotamiens vorwiegend aus Lehmziegeln erbaut wurde, die auf Dauer dem Regen nicht standhielten, mussten diese Bauten immer wieder auf dem Schutt der alten erneuert werden. So wuchsen die Fundamente Schicht für Schicht in die Höhe. Was wie eine Hügellandschaft aussah, waren in Wirklichkeit die Reste kolossaler Bauwerke. Die Analyse dieser Bauschichten stand im Mittelpunkt der Forschungsarbeiten.

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