• Berliner Staatsballett: Waltz und Oehmann scheinen das Ensemble nun doch zu überzeugen

Berliner Staatsballett : Waltz und Oehmann scheinen das Ensemble nun doch zu überzeugen

Sasha Waltz und Johannes Öhman, designierte Intendanten des Staatsballetts, haben nun zum ersten Mal die Tänzer getroffen. Deren Vertreter nennen das Gespräch "konstruktiv".

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Sasha Waltz und Johannes Öhman bei der Pressekonferenz am Freitag.
Sasha Waltz und Johannes Öhman bei der Pressekonferenz am Freitag.Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Lange haben sie geschwiegen. Als nun Sasha Waltz und Johannes Öhman, die designierten Intendanten des Staatsballett Berlin, am Freitag zu einem Gespräch in der Deutschen Oper erscheinen, ist die Spannung zum Greifen. Das Auftreten des Leitungsduos wirkt geradezu entwaffnend. Die beiden berichten von ihrem ersten Treffen mit dem Ballettensemble, das am Vorabend stattgefunden hat, auch Kultursenator Klaus Lederer war dabei. „Es war ein sehr positives Gespräch“, resümiert Waltz. Und sie lobt die Tänzer: „Ich habe das Gefühl, dass sie mitdenken und sehr engagiert sind.“

Ellinor Jagodnik, eine Vertreterin der Compagnie, spricht von einem konstruktiven Treffen. Offenbar ist es Waltz und Öhman gelungen, die Ängste und Sorgen der Tänzer zu zerstreuen. Die sind nach dem Bekanntgeben der Entscheidung fast geschlossen auf die Barrikaden gegangen. Vor allem gegen Sasha Waltz richtete sich die harsche Kritik: als zeitgenössische Choreografin habe sie gar nicht die Befähigung, eine klassische Ballettcompagnie zu leiten, hieß es in der Online-Petition „Rettet das Staatsballett“. Ihre Berufung sei zu vergleichen mit der Ernennung eines Tennis-Trainers zu einem Fußball-Trainer. Falls sie das gekränkt hat, lässt sie es sich jetzt jedenfalls nicht anmerken. Sie wolle einen Schlussstrich unter die Querelen der vergangenen Monate ziehen, betont sie. „Ich finde, wir sollten nach vorn schauen.“

Die Pläne für 2018/19 klingen vielversprechend

Waltz und Öhman ist das Bemühen anzumerken, nach dem Kommunikationsdesaster im vergangenen September möglichst keine Angriffsfläche zu bieten. Sie werben offen um die Unterstützung der Pressevertreter und scheinen sie mit ihrer Vision für das Staatsballett größtenteils überzeugt zu haben. Die Pläne für die erste Spielzeit 2018/19 klingen auch vielversprechend. Zum Auftakt werden zwei zeitgenössische Werke präsentiert: „Half Life“ von der Israelin Sharon Eyal und „Your passion is pure joy to me" des Belgiers von Stijn Celis. Der gefeierte Choreograf Alexei Ratmansy wird im November in der Staatsoper „La Bayadère“ zur Premiere bringen. Der Däne Frank Andersen zeigt im März „La Sylphide“. Der Amerikaner Richard Siegal, einer der innovativsten Choreografen in Deutschland, wird ein neues Werk beisteuern. Im Gespräch sei man außerdem mit Marcia Haydée und dem schwedischen Altmeister Mats Ek. Beide wollen die Compagnie aber erst kennenlernen. Die Ballette von John Cranko werden weiterhin auf dem Spielplan stehen wie auch die Arbeiten von William Forsythe
Sasha Waltz wird erst in der Spielzeit 2019/20 eine neue Kreation mit dem Staatsballett erarbeiten. „Wir sehen unsere Rolle darin, anderen Choreografen eine Plattform zu geben“, unterstreicht sie. Ausgewogenheit als Programm. Klassischer und zeitgenössischer Tanz sollen gleichberechtigt nebeneinander stehen. Es werde auch keine Zweiteilung der Compagnie geben. Waltz und Öhman sehen sich als Brückenbauer. Sie wollen die Kluft zwischen dem klassischen und zeitgenössischen Tanz schließen.
Da Noch-Intendant Nacho Duato schon im Juli 2018 aufhört, wird Johannes Öhman, derzeit Künstlerischer Direktor des Royal Swedish Ballet in Stockholm, sein Amt schon eher antreten. Im ersten Jahr wird der 49-jährige Schwede alleiniger Intendant sein, bevor dann die gemeinsame Intendanz mit Sasha Waltz beginnt. Doch er stellt klar: „Wir sind ein Team. Alle Entscheidungen werden gemeinsam abgesprochen und diskutiert.“
Die Chemie stimmt jedenfalls zwischen Waltz und Öhman, und auch ihre ästhetischen Vorstellungen scheinen sich gut zu ergänzen. Lust auf Innovation und Respekt vor der Tradition – für die beiden passt das durchaus zusammen.

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