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Brave neue Welt : US-Fernsehserien werden immer konservativer

17.08.2011 22:54 Uhrvon
Strikte Geschlechtertrennung. Auch das Märchen-Format „Once upon a time“ setzt auf traditionelle Figuren wie Schneewittchen und Prinz Charming.Bild vergrößern
Strikte Geschlechtertrennung. Auch das Märchen-Format „Once upon a time“ setzt auf traditionelle Figuren wie Schneewittchen und Prinz Charming. - Foto: promo

Nie waren US-Serien so klischeebehaftet, noch nie war der Mainstream feiger, apolitischer häuslicher: Über die verbissene Geschlechtertrennung in Film und Fernsehen und die seltenen Ausnahmen von der Regel.

Freund F. – Bankberater, Familienvater, Bruce-Willis-Fan – wurde diesen Sommer 30. Auf Empfehlung seiner Frau las er „Die Tribute von Panem“, das klügste und brutalste Jugendbuch der letzten Jahre. In dem Ort Panem müssen sich zehn- bis 17-Jährige in einer Arena gegenseitig töten, damit ihre Eltern nicht verhungern. Auch Heldin Katniss, ein pragmatisches Mädchen mit Pfeil und Bogen, wird im Lauf der 400 Seiten zur Mörderin. „Gar nicht schlecht“, freute sich der Freund. „Nur total ungewohnt: Ich habe mir noch nie beim Lesen vorstellen müssen, ich wäre ein Mädchen.“

In 25 Jahren als Fernsehzuschauer hat F. kaum 25 Filme mit weiblicher Hauptfigur gesehen.

Nur Serien wie „Grey’s Anatomy“, „Desperate Housewives“ und „The Closer“ nimmt er manchmal mit – seiner Frau zuliebe. Zwar gibt es seit Jahrzehnten eine Handvoll toller Fernseh-Heldinnen, von Emma Peel bis Buffy, von Angela Chase bis Liz Lemon. Doch seit Jahrzehnten gibt es auch: schrille Schwiegermütter, patzige Latinas, sexsüchtige Nachbarinnen, verlogene Cheerleader, naive Sekretärinnen, hinterhältige Lesben, aufbrausende Schwarze und Heerscharen von „Ludern“, „Biestern“, „Zicken“, „Drachen“, „Hexen“ und „Schlampen“.

Rassismus, Ressentiments, Prüderie und Klischees, die sich in die Frauen-Sitcoms eingeschrieben haben: Jede konventionelle Frauenfigur darin hat ein freches Dummchen oder Miststück als dramatischen Kontrast, um jede kreist ein Geschwader von Schreckgespenstern. So ist Frauen-TV heute, im Jahr 33 nach „Dallas“ und im Jahr 13 seit „Sex and the City“, zur altbackenen Formel erstarrt, mit eigener Bildsprache und starrer Ästhetik, mit Klischees und Konventionen. Es sind Erzählwelten, so klebrig und gekünstelt wie die Cupcakes von „Desperate Housewive“-Heldin Bree Van de Kamp. Stoff für die konservativen Amerikaner, für die oft schweigende weiße Mehrheit.

Sind andere Erzählarten noch denkbar? In Hollywood nicht: Judd Apatow, Regisseur von brachialen Erfolgskomödien über Männerfreundschaften, produzierte nach einem Dutzend filmischer Steaks die Komödie „Brautalarm“. Die Zukunft des gesamten Frauenfilms hängt von dieser Premiere ab, schrieb Feministin Rebecca Fraser. Zwei Jahre zuvor hatte Warner Bros. entschieden, nie wieder Filme über Superheldinnen zu wagen, als sich die „Wonder Woman“-DVD nicht schnell genug verkaufte. Auch „Mars braucht Mütter“ wollte niemand sehen – wegen des Worts „Mütter“ , wie der „Hollywood Reporter“ analysierte. Die Vulgär-Comedy „Brautalarm“ dagegen spielte wider Erwarten 250 Millionen Dollar ein und lockte besonders viele Paare und Frauen ab 30 ins Kino.

Und im Fernsehen stehen reiche, hübsch frisierte Girls in schicken Wohnungen und Häusern herum – weiß, gepflegt, manikürt. Lesen Sie weiter auf Seite 2.

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