Chefdirigenten in Berlin : Kommen und Bleiben

Das Berliner Chefdirigentenkarussell dreht sich. Einer hat jetzt verkündet, dass er bleibt: Donald Runnicles verlängert seinen Vertrag an der Deutschen Oper.

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Donald Runnicles
Donald RunniclesFoto: Imago

Es dürfte die letzten größere Amtshandlung von Kultursenator Michael Müller gewesen sein: Bevor der Regierende Bürgermeister am heutigen Donnerstag seinen bisherigen Zweitjob an den neuen Amtsinhaber Klaus Lederer von der Linken abgibt, hat er noch schnell den Vertrag von Donald Runnicles verlängert. Bis zum Sommer 2022 wird der schottische Dirigent nun auf jeden Fall Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin bleiben. So lange, wie auch sein Intendant Dietmar Schwarz sowie Thomas Fehrle als geschäftsführender Direktor dort engagiert sind.

Das bei Presseterminen stets herzerwärmend harmonisch wirkende Trio bleibt also zusammen und kann den Konsolidierungskurs in der größten Hauptstadtbühne fortführen. Mag das Team, zu dem als Chefdramaturg auch der langjährige Tagesspiegel-Kritiker Jörg Königsdorf gehört, in jüngster Zeit nicht immer ein glückliches Händchen bei der Wahl der Regisseure bewiesen hat, so ist die Stimmung im Haus doch gut wie lange nicht.

Was zu einem Großteil Donald Runnicles zu verdanken ist, der seinen Job wirklich ernst nimmt und darum nicht allein auf Premierenglanz aus ist, sondern auch viel Zeit auf die Pflege des Repertoires verwendet. Dass er bis 2022 der Deutschen Oper bleiben wird, macht ihn beim anstehenden Generationswechsel in der hauptstädtischen Musikszene zu einem Garanten der Kontinuität. Abgesehen vom Daniel Barenboim, der seiner Staatsoper in einem Bis-Dass-Der-Tod- Uns-Scheidet-Pakt verbunden ist, werden ja gerade alle Chefpositionen neu besetzt.

Danke, Donald

Beim Deutschen Symphonie-Orchester hat Tugan Sokhiev bereits seinen Abschied genommen, Marek Janowski wird das Rundfunk-Sinfonieorchester am Silvesterabend zum letzten Mal dirigieren. Beide Ensembles haben sich viel versprechende neue Maestri geangelt, doch sowohl der 33-jährige Robin Ticciati wie auch der 44-jährige Vladimir Jurowski treten ihre Ämter erst im Herbst 2017 an. Ebenfalls geklärt ist die Nachfolge von Simon Rattle, der die Philharmoniker zum Saisonende 2018 abgibt. Kirill Petrenko aber will in Berlin sogar erst ab Herbst 2019 präsent sein.

Noch auf der Suche sind die Komische Oper und das Konzerthausorchester: Während die Instrumentalisten des Musiktheaters jüngst ihren Intendanten brüskierten, als sie Barrie Koskys Favoriten Antonello Manacorda rundweg ablehnten, – und nun beweisen müssen, dass sie einen besseren Bewerber aus dem Hut zaubern können –, wurden die Musiker vom Gendarmenmarkt gerade erst mit der Entscheidung ihres verehrten Chefs Ivan Fischer konfrontiert, der seinen Posten 2018 zur Verfügung stellt, um mehr Zeit zum Komponieren zu haben.

Solche Ambitionen hat Maestro Runnicles nicht. Darum will er sich weitere sechs Jahre für die Deutsche Oper in die Riemen legen, nach dem Motto seines Landmanns Benjamin Britten, dessen „Tod in Venedig“ seine nächste Premiere sein wird: „Musik ist wie Rudern gegen den Strom. Sobald man aufhört, treibt man zurück.“ Danke, Donald.

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