Ausstellung über DDR-Comics in Gera : Digedags statt Superman

Von „Atomino“ bis zur „Reise zu den Proximanen“: Eine Ausstellung mit rund 90 Comic-Serien aus der DDR ist ab Samstag im Stadtmuseum Gera zu sehen.

Sammlerstück: Ein Original des ersten Mosaik-Heftes vom Dezember 1955.
Sammlerstück: Ein Original des ersten Mosaik-Heftes vom Dezember 1955.Foto: dpa

Präsentiert werden 300 Objekte, darunter das Mosaik-Heft Nr. 1 von Hannes Hegen sowie einige seiner großformatigen Originalzeichnungen vom Anfang der 1950er Jahre, teilte die Stadtverwaltung in Gera mit. Allein das englische Wort „Comic“ habe in den Anfangsjahren der DDR unter SED-Funktionären für enormes Unbehagen gesorgt, hieß es. Von offizieller Seite als „westdeutsche Schund- und Schmutzliteratur“ verurteilt, blieben Superman, Micky Maus und Asterix für die Jugendlichen in der DDR fast unerreichbar. Um dem Verlangen nach den bunten Bildergeschichten zu entsprechen und zugleich ein Gegenstück zu den verpönten westlichen Superhelden zu schaffen, entstand in Ostdeutschland eine ganz eigene, staatlich gelenkte Comic-Kultur.

Die seit 1955 erscheinende Zeitschrift „Mosaik“ mit den Abenteuern ihrer Helden - den Digedags und ab 1976 den Abrafaxen - sei tatsächlich zu einer Legende geworden, nicht zuletzt weil, trotz aller versuchten politischen Einflussnahme in den ersten Jahren, die Inhalte des „Mosaik“ weitgehend unpolitisch blieben, hieß es vor Ausstellungsbeginn. Dagegen wirkten die Zugpferde der Kinderzeitschrift „Atze“ - das Mäusepaar Fix und Fax - in ihren vordergründigen Propaganda-Geschichten aus heutiger Sicht eher befremdlich.

Seit Mitte der 1960er Jahre hätten sich Comic-Serien auch in den Zeitschriften „Frösi“ und „Trommel“ finden lassen. Zu Klassikern in der „Frösi“ zählten die Kurzgeschichten der ungleichen tierischen Freunde Otto und Alwin und die italienische Serie „Atomino“ über einen kleinen, atombetriebenen Roboter. Ausgerechnet in der Pionierzeitung „Trommel“ seien eine große Anzahl Comics ungarischer Herkunft erschienen, die sich deutlich an westlichen Zeichenstilen orientierten. Auch Wochenzeitschriften wie die „Neue Berliner Illustrierte“ (NBI), die „Für Dich“ oder die „Freie Welt“ boten schließlich ab den 1970er Jahren auf ihren Kinderseiten Comic-Serien an, erklärten die Ausstellungsmacher.

Die Ausstellung ist bis zum 19. Februar 2017 zu sehen.
Die Ausstellung ist bis zum 19. Februar 2017 zu sehen.Foto: Martin Schutt/dpa

Besonders stolz sind sie auf die etwa 70 präsentierten Mosaikhefte. Als Leihgaben der Staatlichen Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz seien dazu mehrere großformatige Originale von Hannes Hegen aus der Zeit ausgestellt, als dieser für die Satirezeitung „Frischer Wind“ arbeitete. Zu sehen seien aber auch weitere seltene Comic-Ausgaben, wie die erste Folge von „Fix und Fax“ im „Atze“ von 1958, die Erstveröffentlichung von Erich Schmitts „Reise zu den Proximanen“ in der „Wochenpost“ 1956 oder die erste Folge von „Atomino“ aus der „Frösi“ von 1964. (epd)

Weitere Informationen zu der Ausstellung unter diesem Link.

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