Cartoons : Der optimistische Pessimist

Mit Knollennasen wurde er weltbekannt. An diesem Sonnabend wird der Cartoonist Mordillo 80 Jahre alt - und plant einen Kinofilm in 3D-Technologie.

Ralf Isermann
Philosoph mit Zeichenstift: Mordillo in München.
Philosoph mit Zeichenstift: Mordillo in München.Foto: dpa

Mordillo wirkt durchs Bild. So etwa beim Titelbild einer derzeit in München laufenden Ausstellung seiner Cartoons: 14 männliche Artisten haben sich zu einer beeindruckenden Menschenpyramide aufgetürmt - getragen werden sie aber von einer Frau, die nebenbei noch mit einer Hand bügelt und mit einem Fuß den Kinderwagen schaukelt. Durch solch humorvolle Zeichnungen ist der gebürtige Argentinier zur Legende geworden. An diesem Samstag wird Mordillo 80 Jahre alt.

Guillermo Mordillo, so sein vollständiger Name, kam am 4. August 1932 in Buenos Aires zur Welt. Mit 16 Jahren machte er ein Zeichner-Diplom, mit 18 Jahren begann er als Zeichner in Trickfilmstudios. Die frühen Jahre seines zeichnerischen Schaffens verbrachte er in Peru und den USA, wo er an der Verfilmung der Popeye-Comics mitarbeitete. Der Mordillo, den heute so viele kennen und lieben, wurde er nach seinem Umzug nach Europa.

1963 siedelte Mordillo nach Paris über. Ein mutiger Schritt, konnte er doch nicht mal einen Brocken Französisch. Doch aus der Not gebar er eine künstlerische Tugend. „Als ich in Paris ankam, konnte ich die Sprache nicht. Also habe ich einfach ohne Text gezeichnet.“ Seine Cartoons kommen seither ohne Sprechblasen aus. Und seine Figuren sind markant durch die immer wiederkehrende Knollennase und die runden Bäuche. „Ich wollte ein Geschöpf erfinden, das geliebt werden würde. Das war alles“, erinnert sich Mordillo an die Geburtsstunde seiner Figuren.

Die ersten Cartoons erschienen ab 1966 in Frankreich, von 1968 an veröffentlichte Mordillo international. In Deutschland erschienen die Cartoons zuerst im „Stern“, ab Mitte der 70er Jahre entstanden auch Zeichentrickfilme für ARD und ZDF und von 1981 an Trickfilme für die ARD-Fernsehlotterie „Ein Platz an der Sonne“.

Einer von 1008: Auch dieser Cartoon ist derzeit in München zu sehen.
Einer von 1008: Auch dieser Cartoon ist derzeit in München zu sehen.Foto: dpa

Bis heute zeichnet Mordillo fast jeden Tag. „Das ist für mich keine Arbeit, das ist Leidenschaft.“ Und immer hört er dabei im Hintergrund klassische Musik. „Die Cartoons sind entstanden in Zusammenarbeit mit Mozart, Vivaldi, Beethoven.“ Der kleingewachsene Argentinier, der mit seiner Frau Amparo Camarasa seit 43 Jahren verheiratet ist und zwei Kinder hat, wirkt zwar topfit. Er selbst habe aber das Gefühl, dass er ein alter Mann sei. Nur zwei Sachen helfen ihm dagegen, das Zeichnen - „dabei fühle ich meinen Körper nicht“ - und Golf: „Dabei fühle ich mich zwanzig Jahre jünger.“ Als „Philosoph mit dem Zeichenstift“ bezeichnet sein Verlag den Zeichner, Fußball-Legende Pelé sagte mal, er habe beim Anblick der Bilder „ähnliche Freude empfunden wie beim Toreschießen“. Mordillo selbst sieht sich als „sehr optimistischen Pessimisten“.

In seinen bisher entstandenen 1008 Cartoons nimmt der in Monaco und auf Mallorca lebende Mordillo die Liebe, den Alltag, Sex und die Natur aufs Korn, gerne mit einer großen Portion Ironie. „Ich unterscheide nicht zwischen Mensch und Natur“, sagt Mordillo. Er nehme alles auf und transformiere es dann in seine Zeichnerwelt. So entstand das Bild eines Maurers, der aus Ziegeln einen Schornstein in Form eines Frauenpos baut, oder eine Giraffe, die durch eine nächtliche Landschaft trabt und mit dem Hals am Mond hängen bleibt.

Markenzeichen Knollennase: Ein Mordillo-Cartoon.
Markenzeichen Knollennase: Ein Mordillo-Cartoon.Illustration: Mordillo/AFP

Skurril, schlicht lustig und ohne Worte auf der ganzen Welt zu verstehen - so war bisher Mordillos Werk. Nun, nach Jahrzehnten des Erfolgs ohne Worte, wagt sich der Jubilar noch einmal an etwas Neues. Er arbeitet an einem Kinofilm in 3D-Technologie, der derzeit unter dem Arbeitstitel „Crazy Island“ entsteht. Nach Jahrzehnten des Schweigens werden seine Knollennasen-Männchen dafür das Sprechen lernen - es wird sich zeigen, ob das Mordillos' Bildern mehr Kraft gibt oder ob es sie schwächt. (AFP)

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