Comic-Bestenliste : Die besten Comics 2014 - Frauke Pfeiffers Favoriten

Welches sind die besten Comics des zu Ende gehenden Jahres? Das wollen wir von unseren Lesern und von Comic-Kritikern wissen. Heute: Comicgate-Redakteurin Frauke Pfeiffer.

Frauke Pfeiffer
Nachschub gesucht? Unsere Jury und unsere Leser hätten da ein paar Tipps.
Nachschub gesucht? Unsere Jury und unsere Leser hätten da ein paar Tipps.Foto: picture alliance / dpa

Angesichts des bevorstehenden Jahresendes haben wir unsere Leserinnen und Leser gefragt, welches für sie die besten Comics der vergangenen zwölf Monate waren. Parallel dazu ist wie bereits in den vergangenen Jahren wieder eine Fachjury gefragt worden. Sie besteht aus Anne Delseit (AnimaniA, Comix), Lutz Göllner (zitty), Volker Hamann (Reddition), Matthias Hofmann (Alfonz), Martin Jurgeit (Comix, Buchreport), Stefan Pannor (Blogger, Spiegel Online), Frauke Pfeiffer (Comicgate), Andreas Platthaus (FAZ) und Lars von Törne (Tagesspiegel).

Jedes Jurymitglied war aufgefordert, unter den im vergangenen Jahr auf Deutsch erschienen Titeln seine fünf Favoriten zu nennen, mit Punkten von eins bis fünf zu bewerten und die Auswahl kurz zu begründen. Daraus ergibt sich eine Shortlist, auf der jeder Titel mit fünf und mehr Punkten landete und über die die Jury jetzt abgestimmt hat - hier das Ergebnis.

Hier dokumentieren wir die Favoriten von Frauke Pfeiffer, Mitglied der Chefredaktion des Online-Fachmagazins "Comicgate":

Platz 5
Glyn Dillon: Das Nao in Brown
Egmont
Dieser Comic macht es einem nicht einfach. Wild springen die Gedanken der Illustratorin Nao in ihrem Leben durcheinander, und so springt mitunter auch die Erzählstruktur. Egal ob bei ihrem Job in einem Nerdkramladen, in Gesprächen mit ihrem Chef und gutem Freund Steve oder im buddhistischen Zentrum: Sie sieht sich im Alltag immer wieder Situationen ausgeliefert, mit denen sie nicht umzugehen weiß. Wir schauen ihr beim Verlieben zu und sind oft ihrem Verhalten gegenüber so hilflos wie sie ihrem Leben. Glyn Dillon erschafft dabei mittels alltäglicher Szenen und herrlich lebendiger Zeichnungen einen bemerkenswerten Realismus. Es fällt nicht leicht, Nao zu mögen; aber dieses Zweifeln, das fühlt sich sehr echt an.

Frauke Pfeiffer.
Frauke Pfeiffer.Foto: Privat

Platz 4
Mawil: Kinderland
Reprodukt
Als Westkind ohne wirklichen Bezug zur DDR stellte ich mir in den 80er Jahren West-Berlin wie eine deutsche Insel in einem fremden Land vor. Umso spannender, wenn jemand aus demselben Jahrgang einen Comic über die letzten Tage der DDR vor Grenzöffnung macht – als Rahmenhandlung für sein eigenes Aufwachsen im Sozialismus. Und nicht überraschend unterscheidet sich dieses in den wichtigen Dingen wie Aufrufen im Sportunterricht und nervige Mitschüler, denen man es beweisen will, nur sehr wenig von der eigenen Kindheit. Nur wenn bei der Mutter des neuen Klassenkameraden das Parteibuch fehlt und dieser die mehr oder weniger subtilen Konsequenzen zu spüren bekommt, wenn die eigenen Eltern und deren Freunde abends konspirativ im Wohnzimmer tuscheln, dann fühlt’s sich an wie ein etwas unwohles Verschieben der eigenen Realität. Kinderland ist ein persönlicher, nahbarer Comic über Ängste, Prioritäten und das Erlangen des beruhigenden Wissens: Man kommt klar. Übrigens auch sehr zu empfehlen für Tischtennisfans.

Platz 3:
"Gung Ho" von Thomas von Kummant und Benjamin von Eckartsberg
Cross Cult
Dass ein deutscher Comicverlag die Serie eines deutschen Künstlerduos als Lizenzprodukt herausbringt, ist eine interessante, sehr ungewöhnliche Konstellation auf dem hiesigen Comicmarkt. Es sagt schon einiges über "Gung Ho" aus, dass dessen Chancen von seinem Schweizer Verleger auf dem viel umkämpften frankobelgischen Markt derart hoch gesehen wird. Die dystopische Welt, entwickelt von Benjamin von Eckartsberg, wird augenschmeichelnd und mit eher ungewöhnlichen Techniken wie dem Einfügen von Texturen von Thomas von Kummant umgesetzt. Wie schon bei "Die Chronik der Unsterblichen" haben die beiden ein hervorragendes Händchen für stimmungsvolle Settings. "Gung Ho" will einem nicht die Welt erklären, sondern unterhalten. Und das macht es überzeugend und sehr, sehr ansprechend.

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