Comic-Blog : Zwischen Nutella, Blind Dates und Roboterelefanten

Sarah Burrinis Internet-Strip „Das Leben ist kein Ponyhof“ gehört zum Besten, was der autobiografisch geprägte Humorcomic in letzter Zeit hervorgebracht hat. Jetzt gibt es einen Sammelband.

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Voll das Leben: Eine Szene aus Sarah Burrinis Strip „Das Leben ist kein Ponyhof“. Foto: Burrini/Zwerchfell
Voll das Leben: Eine Szene aus Sarah Burrinis Strip „Das Leben ist kein Ponyhof“.Foto: Burrini/Zwerchfell

Wenn die Fantasie mit ihr besonders wild durchgeht, springt in Sarah Burrinis Comicuniversum schon mal die Logikpolizei ein. Das müsste zwar streng genommen in fast jedem Strip der Kölner Zeichnerin der Fall sein, denn immerhin gehören ein sprechender Pilz, ein Pony mit Neigung zum Sadomasochismus und ein künstlerisch begabter Elefant zu den ständigen Begleitern der Ich-Erzählerin. Aber daran hat man sich als Leser schon nach wenigen Episoden gewöhnt.

Das ist die große Kunst von Sarah Burrini, die in ihrer Verbindung von jugendlich wirkender Fantasie und erwachsenem Reflektionsvermögen an Calvin-und-Hobbes-Zeichner Bill Watterson erinnert, bei dem man ja auch nichts Ungewöhnliches daran fand, dass sein jugendliche Hauptfigur stets in Begleitung eines sprechenden Tigers unterwegs war.

Witz, Wahnsinn, Wahrheit

Seit gut zwei Jahren veröffentlicht Burrini auf ihrer Website www.sarahburrini.com regelmäßig neue Folgen. Im jetzt bei Zwerchfell erschienen Sammelband kann man sich nun auch offline davon überzeugen, von welcher bemerkenswert hohen Qualität ihr Werk von Anfang an war.

Mit makellosen, klaren Zeichnungen voller spielerischer Reflexionen über die Grenzen und Möglichkeiten des Mediums Comic entwirft die Autorin und Illustratorin Dialoge und Minidramen, die vor Bezügen zum realen Leben und zur Popkultur strotzen – und die neben meist treffsicheren Pointen jede Menge Lebensweisheit in leicht konsumierbaren Dosen enthalten.

Stolze Sammlung: Das Cover des Sammelbandes. Foto: Zwerchfell
Stolze Sammlung: Das Cover des Sammelbandes.Foto: Zwerchfell

So, wenn sie über Beziehungen und das Älterwerden reflektiert, von Blind-Date-Fiaskos ihres gezeichneten Alter Egos berichtet, von ihrer Nutella-Sucht oder ihrem Schicksal als Freiberuflerin.

Dass sich in diesen Erzählfluss aber auch Ereignisse wie ein Roboterelefanten-Kampf und eine Tierbefreiung aus dem Zoo fast nahtlos einfügen, zeigt ihre außergewöhnliche Begabung, Witz, Wahnsinn und Wahrheit zu einer ganz besonderen Mischung zu verweben.   

Sarah Burrini: Das Leben ist kein Ponyhof, Zwerchfell, 92 Seiten, 14,80 Euro

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