Comic-Jubiläum : Der König unter den Prinzen

Abenteuerlich konstruiert, präzise gezeichnet und auch in hohem Alter noch sehr vital: Hal Fosters Comic-Saga „Prinz Eisenherz“ wird 75.

von
Zeitlos: Eine Szene aus der Neuausgabe der Reihe.
Zeitlos: Eine Szene aus der Neuausgabe der Reihe.Foto: Bocola, (c) King Features Syndicate, Inc. / Distr. Bulls

Vor genau 75 Jahren erschien die erste Folge von „Prinz Eisenherz“, einem der größten und beliebtesten Comic-Epen aller Zeiten. Dabei hätte der ritterliche Prinz von Thule beinahe nie das Licht der Welt erblickt: Sein Schöpfer, der 1892 im kanadischen Halifax geborene Harold „Hal“ Foster, liebäugelte zwischenzeitlich nämlich mit einem Lebensweg als Jagdbegleiter und Goldschürfer. Am Ende entschied er sich jedoch für eine Karriere als Werbe- und Comiczeichner in den USA und setzte u. a. die Abenteuer von Tarzan um.

Am 13. Februar 1937 debütierte schließlich Fosters eigene Schöpfung Prinz Eisenherz erstmals auf den farbigen Comic-Sonntagsseiten der amerikanischen Zeitungen. Foster hatte den Start seines Strips über drei Jahre und mit unzähligen Stunden Recherche vorbereitet. Kein Wunder, dass Fosters Akribie neben seinem enormen Zeichentalent rasch eines der herausstechenden Merkmale von „Prinz Eisenherz“ wurde. Genug Raum für all die Details gab es damals ja noch, bevor die Comicseiten immer mehr Platz abgeben mussten. Seine im Original geradezu gewaltigen Zeichenbögen boten Foster ausreichend Gestaltungsfläche, zumal der detailversessene Meister gänzlich auf Sprech- und Gedankenblasen verzichtete und Erzähltext und Dialog frei nach Wilhelm Busch einfach unter oder neben seine Bilder setzte.

Die Serie läuft bis heute

Bei aller Liebe zum Detail war Fosters Mittelalterdarstellung allerdings so etwas wie das dichterische Äquivalent zur zusammengeklaubten Rüstung eines Raubritters. Eisenherz’ Chronist schöpfte aus diversen historischen und mythologischen Quellen, um seinen Lesern genau das idealisierte Pseudomittelalter zu kredenzen, das diese sich erhofften. Sie wollten einen König Artus in strahlender Rüstung und mit edler Tafelrunde sehen, und keinen in Bärenfälle gehüllten Stammesfürsten, der über die Überreste dessen herrscht, was die Römer zurückgelassen hatten. Das historische Gesamtbild in „Prince Valiant“, wie der Strip im Original heißt, war also schon immer eine ziemlich abenteuerliche Konstruktion – die exakte Darstellung der mittelalterlichen Lebensgewohnheiten und Requisiten wurde davon jedoch nicht beeinflusst, Fosters Präzision keinen Deut geschmälert.

Auch beschränkte Foster sich nicht auf die Kulisse, die ihm Britannien um das Jahr 500 bot. Eisenherz und Co. gingen in der bis zum heutigen Tag fortlaufenden Endlosserie oft auf große Fahrt und bereisten das von den Hunnen unterjochte Europa, Rom, Asien, Amerika und natürlich die Nebelinseln. Dort sollte der junge Eisenherz Aleta kennenlernen, seine spätere Königin und Mutter seiner Kinder, deren Abenteuerlust dem Vater in nichts nachsteht.

Nachdem er bis 1970 über 1700 Sonntagsseiten geschrieben und gezeichnet hatte, suchte der gesundheitlich angeschlagene Comic-Titan einen Nachfolger. Er fand ihn in John Cullen Murphy, der die weiterhin von Foster getextete Serie ab 1971 als Reinzeichner und ab 1980 als alleinverantwortlicher Künstler übernahm. Foster starb am 25. Juli 1982 im Alter von 89 Jahren - tragischerweise ohne sich daran erinnern zu können, einen Comic-Meilenstein geschaffen zu haben.

35 Millionen Leser in mehr 300 Zeitungen

Erneut überdauerte die Schöpfung jedoch ihren Schöpfer, so wie Foster bis heute zahlreiche Comic-Künstler inspiriert hat. Bereits als Foster sich ganz zurückgezogen hatte, holte Murphy seinen ältesten Sohn Cullen ins Boot, der die sonntäglichen Episoden bis 2004 schrieb. Nach dem Tod von Murphy Sr. übernahm wiederum der hoch talentierte Zeichner Gary Gianni, seit November desselben Jahres unterstützt von Mark Schultz, der sich u. a. als Autor von „Superman“ und Illustrator von „Conan“ einen Namen gemacht hat. Ungeachtet der Qualität wird ihre Arbeit von manch einem Langzeit-Fan kritisch beäugt, da die beiden massiv von Hal Foster beeinflussten Künstler der nächsten Generation einen üppigen fantastischen Einschlag in Eisenherz’ Welt gebracht haben.

Weltweit vorbildlich: Der Bonner Bocola-Verlag veröffentlicht derzeit die beste Gesamtausgabe der Reihe.
Weltweit vorbildlich: Der Bonner Bocola-Verlag veröffentlicht derzeit die beste Gesamtausgabe der Reihe.Foto: Promo

Trotzdem folgen den neuen Abenteuern allein in den USA noch immer 35 Millionen Menschen in mehr als 300 Zeitungen. Zudem gab es schon vor Gianni und Schultz eigenwillige Annäherungen an den 1954 erstmals verfilmten Stoff. Etwa die Eichinger-Produktion mit der jungen Katherine Heigl von 1997; oder eine vierteilige Miniserie beim Superhelden-Giganten Marvel Mitte der 90er, in der ein gealterter Eisenherz mit Excalibur in den Trümmern des einstigen Ideals von Camelot herumstocherte.

In Trümmern liegen wird die auch nach 75 Jahren noch äußerst vitale Legende des Prinzen von Thule und späteren Regenten von Camelot wohl nie. Dafür haben Eisenherz und Hal Foster zu tiefe Spuren in der Comic-Landschaft hinterlassen – und am Ende auch schlichtweg zu viele Fans, die sich im Deutschen nun schon seit 2006 an der weltweit vorbildlichsten „Prinz Eisenherz“-Werkausgabe des Bonner Bocola Verlags erfreuen dürfen.

In diesem Sinne: Lang lebe der Prinz!

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben