Comic-Klassiker : Kleine Fluchten aus dem Alltag

Mythos „Mosaik“: Eine Leipziger Ausstellung, die am 19. Februar eröffnet wird, begibt sich auf die Spuren der in der DDR heiß begehrten Comic-Hefte.

Birgit Zimmermann
Der Comicautor und geistige Vater der Abrafaxe, Lothar Dräger, mit den Mosaikheften Nr. 1 und Nr. 400.
Der Comicautor und geistige Vater der Abrafaxe, Lothar Dräger, mit den Mosaikheften Nr. 1 und Nr. 400.Foto: Peter Endig, ZB Funkregio Ost

Wenn er über den DDR-Comic „Mosaik“ spricht, gerät Rainer Eckert fast ins Schwärmen. „Ich habe alle Hefte gesammelt, vom ersten angefangen“, sagt der Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums in Leipzig. „Mosaik“ habe ihn - wie Millionen andere Ostdeutsche - fasziniert. Mit dem „Mythos Mosaik“ beschäftigt sich demnächst die wohl größte Ausstellung, die es bisher zu dem legendären Comic gab.

Vom 17. Februar an ist im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig die Schau „Dig, Dag, Digedag - DDR-Comic «Mosaik«“ zu sehen. Die Ausstellungsmacher konnten sich aus einem bislang weitgehend unerforschten Fundus bedienen. „Mosaik“-Erfinder Johannes Hegenbarth alias Hannes Hegen hat dem Forum 2009 sein Archiv übergeben. Tausende Zeichnungen, Skizzen und Entwürfe werden seither in Leipzig wissenschaftlich aufbereitet - und fließen in die neue Ausstellung ein. „Das ist ein Schatz, den wir nicht nur erhalten und bewahren, sondern auch präsentieren wollen“, sagt Projektleiterin Kornelia Lobmeier. In der Ausstellung würden viele Originalzeichnungen gezeigt.

Eine nicht ganz verheilte Wunde

Der Fokus liegt auf den frühen „Mosaik“-Jahren. 20 Jahre lang, von 1955 bis 1975, erkundeten die drei kleinen Helden Dig, Dag und Digedag die Welt. Sie reisten nach Amerika, in den Weltraum, tummelten sich mit Ritter Runkel in vergangenen Zeiten - und ermöglichten den DDR-Bürgern kleine Fluchten aus dem Alltag. Dann kam es zum Bruch zwischen Hannes Hegen und dem FDJ-Verlag Junge Welt in Berlin. Die Digedags verschwanden und wurden von den Abrafaxen abgelöst.

„Das ist für Hannes Hegen bis heute eine nicht ganz verheilte Wunde, zumal ein Teil seines Stabes damals weitergemacht hat“, sagt Direktor Eckert. Der inzwischen 86-jährige Hegen habe reges Interesse an der Leipziger Schau gezeigt, eventuell werde der in Berlin lebende Grafiker die Ausstellung auch besuchen.

Doch passen die bunten „Mosaik“-Comics überhaupt ins Zeitgeschichtliche Forum, das die Aufarbeitung der DDR-Diktatur als Hauptthema hat? „Die Diktatur ohne den Alltag zu erklären, wird an der Wahrheit vorbeigehen“, sagt Eckert. Das monatliche Anstehen am Kiosk, um eines der begehrten „Mosaik“-Hefte zu ergattern, gehörte für unzählige DDR-Kinder dazu. „Es geht uns nicht darum, nur die Hefte an die Wand zu bringen“, erläutert Projektleiterin Lobmeier.

Wir wollen zeigen: Was konnte, was wollte man zeigen in so einem Comic, der eine Sonderrolle einnahm in der DDR.“ Ein kleiner Teil der Digedags-Ausstellung widmet sich den Abrafaxen, die bis heute Abenteuer im „Mosaik“ erleben. Verlegt werden die Reise-Geschichten von Abrax, Brabax und Califax im Berliner Verlag Steinchen für Steinchen, in einer Druckauflage von knapp über 100.000, wie Sprecher Robert Löffler sagt. Die Auflage sei seit Jahren stabil. „Wir haben eine ganz treue Leserschaft.“ Etwa ein Drittel der Abonnenten lebe im Westen Deutschlands. Die Berliner steuerten ebenfalls ein paar Ausstellungstücke für die Digedags-Schau bei - darunter das Kündigungsschreiben, das „Mosaik“-Erfinder Hegen seinerzeit an den Junge-Welt-Verlag geschickt hatte. (dpa)

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