Comicverfilmung : Menschen im Morast

An diesen Filmstart knüpfen Comicfans so viele Hoffnungen und Befürchtungen wie kaum je zuvor. Kommende Woche kommt Zack Snyders„Watchmen - Die Wächter“ auch bei uns ins Kino. Hier ein erster Blick auf den Film.

Wolf von Dewitz
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Superhelden haben den Lauf der Weltgeschichte verändert: Den Vietnamkrieg haben sie für die USA gewonnen, die Blumen der Hippies in den Gewehrläufen der Soldaten pulverisiert und Fidel Castro das Fürchten gelehrt. Die Comic-Verfilmung „Watchmen - Die Wächter“ zeigt ein fiktives Amerika im Jahr 1985. Richard Nixon ist immer noch Präsident. Er träumt im Kalten Krieg vom atomaren Erstschlag, „der zu 54 Prozent Erfolg haben wird“, wie ihn seine Generäle vertrauensvoll empfehlen. Dann werden die Superhelden in den Ruhestand geschickt - und einer von ihnen wird ermordet. Die Lösung dieses Kriminalfalles wird zum 162 Minuten langen Endzeit-Thriller, der am 5. März auch bei uns in die Kinos kommt.

Regisseur Zack Snyder setzte mit seinem martialischen Kassenerfolg „300“ neue Maßstäbe für Comic-Verfilmungen. Er inszenierte die antike Schlacht um die Thermopylen mal in Zeitlupe, mal rasend schnell. Die Kamera folgte Speeren und Schwertern, die auf menschliche Körper stürzten. Die Bilder waren eine Mischung aus Realem und Comic-Welten. Die einen fanden den Blutrausch abstoßend, andere staunten über die Bildästhetik. Auch Snyders neues Werk wird wohl kontrovers aufgenommen werden.

Denn wie „300“ ist „Watchmen“ abstoßend brutal: In der Nahaufnahme zerbrechen Beine und Arme, Köpfe werden mit dem Hackbeil zu Brei gemacht und schwangere Frauen mitleidslos erschossen. „Die Welt ist ein Morast, und die Menschen sind schon bis zum Hals versunken“, weiß der Superheld Rorschach (Jackie Earle Haley) zynisch zu berichten. Um den Eskapaden der verlotterten Elitekämpfer Einhalt zu gebieten, hat die Regierung ihre Dienste aufgekündigt. Erst als im Atomkrieg zwischen den USA und der Sowjetunion der Weltuntergang droht, ruhen die Hoffnungen wieder auf ihnen. Doch da hat die einst so glorreiche Gruppe längst ein unheilvolles Eigenleben entwickelt.

Patrick Wilson („Lakeview Terrace“) und Malin Akerman („Nach 7 Tagen - Ausgeflittert“) spielen ein Heldenpärchen, dessen Liebesspiel auf dem heimischen Sofa nicht in Schwung kommen will. Erst nach einem heroischen Rettungseinsatz in einem brennenden Haus springt der amouröse Funke über. Der Soundtrack untermalt die Szenen grotesk.

Während ein saufender „Held außer Diensten“ in einem anonymen Hotelzimmer verendet, wird Nat King Coles Lied „Unforgettable“ eingespielt. Und Nena trällert im Weltuntergangschaos ihre pazifistischen „99 Luftballons“. Vor vier Jahren schaffte es die 1986 publizierte Buchvorlage „Watchmen“ in die „Time“-Magazin-Liste der 100 wichtigsten englischsprachigen Romane seit 1923 - und das als einziger Comicroman. Die „Time“ lobte an dem Buch „den psychologischen Realismus, die überkreuzenden Handlungsstränge und großartigen Kino-Bilder mit wiederkehrenden Motiven“.

Das Buch war also wie gemacht für die Leinwand. Regisseur Snyder gelingt es, die Faszination an dem originellen und erstaunlich komplexen Comic-Stoff auf der Leinwand zu erhalten. In Rückblenden stellt er die Figuren vor und lässt einen seiner Helden über das Wesen der Menschheit sinnieren. Der amerikanische Filmemacher beschleunigt das Erzähltempo, friert die Bilder dann plötzlich ein - und führt dem Zuschauer jedes Detail vor. Erneut bringt Snyder das Kunststück fertig, einem Hollywood-Produkt mit glänzenden Bildkompositionen und einem packenden Plot seine eigene Handschrift aufzudrücken.

Hinweis: Kommende Woche starten wir auf den Comicseiten des Tagesspiegels ein "Watchmen"-Special - mit Analysen zum Buch, Interviews mit Regisseur Zack Snyder und "Watchmen"-Zeichner Dave Gibbons sowie Verlosungen von Fan-Paketen.

Mehr zum Film findet man auch unter 
www.watchmen-film.de
 dpa

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