„Die Diebe von Karthago“ : Jenseits von Gallien

Mit „Die Diebe von Karthago“ haben Apollo und Hervé Tanquerelle einen herausragenden Antihelden-Comic voller Witz und Gewalt geschaffen.

Christian Endres
Der Anti-Asterix: Eine Szene aus dem besprochenen Album.
Der Anti-Asterix: Eine Szene aus dem besprochenen Album.Foto: Avant

Karthago zur Zeit des dritten Punischen Krieges, also knapp 150 Jahre vor Christi Geburt. Die Tage, als Hannibal den nordafrikanischen Stadtstaat verließ, mit Soldaten und Elefanten die Alpen überquerte und dem römischen Feldherren Publius Cornelius Scipio das Leben schwer machte, sind vorbei. Inzwischen belagert Scipio mit seinen Truppen Karthago, und es sieht schlecht aus für die Punier und ihre Metropole. Das urbane Herz der einstigen See- und Handelsmacht steht kurz davor, von den Legionen Roms eingenommen zu werden.

Das ist die Ausgangssituation des Comic-Abenteuers „Die Diebe von Karthago“, in dem die schöne Diebin Tara nach Karthago unterwegs ist. Als ihre Karawane angegriffen wird, fällt sie zwei verkommenen Söldnern in die Hände, die sie verkaufen wollen. Doch es gelingt der Diebin, den Gallier Horodamus und den Numider Berkan von ihrem Plan zu überzeugen, zusammen mit ihr und zwei Komplizen einen Tempel um seinen Schatz zu erleichtern in der umzingelten Stadt, die jeden Tag von den Römern gestürmt werden könnte.

Diese Mischung sollte man schon vertragen können

Während das ausgezehrte, heftig bedrängte Karthago nach und nach im Chaos versinkt, fällt es den beiden glücklosen Söldnern und ihren diebischen Mitstreitern immer schwerer, die Beute im Blick und den Kopf auf dem Hals zu behalten...

Autor Apollo, 1969 als Olivier Appollodorus in Karthago in Tunesien geboren, inszenierte mit „Die Diebe von Karthago“ ein herrliches historisches Abenteuer in der antiken Vergangenheit seiner Heimat. Der Humor ist für die Geschichte dabei genauso wichtig wie die Härte, Derbheit und Brutalität. Diese Mischung sollte man schon vertragen können. „Die Diebe von Karthago“ möchte keine nette Sandalen-Komödie sein, sondern ein böser Antihelden-Comic, bei dessen Lektüre man Blut und Sand schmeckt. Hervé Tanquerelle, Zeichner von u. a. Joann Sfars Serie „Professor Bell“, hat das in passenden Bildern eingefangen, die sehr von Isabelle Merlets stimmungsvollen Farben profitieren.

Keine nette Sandalen-Komödie: Das Buchcover.
Keine nette Sandalen-Komödie: Das Buchcover.Foto: Avant

Die jetzt veröffentlichte deutsche Ausgabe aus dem Berliner Avant-Verlag vereint beide französische Original-Alben und ist mit dem unausweichlichen Ende – dem Untergang Karthagos – abgeschlossen. Ob in diesem Jahr noch ein besseres Comic-Abenteuer vor altertümlicher Kulisse erscheint, wird sich zeigen. Denn am 22. Oktober feiert das neue Asterix-Album Premiere – das ist allerdings bezüglich historischer Stoffe so, als würde man Gallien mit Karthago vergleichen.

Apollo und Hervé Tanquerelle: Die Diebe von Karthago, 112 Seiten, 24,95 Euro, Leseprobe auf der Website des Verlages.

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