Internet-Portal Comic.de : Neues Leben auf alten Seiten

Einst war die Website comic.de das führende Fachportal der deutschsprachigen Szene, dann lag sie lange brach. Jetzt gibt es einen neuen Eigentümer, der das ändern will.

Martin Jurgeit
Platzhalter. So sieht es momentan auf der Website aus, Anfang kommenden Jahres soll sie wieder belebt werden.
Platzhalter. So sieht es momentan auf der Website aus, Anfang kommenden Jahres soll sie wieder belebt werden.Foto: Comic.de

Nach 13 Jahren Online-Präsenz ist der Domain-Name „comic.de“ Mitte des Monats von comicplus+-Verleger Eckart Sackmann an Peter Poluda verkauft worden, den Inhaber des Fachhandelsvertriebs PPM. Erstmals online war die Website mit der Adresse www.comic.de Ende 1998 gegangen. Den attraktiven Namen konnte sich der Verleger und Autor Eckart Sackmann („Deutsche Comicforschung“) sichern, da der vorherige Inhaber keine eigenen Pläne mit der Domain hatte und zu deren Verkauf bereit war. Somit hatte Sackmann elegant die Problem mit der Auffindbarkeit im Netz umschifft, die wohl die Onlinepräsenz seines Magazins „RRAAH!“ unter dem eigenen, kompliziert geschriebenen Namen unweigerlich gehabt hätte.

Für drei Jahre fand man nun unter comic.de erst einmal „RRAAH! Online“. Doch 2001 firmierte dann die ganze Website unter comic.de, was mit der Einstellung des Printmagazins mit Nummer 57 zusammenhing. Hierzu schrieb Chefredakteur Sackmann im letzten Editorial: „RRAAH! ist nicht tot. Es wird weiterleben in einer anderen, möglicherweise zeitgemäßeren Form“ – nämlich im Internet.

„Es war nicht gerade billig, aber der Name war es mir wert“

Sackmann baute in den nächsten Jahren comic.de zum zeitweilig führenden Comic-Portale aus, das neben News vor allem für umfangreiche Reportagen von Festivals bekannt war, aber etwa auch einen Bereich mit Comic-Kleinanzeigen aufwies, bevor es für solche Angebote spezialisierte Websites gab.

Wie alles anfing: Ein Screenshot aus der Anfangszeit der Website.
Wie alles anfing: Ein Screenshot aus der Anfangszeit der Website.Foto: Comic.de

Unterstützt wurde Sackmann bei der Arbeit an comic.de vor allem von Andreas Dierks, den er 1998 auf dem Internationalen Comic-Salon Erlangen kennengelernt hatte. Dierks war dort an der ersten Internet-Präsentation auf dem Comic-Salon beteiligt und dann entscheidend dafür verantwortlich, dass innerhalb weniger Monate "RRAAH! Online" unter der Adresse www.comic.de ins Internet gestellt wurde.

In den letzten Jahren konnte sich Dierks aber aus beruflichen Gründen immer weniger um comic.de kümmern. Auch deshalb hat sich Sackmann jetzt zum Verkauf der Domain entschlossen, denn er selbst habe einfach nicht mehr „die Muße, sich ausreichend um comic.de zu kümmern“, wie er dem Tagesspiegel mitteilte.

Bei Peter Poluda sieht er comic.de in guten Händen, weil dieser die erworbene Domain dazu nutzen möchte, mit Partnern ein verlagsübergreifendes Informationsportal für die ganze Comic-Szene aufzubauen. Zum Kaufpreis teilt Poluda mit: „Es war nicht gerade billig, aber der Name war es mir wert.“ Im Gespräch mit dem Tagesspiegel lässt Poluda erkennen, dass er sich von der Grundausrichtung der neuen comic.de-Website etwas vorstellen könnte wie die von mehreren Comicverlagen betriebene Seite graphic-novel.info – nur mit dem Schwerpunkt auf mehr „klassischen“ Comics.

Abgeschaltet: So sah die Seite bis vor kurzem aus.
Abgeschaltet: So sah die Seite bis vor kurzem aus.Foto: Comic.de

Das würde zu dem von ihm geführten Peter Poluda Medienvertrieb in Barntrup passen, der fast alle Alben-Programme jenseits der großen Buchhandelsverlage Carlsen und Egmont im Portfolio führt und im letzten Jahrzehnt insbesondere über die von ihm betreuten Häuser Splitter und Cross Cult zum Marktführer unter den Comic-Fachhandelsvertrieben aufgestiegen ist. Über ein attraktives Info-Angebot auf comic.de – kein anderer Name dürfte derart prädestiniert sein als zentraler Anlaufpunkt im Internet – hofft er so ganz allgemein der Comic-Szene dringend notwendige Impulse zu geben, was dann natürlich auch seinem Vertriebsgeschäft nutzen dürfte.

Erste detailliertere Informationen zum Inhalt des neuen Portals soll es Mitte Januar geben. Zudem gibt es auf der vorübergehend weißen Seite schon einen Platzhalter mit dem Slogan „Comic! Mehr als 100.000 Worte!!!“ sowie sechs Comic-Bilder, die eine Ahnung davon vermitteln, was hier bald nachfolgt. Aber auch die alten Inhalte von comic.de sind nicht komplett im Nirwana des World Wide Web verschwunden. Eckart Sackmann baut einiges wieder in seiner Seite www.patrimonium.de ein. Gerade die interessanten Bildberichte von Ausstellungen und Messen sollen hier nach und nach eine neue Heimat finden.  

 

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