Karikaturenstreit : Micky empört Islamisten

Ein Ägyptischer Milliardär soll wegen Islam-Beleidigung vor Gericht - Anlass ist eine Micky-Maus-Karikatur.

Schmerzgrenze: Islamisten sehen sich durch die Micky-Maus-Karikatur beleidigt, wie dieses Transparent in Kairo zeigt, dass zum Boykott des Mobilfunk-Betreibers Mobinil aufruft.
Schmerzgrenze: Islamisten sehen sich durch die Micky-Maus-Karikatur beleidigt, wie dieses Transparent in Kairo zeigt, dass zum...Foto: AFP

Der ägyptische Milliardär und Politiker Naguib Sawiris soll wegen einer Karikatur vor Gericht gestellt werden, die angeblich den Islam beleidigt. Das regierungsnahe ägyptische Nachrichtenportal „Ahram Online“ meldete jetzt, die Staatsanwaltschaft habe den Fall dem Strafgericht des Kairoer Bezirks Bulak Abu al-Ela übergeben. Sawiris ist koptischer Christ und Gründer der liberalen Partei der Freien Ägypter. Ein islamistischer Anwalt hatte ihn angezeigt wegen Blasphemie und „Beleidigung des Islam“.

Im vergangenen Sommer hatte der Mobilfunk-Magnat über den Kurznachrichtendienst Twitter eine Karikatur verbreitet, auf der die Comic-Figur Micky Maus mit langem Bart und dem Gewand der radikal-islamischen Salafisten zu sehen ist. Neben dem Islamisten-Micky steht seine Gefährtin Minni Maus, die einen schwarzen Gesichtsschleier trägt.

Die Angehörigen der Islamisten-Parteien beschimpften Sawiris daraufhin und riefen zum Boykott des Mobilfunk-Betreibers Mobinil auf. Sawaris hatte später zwar erklärt, er bedauere, dass sich einige Muslime durch die Karikatur beleidigt gefühlt hätten. Die Salafisten-Bewegung lehnte seine Entschuldigung jedoch ab.

Für liberale Ägypter ist der Fall ein Gradmesser für die Meinungsfreiheit im Ägypten nach dem Sturz von Präsident Husni Mubarak. Sie argumentieren zudem, es sei falsch, die Salafisten - über die sich der Karikaturist lustig macht - mit dem Islam gleichzusetzen. Die größte Partei der Salafisten - die Partei des Lichts - hatte bei der ersten Parlamentswahl seit dem Abgang von Mubarak im vergangenen Februar etwa 20 Prozent der Stimmen erhalten und damit deutlich besser abgeschnitten als das Wahlbündnis von Sawiris. (dpa)

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