Krimi-Comic „Green Manor“ : Mörderisch gute Pointen

Tödliche Kunst: Die Gesamtausgabe der Comicreihe „Green Manor“ ist ein Vergnügen für Fans viktorianischer Krimi-Kost.

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In der Tradition von Sir Arthur Conan Doyle: Eine Seite aus dem besprochenen Band.
In der Tradition von Sir Arthur Conan Doyle: Eine Seite aus dem besprochenen Band.Foto: Piredda

Der Green Manor’s Club im viktorianischen London des späten 19. Jahrhunderts ist ein ganz besonderer Herren-Club, in dem sich alles um die Faszination Mord dreht. Zu den Mitgliedern zählen allerhand gut betuchte Gentlemen aus der englischen Oberklasse, dazu kommen der eine oder andere Inspektor von Scotland Yard und sogar ein Richter – und mehr als ein Mörder. Denn die gut situierten Anzugträger geben in ihrem gemütlichen Club nicht nur Geschichten über erstaunliche Mordfälle zum Besten, sondern schreiten auch schon mal eigenhändig zur Tat.

Um zu ermitteln, um ihre Philosophie der mörderischen Kunst zu untermauern, oder um jemandem das Leben zu rauben, sei es ihren Mitmenschen, anderen Club-Mitgliedern oder in einem Fall niemand Geringerem als Sir Arthur Conan Doyle, dem Erfinder von Sherlock Holmes und Dr. Watson, dessen Geist über allen Geschichten in der vor Kurzem erschienenen „Green Manor Gesamtausgabe“ aus dem Berliner Piredda-Verlag schwebt.

Ein Mord unter Mathematikern und Reisen durch die Zeit

Eines haben die gut konstruierten Kurzgeschichten neben ihrer überzeugenden historischen Atmosphäre und ihrem schönen, detailreichen Artwork dabei alle gemein: hervorragende Pointen. Selbst begeisterte Anhänger von Conan Doyles literarischem Holmes-Kanon oder dessen modernen Varianten in den TV-Serien „Sherlock“ oder „Elementary“ werden hier überrascht und begeistert.

Als Holmes und Watson hinter den stimmungsvoll-stimmigen Krimi-Happen fungieren der 1972 im französischen Mont-de-Marsan geborene Szenerist Fabien Vehlmann („Spirou & Fantasio“) und der 1962 im belgischen Namur geborene Zeichner Denis Bodart („Nelly Nikotin“). Ursprünglich erschienen die Geschichten ab 1998 im frankobelgischen Comic-Magazin „Spirou“. Auf Deutsch wurden sie ab 2003 zunächst in der Zeitschrift „Zack“ publiziert, ehe sie in drei Alben und einem Gratis-Comic-Tag-Heftchen nachgedruckt wurden.

Komplet: Das Cover der Green-Manor-Gesamtausgabe.
Komplet: Das Cover der Green-Manor-Gesamtausgabe.Foto: Piredda

Die neue Piredda-Gesamtausgabe enthält in einem einzelnen Hardcover jetzt alle bekannten Episoden, die Rahmenhandlung um einen verrückt gewordenen Butler des Clubs und einen Psychiater, und obendrein zwei neue Kurzgeschichten in deutscher Erstveröffentlichung. Einmal geht es um einen Mord unter Mathematikern, einmal um Zeitreisen, die dank H. G. Wells ja früh in Mode waren. Abgerundet wird der Komplettband durch einen Anhang mit interessanten Skizzen und verworfenen Panels.

Eine solchen Sammelband haben die starken Storys aus dem Green Manor’s Club, die ein Vergnügen für Fans viktorianischer Krimi-Kost darstellen, definitiv verdient. Um es mal mit den Worten eines Kenners zu sagen: Ausgezeichnet, mein lieber Watson!

Fabien Vehlmann (Szenario) und Denis Bodart (Zeichnungen): Green Manor Gesamtausgabe. Piredda, 192 Seiten, 39,95 Euro.

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