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Leseraktion : Die besten Comics 2014 - was unsere Leser empfehlen

Welches waren für unsere Leserinnen und Leser die besten Comics der vergangenen zwölf Monate? Hier eine aktualisierte Liste der Einsendungen.

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Lesen und lesen lassen: Die Illustration zu unserer Comic-Kür stammt von dem kanadischen Zeichner Seth.
Lesen und lesen lassen: Die Illustration zu unserer Comic-Kür stammt von dem kanadischen Zeichner Seth.Foto: Seth

Angesichts des bevorstehenden Jahresendes haben wir unsere Leserinnen und Leser gefragt, welches für sie die besten Comics der vergangenen zwölf Monate waren. Parallel dazu ist wie bereits in den vergangenen Jahren wieder eine Fachjury gefragt worden. Sie besteht aus Anne Delseit (AnimaniA, Comix), Lutz Göllner (zitty), Volker Hamann (Reddition), Matthias Hofmann (Alfonz), Martin Jurgeit (Comix, Buchreport), Stefan Pannor (Blogger, Spiegel Online), Frauke Pfeiffer (Comicgate), Andreas Platthaus (FAZ) und Lars von Törne (Tagesspiegel). Im Folgenden lesen Sie, was die Favoriten unserer Leserinnen und Leser waren. Die Buchverlosung ist inzwischen beendet, die Gewinner werden per Post benachrichtigt.

Mein Favorit ist "Aspirine" von Joann Sfar. Placeboeffekt hin oder her: Geteilter Sarg, doppelte Freude! Vampir, Frauen- und Schallplattenliebhaber Ferdinand bleibt nicht der Einzige, der sich in diesem virtuosen Bilderbogen über die Empathieklaviatur in Leserleins Herzchen einloggt. Hach - immer dasselbe, aber immer wieder erfrischend anders! Ein Comic, der im Blut perlt und doch so verträumte Terzchen unter der guten alten Haut erzeugt, dass Zipperlein pubertieren und Melancholie daunenfederweiß darüber schwebt.  - Schmerznachlass garantiert!
Stefan Müser

Meine TOP 3 für das Jahr 2014:
Das Upgrade (Graufeld / Cross Cult): Diese knallbunte Geschichte von Comic-Urgestein Ulf S. Graupner und Zeichner-Supertalent Sascha Wüstefeld hat alles: Superhelden, Aliens, Zeitreisen, Sex, Drugs und Rock'n'Roll.
Hauptakteur der Reihe ist Ronny Knäusel, der einzigen Superheld der DDR. Dieser entdeckt erst nach der Wende, dass sein Schicksal mit kosmischen Geschehnissen verknüpft ist, von denen die Welt nichts ahnt. Die faszinierende Story, das hochwertige Artwork und die völlig banane Grundidee sind der Grund, warum das Upgrade als einer der Top-Titel 2014 geradezu prädestiniert ist.
Death Vigil (Image): Die zeitgenössische Fantasy-Abenteuerreihe "Death Vigil", aus der Feder des unerschöpflich kreativen Image-Starzeichners Stjepan Sejic. Hier stürzt der Leser sich an der Seite des Sensemans -in der Gestalt der oftmals launischen Bernadette- und ihrer ehemals sterblichen Gefährten in den ewigen Kampf gegen Nekromanten und außerweltliche Dämonen. Typisch für Sejics Arbeit, gehen in "Death Vigil" blutige Schlachten, flachwitzige Kalauer, sensible Momente und wunderschöne, dynamische Bilder eine einzigartige Synthese ein.
Rat Queens (Image): Autor Kurtis J. Wiebe und Zeichner Roc Upchurch schufen mit "Rat Queens" eine Heldengruppe sondergleichen. Angelegt als genretypische Söldnertrupp, saufen, raufen, und vögeln sich die kampferprobten und rotzfrechen Heldinnen, bestehend aus der Elfenmagierin Hannah, Zwergenkriegerin Violet, der atheistische Menschenklerikerin Dee und Gnomenschurkin Betty von einem fantastischen Abenteuer zum nächsten. Der Mix aus knallharter Action, einfühlsamer Charakterzeichnung und volltrunkenem Mädelsabend ergibt eine explosive Mischung, bei der kein Auge trocken bleibt.
Marc Schmitz

Mein Favorit 2014 ist Ed Piskors "Hip Hop Family Tree". Es ist lustig, spannend, gut gezeichnet und vor allem eine wirklich gut recherchierte und genaue Dokumentation über die Entstehung von Hip Hop im New York von 1979 bis 1983.
Gisbert Schwarze

Mein Comic des Jahres: Scott Snyders und Sean Murphys  „The Wake“ (DC/Vertigo) – Der erste Teil folgt der Marinebiologin Dr. Lee Archer in die Tiefe des Meeres, in der nie für möglich gehaltene Gefahren lauern und ein actionreiches Katz-und-Maus-Spiel zwischen Mensch und Monster beginnt. In der zweiten Hälfte springt die Geschichte 200 Jahre in die Zukunft, in der große Teile der Welt überflutet sind. Die Abenteurerin Leeward versucht die Gründe der globalen Katastrophe zu entschlüsseln, deren Erklärung tief in der Vergangenheit der Menschheit verborgen ist. Der Comic mischt diverse Genres,  vom klassischen Abenteuercomic über (Tiefsee-) Horror bis zur Dystopie a la „Waterworld“, so dass eine ungemein spannende Geschichte entsteht, die zudem hervorragend durch Zeichner Sean Murphy visuell umgesetzt wurde.
Thies Albers

Dieses Jahr ist es besonders schwierig, die besten Comics unter den vielen Neuerscheinungen herauszukristallisieren. Thematisch und formal gehen die Comics und Graphic Novels immer mehr in die Breite, und teilweise lassen sich die Novitäten nicht miteinander vergleichen. Wie dem auch sei, kommen hier Titel, die für mich etwas Besonderes darstellen. Dass hier Tiere öfter mal eine Rolle spielen, ist übrigens rein zufällig. :)
1. Die Kinder des Kapitän Grant (Splitter): Dies ist eine Adaption des tragikomischen Abenteuerromans von Jules Verne. Das alleine ist schon mal gut. Noch besser bzw. interessanter ist, dass der Comickünstler Alexis Nesme sich zweier Darstellungsformen bedient, die einen Bezug zu der Zeit haben, in der die Geschichte spielt - nämlich zum 19. Jahrhundert. Zum einen ist der dreiteilige Comic komplett in einem Stil gezeichnet, der Anleihen an die Malerei der Romantik des 19. Jahrhunderts beinhaltet (Caspar David Friedrich lässt grüßen) - einschließlich. tiefer und metaphysischer Perspektiven. Zum anderen ist es ein anthropomorpher Comic, und die Darstellung der Protagonisten durch Tiere wurde nicht von Walt Disney erfunden, sondern hat seinen Ursprung ebenfalls im 19. Jahrhundert zum Beispiel bei J.J. Grandville, der bereits zu dieser Zeit 'comichaft' die Mensch-Tier-Hybriden gezeichnet hat. So hat hier jeder Charakter seine Tierentsprechung, und zugleich gelingt spielerisch die Gratwanderung zwischen Kunst und Kitsch. Der Anschlussband der dreiteiligen Serie ist kürzlich erschienen. Ein faszinierendes Comic-Kunst-Experiment, mit Bildern, in denen man sich verlieren kann.
2. Half Past Danger (Dani Books): Für unseren Blog habe ich über diesen Titel mal geschrieben: "Das ist der Comic, vor dem uns das Feuilleton immer gewarnt hat." "Half Past Danger" ist feinster Retro-Pulp in turbulenter Action mit Nazischurken, Femme Fatale, mörderischen Dinosauriern, und ich zitiere mich hier nochmal selber "... selbstverständlich ist - wann immer jemand ins Wasser fällt - sofort ein Hai zur Stelle". Fast wie ein zu Comic gewordener Spielberg-Film - nur ohne den Pathos. Das Liebhaberprojekt des irischen Zeichners Mooney ist die zeitgemäße und hemmungslose Essenz des Genres.
3. Guerillas (All-Verlag): Im Vietnam-Krieg wird das gesamte Platoon des Schützen Francis Clayton weg gemetzelt. Von nun an muss sich Clayton alleine durchschlagen. Die Lage scheint aussichtslos, bis er auf einen Zug bis an die Zähne bewaffneter Zigarren rauchender und militärisch ausgebildeter Schimpansen trifft. Ob das die Rettung oder der Untergang ist, soll hier nicht verraten werden. Autor und Zeichner Brahm Revel erzählt hier in schönen Schwarz-weiß-Bildern eine Geschichte, die irgendwo zwischen "Planet der Affen" und "Apokalypse Now" liegt. Die Zeichnungen wirken dabei wie aus einer anderen Zeit und fangen vor allem die Atmosphäre in Vietnam zwischen Natur und Kriegsgräuel ein. Erzählt wird auch auf mehreren Ebenen, so gibt es zum Beispiel im ersten Band eine längere Passage, in der im Text die Geschichte des Vaters erzählt und die Psychologie der Protagonisten glaubhaft untermauert wird, während in den Zeichnungen das Platoon durch den Dschungel wandert. "Guerillas" ist als intelligent geschriebener grafischer Unterhaltungsroman ein Kleinod. Band 2 der dreiteiligen Serie ist gerade erschienen.
Bonusrunde: Usagi Yojimbo. Außer der Reihe möchte ich Lutz Göllner folgend hier noch auf den Sammelband "Usagi Yojimbo Saga 1" hinweisen. Ich möchte den Band hier nicht lobend erwähnen, weil wir dieses Jahr 30 Jahr Usagi Yojimbo feiern, oder weil der Zeichner Stan Sakei zwei Familienmitglieder in kurzer Zeit begraben musste, oder weil die Krankheit seiner Frau uns nochmal das - Entschuldigung - beschissene amerikanische Gesundheitssystem vor Augen geführt hat (von dem wir hier wohl nicht mehr weit entfernt sind), aber auch die Solidarität vieler Zeichner von Mike Mignola bis David Petersen, die Zeichnungen mit Usagi Yojimbo erstellt und die Originale bei eBay versteigert haben, um mit dem Erlös die Behandlung der Krankheit von Sakeis Frau finanziell zu unterstützen (ein Sammelband mit Artworks erschien bei Dark Horse). Lobend erwähne möchte ich den Band, weil das 600 Seiten messende Buch einen großen Teil eines hervorragenden Comics enthält, weil Sakei ein tolles Repertoire an Geschichten drauf hat, die von Abenteur-Action-Samurei-Gemetzel, über poetische bis zu philosophischen Kurzgeschichten reichen, bei denen auch der Humor nicht zu kurz kommt. Kurz - es ist eine tolle Neuauflage eines großartigen Comics. Der Band ist leider nur auf englisch verfügbar.
Frank Wochatz, Comics & Graphics

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