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Update
Leseraktion : Die besten Comics 2014 - was unsere Leser empfehlen
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Meine drei Favoriten für den besten Comic 2014 sind:
"Kinderland" von Mawil – mit den besten Darstellungen von Tischtennisspielen die es je in einem Comic gegeben hat! Allein dafür sollte Mawil schon mal sofort die Ehrenmitgliedschaft im Deutschen Tischtennisbund verliehen werden. Dann kommt auch noch eine gekonnt umgesetzte Geschichte hinzu – einfach top! 
"Sandra und Woo", der von Oliver Knörzer geschriebene und von Powree zeichnerisch umgesetzte Webcomic über "Freundschaft, das Leben und die Kunst (keine) Eichhörnchen zu essen" gehört meiner Meinung nach schon seit Jahren zum Besten, was die Deutsche Webcomic-Landschaft zu bieten hat. 
"Dieses Buch sollte mir gestatten, den Konflikt in Nahost zu lösen, mein Diplom zu kriegen und eine Frau zu finden - Teil 2" von Sylvain Mazas, war genauso unterhaltsam und intelligent wie der erste Teil. Beide im kleinen Mückenschwein Verlag erschienenen Bände sollten noch von viel mehr Leuten entdeckt und gelesen werden, denn sie sind witzig, charmant, politisch, philosophisch – kurz: ein bisschen anders. 
Arne Schulenberg

Lesen und lesen lassen: Die Illustration zu unserer Comic-Kür stammt von dem kanadischen Zeichner Seth.
Lesen und lesen lassen: Die Illustration zu unserer Comic-Kür stammt von dem kanadischen Zeichner Seth.Foto: Seth

Wenn ich so darauf zurückblicke, was ich diese Jahr so an Comics auf meinem Lesestapel hatte, wirklich nicht ganz einfach. Aber hier mal ein paar der Alben, die mir im Kopf geblieben sind:
Gung Ho (Cross Cult): Wunderschön gezeichneter Auftakt einer Survival-Geschichte, die noch ganz groß werden könnte. Schon der erste Band macht Lust darauf, vorallem weil es mal keine Zombies sind.
Saga (Cross Cult): Ja, ganz klar diese ganz eigene, spannenden und verrückte Mischung aus Fantasy und SciFi welche es immer mal wieder schafft den Leser mit tollen Ideen zu überraschen gehört diese Jahr zu einer DER Neuerscheinungen in Deutschland.
Waisen (Cross Cult): Sicher wird mir da nicht jeder zustimmen, aber ich finde es toll dass mal wieder eine Space Opera zu lesen die Thematisch "Ender's Game" und "Starship Troopers" miteinander vermischt.
Anders (Kwimbi): Schöne Horror-Anthologie der deutschen Webcomic-Zeichner.
Marcus Luft

Meine Favoriten:
Landfill Editions: Mould Map 3
Diese Anthologie war eine der Zukunft lächelnd zugewandte Leistungsschau des künstlerisch wagemutigen Comics, die heute bereits wieder Vergangenheit ist. Was bleibt, sind grelle Farben, schräges Layout nebst buchbinderischer Eigenwilligkeit, die für einen flüchtigen Moment Fanzine-Idealismus zur pornographischen Hochglanzideologie und seltsame japanische Magazine zum Artfreudenhaus erhoben. Bleiben werden Künstler wie Lando oder das in Auszügen vorgestellte Ice Cream Kisses von Blaise Larmee, welches mittlerweile weiter vor sich hin mutiert. Dessen inoffizielle Vorabausgabe von 2D Cloud im Herbst ist ebenfalls bereits wieder Geschichte, im nächsten Jahr soll dann eine endgültige Fassung des wie aus den Eindrücken einer wärmesuchenden Rakete umgesetzten Sexting-Dramas erscheinen. Bis dahin lesen wir Larmees ironisches Künstlerstatement Comets Comets und lächeln unverdrossen weiter.
Thierry Smolderen, Alexandre Clérisse: Das Imperium des Atoms
Der Originaltitel Souvenirs de l'empire de l'atome fängt das Thema des Comics besser ein, spielt er doch mit dem sich mittlerweile zur Landplage ausgewachsenem Zitatpop anhand einer Künstlerbiografie; ein Subgenre, welches von feschen Marketingprofis gerne als eine über die Zielgruppe hinausreichende Verkaufshilfe proklamiert wird. Da das Autorenpseudonym Cordwainer Smith aber selbst innerhalb der Science Fiction den wenigsten ein geläufiger Name ist, kann es nicht das intendierte Ziel der Verfasser gewesen sein, seine recht überschaubare Leserschaft zum Erwerb von Comics zu verführen. Und wenn man überdies Werke verarbeitet, die ihrerseits auf andere Werke Bezug nehmen, welche seit Jahrzehnten fast vergessen sind, dann ahnt man, dass der auch als Comictheoretiker tätige Thierry Smolderen vielleicht einfach nur eine gute Geschichte geschrieben hat, die auf einem wahrlich interessanten Leben basiert. Ganz zu schweigen von dem in Retrostilistik schwelgenden Zeichenstil der mit einer State of the Art-Koloration gebrochen wird, die ihresgleichen sucht. Diese Art der Darstellung veranschaulicht dann eben nochmal im Vorbeigehen die Zukunft, deren Wiege in der Vergangenheit liegt. Oder umgekehrt. Da ist es dann auch egal, ob man von A.E. van Vogt auf L. Ron Hubbards Dianetics und später Scientology oder von Captain Future-Erfinder Ed Hamilton auf Anthony Hopes Der Gefangene von Zenda schließen kann, oder ob man das André Franquin-Cameo zu entdecken vermag - das ganze funktioniert eben auch ohne all diese Querverweise und zeigt neue Wege im Herangehen an Biografien auf.
Anne Simon: Aglaé
Wenn Realität und Romantik unvermittelt aufeinander prallen, wird der aufrechte Landgang aus der Ursuppe zur Tortur. Agláe, Wassernymphe, nach unverhoffter Schwangerschaft vom über die Oceaniden herrschenden Vater verstoßen, lernt das Leben von der harten Seite kennen. Bittere Wahrheiten und historische Zitate, pointiert in Sprechblasen gebettet, weisen den Weg aus der patriachalen Tyrannei, von Äsop zu den Beatles und zurück, was hat man auch zu verlieren, außer Skrupel? Ein Entwicklungsroman, der Heinz Edelmann und Mr. Kite edukativ tätig werden lässt, und mittels Schraffur und knappem Strich karikierend Fabel- und Hybridwesen erschafft, die der immer resoluter agierenden Agláe am Ende nicht viel entgegen zu setzen haben. Geschweige denn ihrem Sohn, der das autoritäre Regime seiner Mutter um eine tyrannische Note bereichert. Ein pessimistisches Coming-Of-Age mit am Wegesrand aufgespießten Männerbildern von entzückender Gnadenlosigkeit.
Alex Degen: Junior Detective Files
Junior Detective Files ist kein Comic. Es ist vielmehr 'Paper Jazz', so sieht es zumindest Alex Degen, der den üblichen Bezeichnungen für Erzählungen mittels Bildunterstützung nicht viel Liebe entgegenbringt. Oder nur so tut, das weiß man bei Herrn Degen nie so genau, denn in seiner öffentlichen Inszenierung als ADactivity ist die Narretei sein täglich Brot. Nun ist aber zumindest das vorliegende Heft bis auf einen lateinischen Blindtext (Lorem Ipsum etc) wortlos und die Einzelseiten stellen jeweils eine Szenerie mit wiederkehrenden Protagonisten dar. Das kann man wohlwollend nach Scott McCloud auf verschiedene Weisen durchkategorisieren, aber eine fortlaufende Handlung ist es trotzdem eher nicht. Dafür kann man die einzelnen Bilder als komplette Geschichten lesen, und selten habe ich mehr Zeit mit einem so umfangsarmen Werk verbracht. Es ist ein großes Kunststück, derart viele Schichten voller Subtext übereinanderzulegen und dabei trotzdem kompakt zu bleiben. Die Assoziationen reichen von tragisch-verloren bis mysteriös-abgründig und so sollte es auch sein, wenn man das Genre der nervigen Schnüfflergören AD absurdum führen will. Beste Veröffentlichung des Jahres.
Jesse Jacobs: Safari Honeymoon
Das Wort für Welt ist Wald ist der deutsche Titel einer Ursula K. LeGuin-Übersetzung, die an Eleganz und Prägnanz kaum zu überbieten ist - auch nicht vom Original, das sich mit dem bestenfalls als phonetisch ähnlich zu bezeichnenden The Word for World is Forest bescheiden muss. Der Titel böte eine Steilvorlage für Jesse Jacobs, der in seinen Arbeiten mit der Schöpfung und dem Umgang mit ihr beschäftigt ist, und wer daraus eine altbackene und religiösen Schriften nahestehende Wortwahl ablesen mag, dem sei die Lektüre von Hieran sollst Du Ihn erkennen empfohlen. Jacobs Figuren, die ab unterhalb der Hüfte wie von Niki de Saint Phalle co-designt wirken, verlieren auch im dichtesten Dschungeldickicht stets zuverlässig den Überblick, und verlaufen sich wie sonst nur noch Francis Macomber in Kenia in einer geometrisch ausgeklügelten Ornamentik, die an verworfene Konstruktionspläne für Irrgärten erinnert. Nun ist das Thema Mensch gegen Natur nicht neu, aber Jacobs, dessen Erzählfähigkeiten sich seit seiner letzten Veröffentlichung noch einmal stark weiterentwickelt haben, weiß dem ganzen eine Abseitigkeit abzugewinnen, die sich eben nicht nur in experimentierfreudiger Seitengestaltung zeigt. Der von Ernest Hemingway einst in ähnlicher Konstellation etablierten Geschlechterhierarchie wird hier mit einem Hauch frischer Luft im schwülen Urwald begegnet.
Ehrenhafte Erwähnungen:
Katie Skelly, Operation Margarine
Sarah Horrocks, Bruise
Inés Estrada, CS
Sarah Burrini, Das Leben ist kein Ponyhof
Emily Carroll, Frontier #6
Sam Alden, Frontier #5
Ping Zhu, Frontier #4
Sascha Hommer, Frontier #3
Michel Fiffe, Copra, the 2014 run
Ales Kot/Tonci Zonjic, Zero #9
Jason Aaron/Das Pastoras, Thor #18
š! #17, 'Romance'
Naoki Urasawa/Takashi Nagasaki, Billy Bat
Jamie Coe, Art Schooled
Thomas Wellmann, Pimo & Rex
Oliver Ristau

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