Manga-Reihe „Lindbergh“ : Die Herren der Lüfte

Auf den Spuren von Moebius und Hayao Miyazaki: Der japanische Zeichner Ahndongshik erzählt in seiner Manga-Reihe „Lindbergh“ eine Geschichte, die auch viele Leser westlicher Comics ansprechen dürfte.

Sabine Scholz
Wilder Ritt: Eine Doppelseite aus dem ersten Band. Foto: Kazé
Wilder Ritt: Eine Doppelseite aus dem ersten Band.Foto: Kazé

Charles Lindbergh ist nicht nur der erste Pilot, der den Atlantik alleine überquerte. Er stand jetzt auch Pate für eine Rasse drachenähnlicher Wesen, denen der japanische Zeichner Ahndongshik seine 2009 erstmals in Japan erschienenen Manga-Reihe „Lindbergh“ gewidmet hat. Der japanische Künstler, der westliche Fantasy als „Königsweg“ bezeichnet, schuf mit dem insgesamt achtbändigen Werk, das jetzt nach und nach auf Deutsch erscheint, eine Hommage an die klassischen frankobelgischen Fantasy-Scifi-Comics und deren Größen wie Mœbius. Die Mischung westlicher Erzähltechniken und traditioneller Manga-Stilmittel erinnert dabei an gefeierte Titel wie "Nausicaä aus dem Tal der Winde" von Anime-Ikone Hayao Miyazaki.

Ahndongshik entsendet den Jungen Knit und dessen winzigen Lindbergh-Sidekick Plamo in „Lindbergh“ auf eine bedeutungsschwangere Odyssee durch die Weiten des Himmels. Angestachelt vom undurchsichtigen Luftpiraten Shark verlässt Knit seine Heimat Eldura, eine legendäre schwebende Insel, auf der jedweder Flugversuch streng verboten ist. Er erfährt, dass Lindberghs in allen Größen existieren und die Fähigkeit besitzen, mit den Hinterläufen die Luft zu treten. Diese Sprünge werden von den Menschen außerhalb Elduras durch Hilfsmittel wie Flügel verstärkt und die Lindberghs so als Fluggeräte genutzt. Einst soll es sogar Exemplare mit Flügeln gegeben haben.

Noch viel mehr als das Fliegen begeistert Knit aber die Aussicht, mehr über den Verbleib seines verschollenen Vaters Merius zu erfahren. Den Grenzwächter Elduras und heimlichen Flugmaschineningenieur verlangte es ebenfalls danach, in den Himmel zu steigen. Er stürzte vor einiger Zeit über die Kante der schwebenden Insel und ward nicht mehr gesehen …

Mit kindlicher Naivität und dem Mut des Unerfahrenen lernt Knit sich in der kriegerischen Welt abseits der begrenzten Tyrannis Eldura durchzusetzen. Doch die stimmigen, mit unzähligen Accessoires liebevoll ausgestalteten Kulissen in „Lindbergh“ bevölkern noch viele andere unverwechselbare Charaktere mit ausdrucksstarker Mimik. Stets fließen die Gefühle und Persönlichkeiten der Protagonisten sowie die Atmosphäre in das trotz allem durchweg harmonische Artwork ein: Stille Gespräche erscheinen klarer als heftige Dispute, freundlich gesinnte Menschen weicher als feindselige Zeitgenossen und idyllische Landschaftsszenen ruhiger als die rasanten Luftschlachten.

Fortsetzung folgt: Das Cover des ersten Bandes, in Kürze erscheint Band 6 auf Deutsch. Foto: Kazé
Fortsetzung folgt: Das Cover des ersten Bandes, in Kürze erscheint Band 6 auf Deutsch.Foto: Kazé

Die komplexen Beziehungen der Figuren sind nicht frei von Klischees. Dennoch eröffnen die Weite von Land und Himmel sowie der energische, detaillierte Zeichenstil Ahndongshiks eine visuell wie inhaltlich eindrucksvolle Fantasiewelt, die sowohl frischgebackene Manga-Liebhaber als auch eingefleischte Comicleser überzeugen kann – und das trotz des sehr jungen Helden über alle Altersklassen hinweg.

Ahndongshik: Lindbergh, Kazé, je Band ca. 194 Seiten, je 6,95 Euro, Anfang März erscheint Band 6 auf Deutsch (insgesamt mit acht Bänden abgeschlossen)

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