Manga „Saint Young Men“ : Götter auf Urlaub

Heilige, die über sich selbst lachen: Hikaru Nakamura lässt in der Manga-Reihe „Saint Young Men“ Jesus und Buddha unter den Menschen wandeln - und zeigt, wie man mit sensiblen Themen frech umgehen kann, ohne beleidigend zu werden.

Michel Decomain
Komische Heilige: Eine Doppelseite aus dem besprochenen Band.
Komische Heilige: Eine Doppelseite aus dem besprochenen Band.Foto: Egmont Manga

Zur Erholung schlüpfen Jesus und Buddha in menschliche Hüllen und beziehen inkognito zusammen eine kleine Wohnung in Tokio – das ist die Ausgangslage von Hikaru Nakamuras Manga „Saint Young Men“, dessen zweiter Band in Kürze auf Deutsch bei Egmont erscheint. Was folgt, ist eine lose Aneinanderreihung oft sehr komischer Episoden, in denen die beiden auch all ihre Erleuchtung nicht vor den Fettnäpfchen des menschlichen Alltags bewahren kann. Sie bewirken unabsichtlich Wunder, wenn Jesus im Schwimmbad versehentlich das Wasser teilt oder Buddhas guter Draht zur Tierwelt für reichlich Ärger mit der rustikalen Vermieterin sorgt, die die beiden merkwürdigen Ausländer für arbeitslose Taugenichtse hält.

Nakamuras Umgang mit den Stiftern der beiden bekanntesten Importreligionen in Japan ist ausgesprochen unverkrampft. Es gehört zu den Besonderheiten ihres Humors, dass er frech sein kann, ohne beleidigend zu werden. Natürlich ist es streng genommen Blasphemie, Götter mit ganz menschlichen Schwächen und Problemen auszustatten. Dennoch hat man nie das Gefühl, dass sich Nakamura über die beiden Heiligen lustig macht. Man lacht viel eher mit ihnen, auch wenn es die Mangaka oft ziemlich weit treibt. Ein Running Gag dreht sich zum Beispiel um einen Yakuza, der Jesus für den Sohn eines großen Gangsterbosses hält und entsprechend behandelt.

Buddha fühlt sich zu dick, Jesus zu leblos dargestellt

Nakamura startete ihre Serie im Jahr 2007, also kurz nach dem Streit um die in Dänemark veröffentlichten Mohammed-Karikaturen. So arbeitet sie auch kleine Seitenhiebe zu Heiligendarstellungen ein. Zu Beginn gewinnt Buddha bei einer Verlosung eine lebensgroße Buddhastatue, die er dann nach Hause schleppen muss, wozu er lapidar bemerkt, dass er Idolatrie besser hätte verbieten sollen. Schon bald wächst ihm die Statue aber ans Herz und er nennt sie liebevoll Jr. Später lassen sich die beiden über ihre unvorteilhaften Heiligenbildnisse aus, meist mit geschlossenen Augen, wie bei einem im falschen Moment geknipsten Foto.

Buddha fühlt sich oft zu dick (das macht mich depressiv) und Jesus zu leblos dargestellt (sie wählen eben immer die falschen Szenen aus). Ihre Suche nach alternativen Darstellungsformen scheitert jedoch ziemlich kläglich. Buddha, ganz ergriffen von Osamu Tezukas Manga über ihn, schreibt dann später selbst einen Gag-Manga über das Himmelreich.   .

Fortsetzung folgt: Das Cover des ersten Bandes.
Fortsetzung folgt: Das Cover des ersten Bandes.Foto: Egmont Manga

Nakamura ist es wichtig, dass die Heiligen über sich selbst lachen können. So ziehen sich die beiden immer wieder gegenseitig durch den Kakao. Durch ein Missverständnis legen sie sogar einen erfolgreichen Auftritt als Comedy-Duo „Locke und Matte“ hin. Trotz aller Meinungsverschiedenheiten und gegensätzlicher Weltansichten halten sie aber immer zusammen. So ist „Saint Young Men“ vor allem ein Comic über die Freundschaft zwischen und mit den Religionen und damit heute wichtiger denn je.

Hikaru Nakamura: Saint Young Men, Egmont Manga, Band 1: 274 Seiten, 12,99 Euro, Band 2 erscheint Anfang März

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