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Medien : Aus für Fachmagazin „Comixene“

Die Traditionszeitschrift stellt ihr Erscheinen ein. Chefredakteur Martin Jurgeit erklärt das mit wirtschaftlichen Problemen und veränderten Prioritäten. Dem Neuzugang „Alfonz“ scheint es hingegen gut zu gehen.

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Finale: Das Cover der aktuellen 115. Ausgabe der "Comixene".
Finale: Das Cover der aktuellen 115. Ausgabe der "Comixene".Foto: Promo

Sie kränkelte schon länger, was Abonnenten vor allem am unregelmäßigen Erscheinungsrhythmus merkten. Jetzt wurde bekannt, dass die „Comixene“ eingestellt wird. Von der traditionsreichen Comiczeitschrift mit Analysen, Interviews und Comicrezensionen war zum Jahresende 2012 die 115. Ausgabe erschienen. Diese wird die letzte gewesen sein, wie Chefredakteur Martin Jurgeit in einem Brief an die Abonnenten bestätigte.

Der Name „Comixene“ wurde dem Onlinemagazin „Splashcomics“ zufolge an die Publizisten Andreas Knigge und Hartmut Becker zurückgegeben, die die Rechte daran haben. Begründet wird das Aus der Zeitschrift, deren Auflage nach eigenen Angaben bei bis zu 5000 Exemplaren lag, mit wirtschaftlichen Problemen und anderen Verpflichtungen des Chefredakteurs.

Mehr redaktionelle Inhalte soll es dafür künftig in der ebenfalls von Jurgeit verantworteten Zeitschrift „Comix“ finden, die bislang größtenteils aus Comics bestand und künftig zu Hälfte redaktionelle Artikel enthalten soll. Deren nächste Ausgabe soll nach Ostern erscheinen. Noch im vergangenen Herbst hatte sich Martin Jurgeit im Tagesspiegel-Interview zuversichtlich gezeigt, dass seine Zeitschrift trotz ausbleibender Gewinne fortgeführt werden kann.

In einem Rundbrief an die Autoren der „Comixene“, zu denen sporadisch auch der Verfasser dieses Artikels gehörte, begründete Chefredakteur Jurgeit am Freitagabend den Schritt ausführlicher. „Die Gründe dafür sind vielfältig“, schreibt er. So hätten die formalen und inhaltlichen Veränderungen an der Zeitschrift, die die Herausgeber vor eineinhalb Jahren vorgenommen haben, „leider nicht so starke positive Impulse ausgelöst, wie wir uns erhofft hatten, auch wenn der Verkauf gerade im Bahnhofsbuchhandel durchaus gesteigert werden konnte“. Die wirtschaftlich Situation der „Comixene“ sei aber weiterhin so schwierig, dass nur ein stark begrenzter Zeitaufwand in das Magazin gesteckt werden könne. Zudem stünden im Herausgeberkreis und der Redaktionsleitung einschneidende Veränderungen an. Jurgeit selbst habe zum Beispiel gerade eine arbeitsintensive Aufgabe als Kurator einer großen Wanderausstellung beim Wilhelm-Busch-Museum Hannover übernommen.

„All diese Entwicklungen haben dazu geführt, dass wir im Herausgeberkreis zu der Überzeugung gelangt sind, dass wir unsere diversen Magazine bündeln müssen“, schreibt er weiter. Als Basis dafür eigne sich das monatlich erscheinende „Comix“ am besten. Dort werde man künftig zu allen wichtigen Programm-Segmenten des Comic-Marktes Artikelstrecken abdrucken, die auf bedeutende Highlights des Monats hinweisen. „Unser Ziel ist es, in übersichtlicher Form, die die große Fülle an monatlichen Neuerscheinungen nach Gattungen zusammenfasst und ordnet, einen schnellen Überblick über das Geschehen in der Comic-Szene zu geben.“

Enger Markt: Wer sich für Comics interessiert, hatte bislang die Wahl unter einem halben Dutzend deutschsprachiger Zeitschriften - jetzt gibt es eine weniger.
Enger Markt: Wer sich für Comics interessiert, hatte bislang die Wahl unter einem halben Dutzend deutschsprachiger Zeitschriften -...Foto: lvt

Positivere Nachrichten gibt es dagegen von den Machern der Comiczeitschrift „Alfonz“, die im vergangenen Sommer gestartet war und bisher offenbar recht erfolgreich läuft – und im Gegensatz zur „Comixene“ Leser und Abonnenten mit verlässlichem Erscheinen erfreut. So ist das nunmehr vierte Heft gerade in den Handel gekommen, eine Liste der Inhalte gibt es hier.

Außerdem kündigt das „Alfonz“-Team Volker Hamann und Matthias Hofmann einen weiteren gedruckten „Comic-Report“ an, eine Art Jahrbuch der Szene, das sich in den vergangenen Jahren mit fundierten Analysen als wichtiger Neuzugang der Comic-Sekundärliteratur etabliert hat – mehr zur neuen Ausgabe hier.

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