„My Hero Academia“ : Kleiner Mann, ganz groß

Westliche Superhelden-Motive, überzeichnete Charaktere und viel Humor: Die Mangareihe „My Hero Academia“ schert sich wenig um Genre-Grenzen.

Sabine Scholz
Held auf Bewährung: Eine Szene aus der Reihe.
Held auf Bewährung: Eine Szene aus der Reihe.Foto: Carlsen

In einer Welt in der nahezu jeder Mensch eine „Macke“, eine unglaubliche Kraft, besitzt, sind Superhelden und Megaschurken so häufig anzutreffen wie bei uns Busfahrer und Müllmänner. Klar, dass die Fraktion der Guten den Nachwuchs bestmöglich auf die alltäglichen Schlachten vorbereiten muss. An der Heldenakademie lernen die zukünftigen Hüter von Recht und Ordnung ihr Handwerk. Izuku, einer der wenigen Mackenlosen, hegt schon lange den Traum, dort zu lernen und lässt sich auch durch die Pöbeleien seiner begabten Mitschüler nicht entmutigen. Sein Vorbild: All Might, das Symbol des Friedens. Genau diesem begegnet Izuku kurz darauf und beweist dem legendären Helden seinen unerschütterlichen Mut. All Might verrät ihm daraufhin sein größtes Geheimnis.

Naruto als großes Vorbild

Die wahnwitzige Coming-of-Age-Story „My Hero Academia“ vereint das populäre Motiv der Superkräfte von Riesenwuchs über Explosionsfähigkeiten bis hin zu Froschfrauen und Bauchnabellasern (!) mit überzeichneten Charakteren und zündendem Humor. Die große Kraft bringt für Izuku viel Arbeit mit sich, denn sein Körper ist noch zu schwach. Zudem muss er sich, an der Heldenakademie angenommen, gegen seine Mitschüler behaupten und vor den Lehrern bestehen.

Manga Metropolis - ein Tokio-Rundgang
Alltagskultur. Eine junge Mangazeichnerin arbeitet in einem Café an ihrem Werk.Weitere Bilder anzeigen
1 von 22Foto: Lars von Törne
10.11.2014 14:19Alltagskultur. Eine junge Mangazeichnerin arbeitet in einem Café an ihrem Werk.

Im Grunde zeichnet der japanische Manga-Autor Kohei Horikoshi, aus dessen Feder das Werk stammt, also den normalen Weg zum Erwachsenwerden nach. Der Manga-ka hat wie schon „One Piece“-Schöpfer Eiichiro Oda einen sehr eigenen, kontrastreichen Stil entwickelt, der von der westlichen Comic-Stilistik zehrt und die üblichen Grenzen des primär an Jungen gerichteten Shonen-Genres sprengt. Seine bizarren Figuren, die zum einen bekannte Manga-Merkmale aufweisen und zum anderen den US-Superhelden auch optisch durchaus das Wasser reichen können, bevölkern dynamisch dichte Panel-Layouts.

Fortsetzung folgt: Das Cover des vierten Bandes der Reihe.
Fortsetzung folgt: Das Cover des vierten Bandes der Reihe.Foto: Carlsen

Die aberwitzige, temporeiche Serie aus dem renommierten japanischen Magazin „Weekly Shonen Jump“ des Verlagshauses Shueisha, das schon Helden wie Naruto – laut Horikoshi eine seiner Inspirationsquellen – hervorgebracht hat, umfasst im Original bislang zwölf Bände. Sie wurde auch als Game sowie als Anime-TV-Serie mit 13 Episoden adaptiert. Der Anime ist hierzulande im Originalton mit deutschen Untertiteln bei Anime-on-Demand zu sehen. Also, aufgepasst Marvel: Die Konkurrenz aus Japan kommt!

Kohei Horikoshi: My Hero Academia, Carlsen, bislang 4 Bände (Band 5 erscheint Ende März), je ca. 192–208 Seiten, je 6, 99 Euro

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